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Wiedersehen im Saint Joseph Krankenhaus in Monrovia

Der größte Fortschritt in den letzten zwei Monaten auf dem Weg der Wiederöffnung des Saint Joseph Krankenhauses ist, dass dieses für die Hauptstadt Monrovia das anerkannte Referenzzentrum für komplizierte Entbindungen geworden ist.

Wer meine Beiträge in den vergangenen Monaten gelesen hat, wird verstehen, wie mühevoll die ersten Schritte der Umsetzung des praktischen Infektionsschutzes waren. Und heute: Da werden in dieses Krankenhaus komplizierte Entbindungsfälle von allen anderen Einrichtungen der Stadt verlegt. Teil dieser Erfolgsgeschichte ist der Gynäkologe Dr. Roody Lukambo.  Er hatte bisher nur ein Problem: Für seine Schuhgröße 49 gab es keine Gummistiefel auf dem lokalen Markt. Seit heute ist er nun stolzer Nutzer von drei Paar Stiefeln in seiner Größe, die ich in meinem Gepäck mitgebracht habe.Mitarbeiter Saint Joseph Hospital Monrovia_Liberia_2015_c Klemens Ochel (2)
Im Saint Joseph Krankenhaus haben im letzten Monat zirka 70 Frauen pro Woche entbunden. Jetzt wurde die Bettenanzahl noch mal erhöht auf 24. Daneben ist die Schwangerschaftsvorsorge wieder angelaufen.

Der steigende Patienten-Verkehr muss auch von der Triage-Einrichtung, über die ich berichtet habe, bewältigt werden. Zwischen 70 und 100 Befragungen von Patienten und Abklärungen von Verdachtsfällen finden dort an Wochentagen statt. Bei meinem Besuch stelle ich fest, dass hier auch Schwestern-Schülerinnen arbeiten. Zunächst fand ich das mutig. Aber Triage will gelernt sein und die Schülerinnen werden es in ihrer beruflichen Zukunft sicher gebrauchen.Mitarbeiter Saint Joseph Hospital Monrovia_Liberia_2015_c Klemens Ochel (1)

Persönliche Schutzkleidung hat sich im Alltagsbildes des Krankenhauses durchgesetzt. Bestimmte Zonen im Krankenhaus sind nur mit unterschiedlich qualifizierter Schutzkleidung zu betreten. Eine klare Kennzeichnung bei den Zugängen weist darauf hin. Die Wege zwischen Patienten und möglicherweise kontaminierten Materialien und dem Personal sind klar getrennt.

„Wir geben pro Tag bis zu 100 Einheiten von Schutzkleidung heraus,“ erklärt mir Bruder Pierre Chardey, der ‚Gebieter des Magazins‘. Die einfache Schutzkleidung in der Triage kostet zwischen 20 und 30 Euro. Einmalschürzen werden entsorgt, aber Gesichtsmasken können nach Aufbereitung auch wieder verwendet werden. Auf den Stationen wird mit Schutzkleidung für 40 bis 50 Euro gearbeitet. Auf der Isolierstation und im OP bei Kaiserschnitten kommt die fortgeschrittene Hochsicherheitsvariante zum Einsatz. Diese kostet um die 80 Euro.Mitarbeiter Saint Joseph Hospital Monrovia_Liberia_2015_c Klemens Ochel (3)
Nun: Wir müssen nicht meinen, dass Deutschland und reiche Länder die einzigen sind, die sich solidarisch mit ihren Hilfeleistungen zeigen. Im Krankenhaus erlebe ich, dass auf der wiedereröffneten Kinderstation auch Personal aus Äthiopien Dienst tut. Auch aus Anrainerstaaten kommt bedeutende materielle Hilfe, wie zum Beispiel ein neues Ambulanzfahrzeug, das von Caritas Senegal bereit gestellt wurde.Mitarbeiter Saint Joseph Hospital Monrovia_Liberia_2015_c Klemens Ochel (4)

Und noch eine hoffnungsvolle und mutmachende Nachricht zum Schluss: Zur Zeit befindet sich kein Patient in einer Ebola-Behandlungsstation. Die vorerst letzte Patientin wurde vorgestern entlassen. Dennoch gibt es immer noch Kontaktpersonen, die in den kommenden 21 Tagen nachbeobachtet werden müssen. Damit es weiterhin so bleibt, darf es keine neuen Fälle, z.B. durch Einschleppung von außen, geben. So geschehen in der letzten Woche in Sierra Leone, wo von fünf Fällen bei Fischern berichtet wurde, die sich vor den Behörden versteckt hatten.
Also heißt es weiterhin die Daumen zu drücken…

Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der im Rahmen der Ebola-Epidemie mehrmals nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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