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Sicherheit geht vor: Wie funktioniert ein Krankenhaus in Liberia in Zeiten von Ebola?

Br Bernard

Br. Bernard bespricht jeden Morgen im Team die Anliegen des Tages.

16. Dezember 2014

„Your are more than welcome“, mit diesen Worten empfingen mich nach meiner nächtlichen Ankunft in Monrovia, Liberia, die Kolleginnen und Kollegen  des katholischen Sankt Joseph Krankenhauses . Jeden Morgen treffen sich der kommissarische Direktor, Br. Bernard, die leitenden Ärzte und die Pflegedienstleitung und besprechen aktuelle Anliegen.

Zu den drängenden Anliegen der heutigen Runde gehört der Versand von Blutproben zur Ebola -Testung. Vor dem Wochenende war einer Patientin mit Fieber Blut abgenommen worden. Da es weder andere verdächtige Symptome, noch einen erkennbaren Kontakt dieser Patientin zu einem Ebola – Erkrankten gegeben hatte, war eine Ansteckung wenig wahrscheinlich.

Aber bevor diese Patientin ins Krankenhaus aufgenommen und behandelt wird, wollten die Ärzte einen Ausschluss von Ebola durch das Labor. Es stellte sich heraus, dass nicht die richtigen Transportbehälter vorrätig waren. Daher wurde mit Tüten und Plastikkontainer improvisiert. „Aber das war nicht optimal,“ sagt der zuständige Arzt, Dr. Aroh. Der Direktor, selber von seiner Ausbildung her Laborant, nimmt die Angelegenheit gleich persönlich in die Hand.

Diese morgentliche Besprechung zeigt, dass dasKrankenhaus vorsichtige Schritte unternimmt, seinen Normalbetrieb wieder aufzunehmen. Viele Fragen sind zu klären: Gibt es für alle Prozesse im Krankenhaus die richtigen Handlungs- und Verfahrensanleitungen? Sind alle informiert und geschult? Trotz Routine darf der Schlendrian nicht einreißen…

So bin ich gleich am ersten Tag in der Mitte meines Auftrags dieser Dienstreise angekommen: Unterstützung bei der vollständigen Inbetriebnahme des im August geschlossenen Sankt Joseph Krankenhauses. Dafür haben die Barmherzigen Brüder, die das Krankenhaus betreiben und das Missionsärztliche Institut von der GIZ bzw. der Bundesregierung Geld bekommen. In fünf Monaten ist das Projekt abzuwickeln. Da stehen wir alle vor einer Herausforderung, aber „Sicherheit geht vor“, sagt Br Bernard, der Krankenhausdirektor.

17. Dezember 2014

Wie funktioniert eigentlich ein Krankenhaus in Zeiten von Ebola? Um die Abläufe zu verstehen, bin ich heute auf Entdeckungsreise gegangen. Neu seit meinem Besuch hier im Oktober ist die ‚Triage-Station‘.

Triage

Das Triage-System ermöglicht eine Ersteinschätzung des ankommenden Patienten.

Auf dem Weg von der Einfahrt auf das Krankenhausgelände zum Haupthaus ist ein halboffener Hangar gebaut. Hier arbeiten tagsüber fünf Personen: Eine Krankenschwester, zwei Pflegehelferinnen und zwei Hilfskräfte.

Da grade nichts los war, habe ich mit ihnen den Ernstfall simuliert. Die Schwestern haben ihre einfache Schutzkleidung angezogen, mir gezeigt, wo (nämlich mit Einhaltung von 2 Metern Abstand)  und wie Patienten befragt werden. Natürlich wird auch Fieber gemessen. Wer Fieber hat, über verdächtige Symptome klagt und ggf. über einen Kontakt zu einem Ebola-Patienten oder die Teilnahme an einer Beerdigungszeremonie berichtet, der wird weitergeleitet auf die Sonderisolierstation.

Andernfalls wird der Patient zum Haupthaus geleitet. Dort arbeitet im Augenblick aber nur die Geburtshilfe. Wir hatten gerade begonnen im Foto-Shooting zu simulieren, wie vorzugehen ist, wenn ein Patient bei der Befragung erbricht, da gab es Aufregung am Tor. Ein Taxi hupte und ein aufgeregter Fahrer hatte es offensichtlich eilig, seine Patientin loszuwerden.Eine hochschwangere Frau, der es offensichtlich schlecht ging.

Während ich schon innerlich aufsteigende Panik verspürte (selbst aus mehr als vier Meter Distanz), spulten die Kolleginnen und Kollegen routiniert ihr Screening – Programm ab. Ganz klar war: keine Hektik, die Situation sichern und auf keine vermeindliche Notfall-Situation reagieren.

Triage II

Routiniert befragt das Krankenhaus-Personal die neuankommenden Patienten.

Die Patientin wurde befragt und so wurde klar, dass sie kein Fieber hatte und auch keinen Kontakt  mit Ebola-Erkrankten und somit zur weiteren Behandlung ins Krankenhaus gebracht werden konnte. Eine ruhige Abklärung von Ernstfällen kann man also lernen, dachte ich. (Was aus dem Taxi geworden wäre, wenn es sich wirklich um einen begündeten Ebola – Verdachtsfall gehandelt hätte, kann man sich auch fragen.)

Nun, nicht immer sind die Entscheidungen eindeutig, vor allem wenn Patientinnen in Wehentätigkeit und mit Geburtskomplikationen kommen. Um niemanden, weder Personal noch Patienten, zu gefährden, werden solche Fälle in fortgeschrittener Schutzkleidung behandelt. Dies geschieht in der „Roten Zone“ in der Geburtshilfe. Auch hier wieder das Prinzip der Sicherheit.

Die Vorschriften besagen, dass die Wege der Patientinnen und des Personals getrennt sind. Die Schutzkleidung muss, wie in einer Ebola – Behandlungseinheit an- und nach einer Stunde ausgezogen werden. Operationen und Entbindungen werden wegen des möglichen Kontakts mit Blut im Augenblick nur von Personal im vollen Infektionsschutz durchgeführt.

Entsorgung

Die Abfälle aus OPs werden in versiegelten Gruben entsorgt.

Die täglichen Müllberge sind erheblich, die recyclebare OP – Wäsche und die zu reinigenden Boots beschäftigen weiteres Personal. Selbst zur Beseitigung der Plazenta gibt es nun die Auflage des Gesundheitsministeriums, diese in einer speziellen Grube zu entsorgen. Dafür ist Timmy zuständig, der mir stolz die neue versiegelte Grube zeigt.

Ich bin beeindruckt von der Komplexität der Abläufe, die Infektionsschutz vor Ebola in einem Krankenhaus erforderlich macht.

Wie weise ist die Entscheidung des Krankenhausmanagements, nach der Wiedereröffnung  erstmal nur mit acht geburtshilflichen Betten zu beginnen, damit langsam wieder Routine einkehren kann.

Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der bereits das zweite Mal in Zeiten der Ebola-Epidemie nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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