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„Decoration Day“ in Liberia

Heute ist Feiertag in Liberia. Er trägt den Titel „Decoration Day“. Die Amerikaner kennen den ‚memorial day‘ an dem der gefallenen Soldaten gedacht wird. In Liberia, so sagen uns die Kollegen der Caritas Monrovia, gehen traditionell die Familien auf die Friedhöfe und verbringen dort den Tag. Die Gräber ihrer Angehörigen werden dann reich schmücken.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (5)Auf unserem Weg nach Bomi zu einem Landwirtschaftsprojekt konnten Martin Bröckelmann-Simon und ich in der Tat viele Menschen auf den Friedhöfen sehen. An den Straßenrändern wurden künstliche Blumengebinde in pink, hellblau und weiß angeboten.

Dieses Jahr gehen viele Menschen zu ihren an Ebola verstorbenen Angehörigen und schmücken ihre Gräber. Ich mochte aus Respekt die Menschen auf den Friedhöfen nicht fotografieren. Aber dafür habe ich ein anderes Grab mit Blumen gefunden, welches ich fotografierte, ohne einen Angehörigen zu stören.

Erstmals gedenkt das Land seiner Ebola – Toten. Nach den neuesten Bericht der WHO hat es 4162 Menschen durch die tödliche Seuche verloren. Mehr als doppelt so viele Menschen sind nach Expertenschätzungen zusätzlich gestorben, weil Gesundheitsdienste geschlossen werden mussten, um eine Übertragung im Gesundheitssektor zu verhindern und das Personal zu schützen.

Gott sei dank sind die Stimmen verstummt, die Menschen Schuld an dem Auftreten der Seuche gegeben haben. Heute werden alle Toten geehrt. Dies ist ein Schritt zur Aufarbeitung des Traumas.

Wir haben uns heute Projekte der nachhaltigen ländlichen Entwicklung angesehen. Bei dieser Arbeit unterstützt Misereor die Caritas und Entwicklungsorganisation der Erzdiözese Monrovia (CDOM).Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (8)Lorenzo Nimley schildert uns die Grundlagen des Projekts und berichtet, wie seit einem halben Jahr das Thema Ebola in die Schulungsarbeit mit Dorfbewohnern Eingang gefunden hat.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (1)„In unseren Projektdörfern ist die Existenz von Ebola keine Frage mehr. Die Menschen haben verstanden, dass es sich um eine Viruserkrankung handelt. Sie kennen die körperlichen Symptome und wissen, dass sie bei Verdacht sofort Kontakt mit den Gesundheitsbehörden des County aufnehmen müssen.“, sagt er uns zur Einführung. Die Farmer, die vom Projekt beraten werden, haben Plastikgefäße bekommen, in denen chloriertes Wasser zum Händewaschen bereitgestellt werden kann. „Im Augenblick halten sich die Menschen noch an die no-touch Regel, d.h. keinem die Hand schütteln und Berührungskontakte vermeiden,“ sagt Lorenzo. Doch wie lange dies noch durchzuhalten ist, wenn die Regierung hoffentlich bald das Land Ebola frei erklärt, weiß er nicht.

Im Rahmen des Projekts werden Männer, aber auch Frauen beraten, was sie,mit möglichst großem Ertrag wie anbauen müssen. Es geht um Maniok, Ananas, Erdnüsse oder Gemüse, aber auch um Rotölpalmen oder Kautschuk-Bäume. Stolz zeigen uns die Menschen ihre Felder, aber vorher bitte schön Hände waschen.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (2)Beeindruckend ist die große Zuversicht, mit der uns eine Bäuerin mit fünf Kindern, die ihren Mann im Bürgerkrieg verloren hat, erläutert, dass sie dank des Projekts wirtschaftlich auf eigenen Beinen stehen kann.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (6)Die Dörfer, in denen CDOM arbeitet, sind von Ebola verschont geblieben. Aber dennoch gibt es sichtbare Folgen. Menschen mit anderen Erkrankungen konnten nicht behandelt werden, weil das Krankenhaus in 30 km Entfernung geschlossen war. Wenn man genau hinsieht, findet man Menschen wie diesen Mann, der unter schwerer Gürtelrose leidet.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (4)Wenn ich die Verhältnisse in Bezug auf Gesundheit mit anderen afrikanischen Ländern vergleiche, dann sind diese Dörfer in Liberia schlechter dran. Es fehlt an den wichtigen Voraussetzungen für Gesundheit, z.B. Wasserstellen wie diesen, aber auch Zugang zu Basisgesundheitseinrichtungen.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (3)In Bezug auf Ebola stellt sich die Frage, wie dieses Projekt einen Beitrag leisten kann, dass die Menschen auf dem Land auf einen möglichen nächsten Ausburch vorbereitet sind?

Das Wissen um Ebola, die Kontrolle und die Notwendigkeit Fälle zu isolieren, muss erhalten bleiben. Die Verbesserung der Hygiene wie Händewaschen darf nicht aufgegeben werden. Aber am Schwierigsten wird es sein, Beerdigungszeremonien auch in Zukunft sicher und würdig zu gestalten. Das Land muss es schaffen, sich von alten, möglicherweise gefährlichen, Beerdigungstraditionen zu verabschieden. Da sind nicht zuletzt die Würden- und Verantwortungsträger der Glaubensgemeinschaften gefragt.

Das sind meine Gedanken zum Dekoration Day, an dem ich wieder viel gelernt habe.

Die Mitarbeiter des CDOM haben für uns ihren Feiertag zum Arbeitstag gemacht. Danke für diesen „Working Holiday“. Stellvertretend für das Team und ihren Einsatz ein Foto der einzigen Mitarbeiterin bei CDOM.Decoration Day in Liberia_Klemens Ochel (7)Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der im Rahmen der Ebola-Epidemie mehrmals nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


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Gemeinsam mit einheimischen Partnerorganisationen engagiert sich MISEREOR in Liberia und den Nachbarländern, um das Sterben durch Ebola zu beenden und die Gesundheitsversorgung dauerhaft zu verbessern.

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  • 50 Euro helfen 50 l Chlorbleiche anzuschaffen, um Lösungen zur Desinfektion oder zum Händewaschen herzustellen.
  • 75 Euro kosten 3 Infrarot-Thermometer, die dringend und in großer Zahl gebraucht werden.
  • 100 Euro kosten 50 Gesichtsmasken für Pflegekräfte und Ärzte oder 30 langärmlige Handschuhe für Hebammen, die jetzt auch für den besseren Schutz von Schutzanzügen eingesetzt werden.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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