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‚Ebola muss verschwinden‘

Wer sich durch den morgentlichen Berufsverkehr quält, der muss nahe des Präsidentenpalasts in Monrovia unweigerlich an diesem Straßenschild vorbei. „Ebola must go“ – Aber ist das realistisch?Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (3)Ebola ist ja nicht ein unliebsamer, gefährlicher Gast, den man abschieben könnte. Wohin auch und wäre Abschiebung zulässig?

Die Ebola-Viruserkrankung ist eine hochansteckende, meist tödlich verlaufende Infektionskrankheit, verursacht durch das Ebola-Virus, das seinen Weg in die Biosphäre Westafrikas gefunden hat, und das nicht erst seit einem Jahr. Wir müssen davon ausgehen, dass es weiter in der Region bleiben wird und jederzeit wieder auf den Menschen überspringen kann. Das wissen wir bereits von Ländern, in denen es bisher regelmäßig aufgetreten ist.

Was wir allerdings nicht wissen ist, welche Rolle menschliche Haustiere wie  Schweine oder Hunde in der Übertragungskette gespielt haben und spielen werden. Wir wissen nicht, ob das Virus nicht irgendwann vielleicht doch durch Tröpfchen von virushaltigen Partikeln in der Luft übertragen werden kann. Wir kommen darüber hinaus vermutlich zu spät, um in Studien die Wirksamkeit von Medikamenten oder Impfstoffen gegen die Ebola-Erkrankung nachgewiesen zu haben.

Die Ebola-Übertragung muss aufhören, da stimme ich zu. Wir sollten nicht zu voreilig sagen, „es ist vorbei.“ Denn weder Liberia, noch die weiteren Krisenregionen werden Ebola in absehbarer Zeit loswerden. Ebola wird auch als globales Gesundheitsproblem „nicht einfach weggehen“. Letztlich können wir uns nur darauf vorbereiten, dass es jederzeit wieder kommen kann. Es wird bereits viel von ‚Vorbereitung – Preparedness‘ gesprochen. Aber was bedeutet das?

Für mich bedeutet es, dass die Menschen in den Krisenländern bei der Überwindung der Folgen unterstützt werden. Das sieht auch Erzbischof  Zeigler so, den Martin Bröckelmann-Simon und ich besucht haben. Er berichtet uns von den schrecklichen Folgen für die Waisenkinder aus Ebola-betroffenen Familien. Und in besonderer Weise sind noch mal Kinder betroffen, die Ebola überlebt haben.Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (4)Viele wissen von der Not dieser Kinder. Die besondere Traumatisierung und die kulturell bedingte Ausgrenzung wirkt sich zerstörerisch auf die psycho-soziale Entwicklung der Kinder aus. Doch wer gibt angemessene und qualifizierte Hilfe?

Uns berichten die Mitglieder der Selbsthilfegruppen, die sich regelmäßig im HIV/Aids-Zentrum der Erzdiözese treffen, dass die mentalen Probleme dieser Kinder die Hilfe so schwierig macht.

Viele der Mitglieder der Gruppe sind offensichtlich selber schwer krank. Um so erstaunlicher, dass gerade diese Menschen, vor allem Frauen, sich für das Wohl und die Gesundheit der Kinder einsetzen. Sie machen diese Arbeit freiwillig und geben damit eine Antwort, die wichtig ist für den sozialen Zusammenhalt und die Resilienz der Menschen vor Katastrophen wie Ebola.

Schwester Thava bittet sie, genau zuzuhören, wen in ihren Gemeinschaften Menschen ausgegrenzt werden. „Wir können Fehl- und Falschvorstellungen nur bekämpfen, wenn wir den Menschen zuhören, sie nicht vorab verurteilen und dann die richtigen Antworten in einer verständlichen Art und Weise geben,“ sagt sie der Gruppe. Uns gegenüber ergänzt sie, dass sie das auch von allen erwarten würde, die in ihr Heimatland Sri Lanka kommen.Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (6)Martin Bröckelmann-Simon und ich wollen aber nicht nur hören, wir wollen auch sehen, ob sich in den Dörfern etwas getan hat. Im Dezember war ich in dem Vorortslum ‚VOA – Voice of America‘ gewesen. Dort habe ich ein Geschwisterpaar kennengelernt, dessen Eltern an Ebola gestorben sind und die seitdem bei der Großmutter aufwuchsen. Damals ließen sie den Besuch apathisch über sich ergehen.Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (2)

Heute gehen die beiden wieder in die Schule. Dies hat die ganze Familiensituation entspannt und die Großmutter schafft es, mehr Einkommen zu erwirtschaften. Es reicht aber noch nicht für das Schulgeld, dass sie von Schwester Thava bekommt.Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (1)
Den Besuch von MISEREOR nimmt die katholische Kirche in Liberia zum Anlass, eine Zwischenbilanz zu ziehen. An der Auswertung nahmen Vertreter der drei Diözesen teil. Die katholischen Gesundheitsdienste (14 von 17) sind zum großen Teil während der gesamten Krise offen geblieben. Dagegen waren die meisten staatlichen Einrichtungen geschlossen. Mehr als 350 Mitarbeiter der Gesundheitsdienste wurden in Infektionsschutz ausgebildet. Heute gibt es in 5 Zentren Triage und Isoliereinheiten. Die Kirche bildete über 525 Lehrer aus und die Caritas beteiligte sich an Aufklärungsprogrammen auf Gemeindeebene, sicherte die Versorgung von Familien in Quarantäne und führte viele tausende Hausbesuche durch. Dies alles wurde durch weltkirchliche Solidarität möglich, aber die Antwort hat die Ortskirche gegeben.Ebola must go  _ Klemens OchelJPG (5)
Ein Beitrag von Dr. Klemens Ochel, Tropenarzt am Missionsärztlichen Institut in Würzburg, der im Rahmen der Ebola-Epidemie mehrmals nach Liberia gereist ist, um die lokalen Partner beim Kampf gegen Ebola zu unterstützen.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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