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Klinik unter IPC (infection protection and control) – Krankenhausalltag in Liberia

Sie fragen sich, was hinter „IPC“ steckt?

Die Abkürzung steht für „infection protection and control“. Damit sind alle Materialien, Maßnahmen und praktischen Verfahren im Ablauf der Patientenversorgung gemeint, die die Ausbreitung einer (hoch-)ansteckenden Krankheit wie Ebola in einer Einrichtung unterbinden sollen.

Ich will das am Beispiel vom Saint Joseph Krankenhaus darstellen: Wenn Sie an die Einfahrt zum Saint Joseph Krankenhauses kommen, dann kontrollieren Sicherheitsbeamte die Temperatur.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (1)Auch selbst bei wenige Tage alten Kindern wird die Temperatur dokumentiert.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (2)Kein Fieber? Dann darf man in den Wartebereich. Da jetzt schon 50 bis 80 Patienten pro Tag das Krankenhaus aufsuchen, hat die Direktion ein Zelt für Wartende aufstellen lassen, denn in bereits zwei bis drei Wochen beginnt die Regenzeit.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (3)Patienten mit Fieber werden vom Wachpersonal direkt zum Triage – Hangar geführt, durch den alle hindurch müssen. Hier klärt das Personal, ob ein ‚begründeter Ebola‘ -Verdacht besteht oder nicht. Dies ist eine sehr verantwortungsvolle Aufgabe, wofür klare Checklisten und Protokolle ausgearbeitet wurden. Jeder wird gleich behandelt. Keine Ausnahme!Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (4)Kann die Frage „Verdacht auf Ebola“ verneint werden, leitet eine Schwester die Patienten zur Ambulanz weiter. Hier kann im Rahmen der Sprechstunde eine stationäre Behandlung veranlasst werden. Doch davor heißt es wegen des großen Andrangs erst einmal wieder warten.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (6)Derzeit nimmt das Krankenhaus nur Kinder und Schwangere auf. Die Erwachsenenstation soll in einem Monat reaktiviert werden. Patienten mit Durchfall und Erbrechen landen sicherheitshalber im „roten Bereich“ der stationären Versorgung, aber das ist die Ausnahme.

In der Regel geht es aber weiter in den „gelben Bereich“ der Station, wo dennoch immer noch mit einfacher Schutzkleidung gearbeitet wird. Bei Kindern ist eine Bezugsperson erlaubt.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (7)Gibt es einen begündeten Ebola-Verdachtsfall, so wird die Person zur Isolierstation außerhalb des Krankenhauses geleitet.

Hier wird Blut abgenommen und ins nationale Referenzlabor zur Ebola-Diagnostik geschickt.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (8)Auch hier sind die Mütter der kleinen Patienten zugelassen. Um so wichtiger, dass diese zu ihren Angehörigen Kontakt halten dürfen.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (5)Alle, die in der Schutzkleidung arbeiten, müssen sie auch sicher wieder ablegen. Das Ausziehen erfordert oft die letzten Kräfte nach einem anstrengenden Tag.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (10) Sowohl der Einsatz von Personal als auch Material ist enorm. Ohne Hilfe von außen kann das Krankenhaus den großen Bedarf an Ressourcen nicht aufbringen. Solange die Behörden nicht erklären, dass Liberia frei von Ebola ist, solange wird im Saint Joseph Krankenhaus unter diesen aufwendingen IPC – Maßgaben weitergearbeitet.Klink unter IPC-Ebola-Liberia_Klemens Ochel (11)

Erst danach wird man einen Teil der Schuztmaßnahmen zurückfahren können. Isoliereinrichtungen und Schutzkleidung bei schwerwiegenden Infektionskrankheiten werden dennoch bleiben. Auch das Händewaschen vor – und nach jedem Patientekontakt wird sicher bleiben. So ist es gut, dass dies bereits die Schwesterschülerinnen und -Schüler lernen, die am Saint Joseph Krankenhaus seit Februar wieder den praktischen Teil ihrer Ausbildung absolvieren können.

Wenn Sie meinen Blog vom Dezember mitverfolgt haben, dann werden Sie mir zustimmen, dass die Hilfe angekommen und vieles Positives bewirkt hat. Das Krankenhaus ist auf einem guten Weg wieder ein wichtiges Versorgungskrankenhaus zu werden.

In den kommenden Tage bin ich mit Dr. Martin Bröckelmann-Simon von MISEREOR unterwegs. Hoffentlich erleben wir ähnliche Erfolgsgeschichten bei den katholischen Gesundheitsdiensten.

Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der im Rahmen der Ebola-Epidemie mehrmals nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


So können Sie helfen…

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Gemeinsam mit einheimischen Partnerorganisationen engagiert sich MISEREOR in Liberia und den Nachbarländern, um das Sterben durch Ebola zu beenden und die Gesundheitsversorgung dauerhaft zu verbessern.

Hier können Sie für die Betroffenen der Ebola-Krise spenden →

So hilft Ihre Spende…

  • 50 Euro helfen 50 l Chlorbleiche anzuschaffen, um Lösungen zur Desinfektion oder zum Händewaschen herzustellen.
  • 75 Euro kosten 3 Infrarot-Thermometer, die dringend und in großer Zahl gebraucht werden.
  • 100 Euro kosten 50 Gesichtsmasken für Pflegekräfte und Ärzte oder 30 langärmlige Handschuhe für Hebammen, die jetzt auch für den besseren Schutz von Schutzanzügen eingesetzt werden.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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