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Waldbrände in Indonesien: Wenn Qualm und Rauch das Atmen erschweren

„Heute, Sonntag, ist der Rauch wirklich stark. Die Luftverschmutzung übersteigt den Richtwert um das Dreifache! Seit 122 Tage leben wir jetzt mit diesem Rauch. Das Wetteramt sagt voraus, dass die Trockenzeit noch bis Dezember anhält. Also müssen wir noch über einen Monat mit dem Rauch kämpfen!“ Diese Zeilen schreibt uns Rivani Noor, Leiter der Misereor-Partnerorganisation CAPPA, der mit seinen kleinen Kindern und seiner Frau in Jambi auf Sumatra lebt. Waldbraende_Indonesien (2)Seit Wochen hören wir auch in Deutschland von der starken Rauchbelastung der Atmosphäre in Südostasien. Großflächige Waldbrände in Sumatra und Kalimantan verursachen alljährlich, dass sich der Himmel gelb färbt und die Sicht eingeschränkt ist, so dass der Flugverkehr lahm liegt. Was heißt das aber für die Millionen Menschen, die in Sumatra und Kalimantan seit Wochen diesen Rauch einatmen müssen? Mehr als 30.000 Menschen im Landkreis Jambi und mehr als 40.000 in Riau leiden an Atemwegserkrankungen. Für die Menschen ist dies eine Horrorsituation. Die Luftverschmutzung ist meist drei- bis viermal so hoch wie der staatlich festgesetzte Grenzwert, in Zentralkalimantan ist er sogar um das Zehnfache überstiegen. Die Gesundheit vor allem der Kinder und schwangeren Frauen ist stark gefährdet. Auch sind die Schulen seit Wochen geschlossen, weil der Rauch das normale Leben unmöglich macht.

Weil die Regierung zu wenig tut, hat sich in Jambi ein Bündnis aus Nichtregierungsorganisationen, Studierenden- und Frauengruppen gegründet. Das Aktionsbündnis verteilt u.a. Atemmasken an die Bevölkerung in ländlichen Gegenden, wo diese sonst nicht erhältlich sind. Sie wollen Druck auf die Regierung ausüben, damit diese etwas gegen die alljährlich auftretenden Waldbrände unternimmt.Waldbraende_IndonesienDas Bündnis in Jambi konnte über Satellitenaufnahmen und Ortsbegehungen nachweisen, dass die Waldbrände von Ölpalmen- und Zellstoffplantagen ausgehen. Die Aktivisten gehen davon aus, dass wirtschaftliches Kalkül der Unternehmen hinter den Bränden steckt. Sie gehen davon aus, dass Plantagenunternehmen nach wie vor Brandrodung betreiben, obwohl es verboten ist. Die Rodung für die Anlage von neuen Plantagen kostet umgerechnet ca. 1.000 Euro – mit Feuer liegen die Kosten nur bei ca. 65 Euro. „Viel mehr als Öl und ein Streichholz braucht es nicht…!“ schreibt uns Rivani. Mit den Waldbränden werden außerdem Tatsachen geschaffen, um die Palmöl- und andere Plantagen in die (nun ehemaligen) Waldgebiete auszudehnen. Die Praxis der Plantagenunternehmen, einfach mehr Fläche zu nehmen als erlaubt, wird von der lokalen Bevölkerung schon seit Jahrzehnten beklagt. Nach Bränden in Sumpfwäldern, die von der Regierung unter Naturschutz gestellt wurden, ist es außerdem einfacher, eine Umwidmung dieser Flächen zu erreichen und Konzessionen für Plantagen zu bekommen. Manche vermuten auch, dass die Unternehmen Versicherungsgelder einstreichen wollen. Niemand in Jambi geht davon aus, dass diese Waldbrände unbeabsichtigt entstehen. Ein Plantagenunternehmen wurde vom Aktionsbündnis auch schon bei Polizei und Ministerium angezeigt, weil ihm die Beteiligung an den Bränden nachgewiesen werden konnte.

Seit den Diskussionen um Beimischungsquoten für Diesel mit Palmöl bemühen sich die meist internationalen Palmölkonzerne, ihren Ruf zu verbessern. Mit dem Runden Tisch für Nachhaltiges Palmöl, an dem die großen Konzerne wie auch Unilever mit Umweltorganisationen zusammensitzen, wollen sie Vertrauen schaffen. Es wurden strenge Richtlinien und ein Zertifizierungssystem geschaffen. Allerdings sind die vereinbarten Kriterien freiwillig, und die Einhaltung wird auch nicht kontrolliert. Die MISEREOR-Partnerorganisation Sawit (Palmöl) Watch nennt den Runden Tisch deshalb auch Augenwischerei. Es ist an der Zeit, dass die Unternehmen ihre Verantwortung ernst nehmen und sich an die Regeln halten, und dass die Regierung Brandstiftung der Konzerne streng bestraft!

Der Steyler Pater und MISEREOR-Projektpartner Frans Lake arbeitet in Zentral-Kalimantan auf der Insel Borneo und hat einen Film über diese Thematik gedreht, versehen mit englischen Untertiteln, der eindringlich darstellt, das dringend Handlungsbedarf besteht.

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Über die Autorin: Anja Mertineit arbeitet als Referentin für ländliche Entwicklung in der Asien-Abteilung von MISEREOR.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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