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„Veränderung beginnt mit einer Idee im Kopf.“

Die eigenen Fähigkeiten zu entdecken und neue Wege zu gehen: Diese Möglichkeit bietet MISEREOR jedes Jahr 14 jungen Menschen im Rahmen eines Freiwilligendienstes bei einem seiner Projektpartner in Asien, Afrika oder Lateinamerika. Einer von ihnen ist Tobias Grummel, der seinen Freiwilligendienst beim Partner PREDA auf den Philippinen absolvierte. Sein Engagement für PREDA besteht auch über diesen Aufenhalt hinaus: Bereits zum zweiten Mal  begeleitete er in diesem Jahr die Theatertournee der philippinischen Gruppe AKBAY in Deutschland und Österreich.
Tobias GTobias, du hast ein Jahr mit dem MISEREOR-Freiwilligendienst auf den Philippinen verbracht. Wie hast du das Thema Klimawandel und Anpassung an den Klimawandel vor Ort erlebt?

Tobias Grummel: Ich war von 2012 bis 2013 auf den Philippinen. Dort habe ich in der MISEREOR-Partnerorganisation Preda mit Kindern und Jugendlichen gearbeitet. Das Thema Klimawandel war dort sehr aktuell, fast alltäglich. Als ich ankam, hatte die Regenzeit ihren Höhepunkt erreicht und der Monsunregen prasselte jeden Tag für mehrere Stunden auf die Erde. Kleine Rinnsale entwickelten sich schnell zu mittelgroßen Bächen und der Wasserpegel in der nahegelegenen Bucht stieg an. Wenn man keinen Regenschirm dabei hatte, wurde man wirklich so nass als wäre man schwimmen gegangen. Die Bewohner erzählten mir, dass der Regen in den letzten Jahren immer stärker geworden sei und ihre Häuser oft überschwemmt werden, da sie nah am Fluss leben. Dazu muss man sagen, dass die Flüsse meistens als Abwasserkanäle dienen – man kann sich vorstellen, wie eine Überschwemmung dann aussieht.
Anpassung ist ein gutes und wichtiges Stichwort: da der Klimawandel teilweise sehr rasch und unvorhersehbar auftritt, müssen die Menschen sich schnell und kreativ anpassen. Unterstützung seitens der Lokalregierungen ist eher selten, also suchen sich die Menschen das nötige Baumaterial selbst zusammen: Bleche und Bambus – mit dem Wissen, dass sie nach dem nächsten Sturm wieder neue Stellen zu flicken haben.

Erinnerst du dich, wann du das erste Mal mit MISEREOR in Kontakt gekommen bist?

Tobias Grummel: Bei meinem ersten Kontakt mit MISEREOR war ich neun Jahre alt war. Ich komme aus dem Emsland und hier ist der Fastenmarsch immer eine besonders große Aktion, an der auch ich jedes Jahr teilgenommen habe. Ich fand es damals immer super, Geschichten über andere Kinder in der Welt zu hören und diese durch etwas Einfaches wie Fahrradfahren unterstützen zu können. In der Oberstufe dann habe ich mich gefragt, was ich nach dem Abitur machen könnte – auf jeden Fall nicht direkt ins Studium! Somit bin ich über das „weltwärts“-Programm des BMZ auf den MISEREOR-Freiwilligendienst gestoßen und habe mich beworben.

Nach deinem Freiwilligendienst engagierst du dich weiterhin ehrenamtlich für MISEREOR und auch für die Theatergruppe Akbay.

Ich möchte auch nach meinem Auslandsaufenthalt aktiv bleiben, was entwicklungspolitische Themen angeht. Deshalb finde ich es sehr schön, dass wir als ehemalige Freiwillige erstens so gut vernetzt und zweitens eine sehr gute Verbindung zu MISEREOR haben. Dass wir uns immer noch treffen können ist eine gute Sache, um sich gegenseitig auszutauschen und weiterhin auf dem neuesten Stand zu bleiben was z.B. die Arbeit von Misereor im aktuellen politischen Geschehen angeht. Außerdem bietet dies die Möglichkeit, weiterhin in Kontakt mit den Partnerorganisationen zu bleiben – eine schöne Ressource.

Während meiner Zeit auf den Philippinen habe ich auch intensiven Kontakt zu der Jugendorganisation von Preda gehabt – AKBAY genannt. In dieser Gruppe engagieren sich lokale Jugendliche und junge Erwachsene ehrenamtlich und spielen hauptsächlich Theater, geben aber auch Seminare in Schulen oder Kindergärten und helfen in den Projekten. Nachdem ich wieder in Deutschland war, wollte ich Preda weiterhin unterstützen und organisiere mit weiteren ehemaligen Freiwilligen mittlerweile zum zweiten Mal die „AKBAY Theatertour“ bei der wir mit 8 philippinischen Schauspielerinnen und Schauspielern durch Deutschland und Österreich fahren, um für sechs Wochen in unterschiedlichen Städten das Stück „Once we had a dream“ aufzuführen. Es behandelt Themen wie Landraum, Menschenhandel, (Cyber-)Sextourismus sowie Kindesmissbrauch und wird komplett in deutscher Sprache aufgeführt. Während der Tour fungiere ich als Fahrer, Organisator, Redner und eigentlich als „Junge für alles“. Für mich ist es großartig, meine Freunde von damals hier in Deutschland wieder zu treffen und mit ihnen zu arbeiten. Da ich ja auch noch kein erfahrener Eventmanager bin (und auch höchstwahrscheinlich nicht werde, da ich Soziale Arbeit studiere), stoßen wir manchmal an Grenzen, die wir dann aber oft mit Kreativität und Erfindungsgeist überwinden. Schlussendlich bekommen wir immer sehr gutes Feedback zu unserer Arbeit, mit der wir hoffen, die Menschen hier auf die Probleme auf den Philippinen und weltweit aufmerksam zu machen. Ich habe während meiner Zeit im Ausland vieles sehen dürfen, oft schönes, manchmal aber auch die unschönen Dinge. Um die Nachteile dieser Menschen stückweise beseitigen zu können, engagiere ich mich bei MISEREOR und PREDA weiterhin, da ich es nicht nur als Anliegen von einzelnen Wenigen ansehe, sondern als mein ganz persönliches.

Was bedeutet das Motto dieser Fastenaktion „Neu denken! Veränderung wagen.“ für dich persönlich? Wo kannst du dir vorstellen neu zu denken und Veränderung zu wagen?

Tobias Grummel: „Neu denken! Veränderung wagen.“: Das bedeutet für mich ganz konkret, dass ich als Bewohner dieser Welt die Freiheit habe, neu zu denken. Ich kann und darf mir Gedanken machen über das, was in der Welt vor sich geht – und das Gute daran ist, dass ich nicht alleine bin. Ich treffe viele Menschen mit interessanten Ideen und lass mich gerne inspirieren, wie das „neue Denken“ auch in meinen Lebensalltag Einzug finden kann – sei es durch beispielsweise überlegteren Konsum von Nahrung. Veränderung beginnt mit einer Idee im Kopf von Menschen, die dann aber auch umgesetzt werden muss. Ich versuche soweit es mir möglich ist, kleine Veränderungen zu wagen und auch andere Menschen an meinem Denken teilhaben zu lassen. Bei Preda werden beispielsweise in einem Fair Trade-Projekt lokal ansässige indigene Bevölkerungsgruppen durch den fairen Handel mit den von ihnen geernteten Mangos unterstützt. Kinder können zur Schule gehen, Häuser können standfester gebaut werden und die Gemeinschaft in den Dörfern entwickelt sich weiter. Die Mangoprodukte finden wir in den „Weltläden“ in Deutschland wieder: Mangosaft, Gummibären, Brotaufstrich oder getrocknete Mangos. Die sind nicht nur fair gehandelt und biologisch, sondern schmecken auch noch super! Außerdem eignen sie sich super als Geschenke, genau wie viele andere faire Produkte. Ich kaufe sie für Freunde, um Freude zu bereiten und Veränderung nicht nur zu wagen, sondern auch aktiv zu betreiben.


Die Projekte zur Fastenaktion 2015

Das Leben auf den Philippinen bedeutet ein Leben am Wasser. Besonders die Fischer des Landes bekommen die Folgen der Klimaveränderung hautnah zu spüren. MISEREOR-Projekte unterstützen die Menschen dabei, ihre Lebensweise der veränderten Situation anzupassen, so ihren Lebensraum zu bewahren und Katastrophen vorzubeugen.

Autor:

Julia Frielinghausen

Julia Frielinghausen arbeitet als Online-Redakteurin bei MISEREOR. Dort ist sie u.a. für den Bereich Soziale Medien zuständig.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Lieber Tobi,
    super, dass du die Theatergruppe nun schon zum zweiten Mal begleitest. Das ist wirkliches Engagement in Rahmen von „Veränderung wagen“. Hier sieht man, dass der Perspektivwechsel, der einer der Hauptgründe für den Freiwilligendienst ist, nachhaltig Früchte trägt.

    LG, Uta

  2. Tobias, ich bin sehr stolz auf dich und das Engagement, das du zeigst. Mach immer weiter so. Nur durch Menschen wie dich kann ein Umdenken gelingen.

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