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Lebensmittelverschwendung ist ein Skandal

Am heutigen Welternährungstag fand eine spektakuläre Aktion vor dem Bundestag statt, zu der MISEREOR in einem Bündnis mit anderen Organisationen aufgerufen hat. Eine 12 Meter lange Tafel wurde trotz anhaltendem Regen aufgebaut und Abgeordnete aller Fraktion waren eingeladen, ihre Mittagspause hier zu verbingen und sich ein Lunchpaket aus Lebensmittel mitgeben zu lassen, die von „Foodsharern“ in Berliner Super-und Biomärkten gesammelt worden waren. Ohne diese Aktion wären alle Lebensmittel auf dem Müll gelandet.Lebensmittelverschwendung_Berlin_Welternährungstag_1Die Kampagne „Kein Essen für den Eimer“ von MISEREOR und die Kampagne „Leere Tonne“ von dem Bündnis der Organisationen Slow Food Youth, foodsharing-Netzwerk, BUNDjugend und Aktion Agrar – beide Kampagnen stellen denselben Skandal in den Blickpunkt: die unglaubliche Lebensmittelverschwendung in den Industriestaaten, die ein immenses Ausmaß angenommen hat und dringend reguliert werden muss durch verbindliche Gesetzesänderungen. Weltweit wird jedes Jahr ein Drittel aller Lebensmittel weggeworfen, während etwa 800 Millionen Menschen hungern und jeder dritte Mensch von einer oder mehreren Formen der Fehlernährung betroffen ist. Allein in Deutschland landen jährlich bis zu 20 Millionen Tonnen Lebensmittel auf dem Müll.

Lebensmittelverschwendung_Berlin_Welterernährungstag_2MISEREOR übergibt Petition an die Bundesregierung

Im Juli startete MISEREOR eine Kampagne und sammelte Unterschriften für die Petition „Kein Essen für den Eimer“. 4119 Menschen schlossen sich den Forderungen an, die Lebensmittelverschwendung um die Hälfte bis zum Jahr 2020 zu reduzieren. Darauf zielt der Aktionsplan mit verschiedenen Maßnahmen: ein „Wegwerfstopp für Supermärkte“, der dazu verpflichtet, noch genießbare Lebensmittel an gemeinnützige Organisationen abzugeben. Die Lebensmittelbranche soll ihre Abfallmengen dokumentieren müssen und die EU Überschussproduktion vermeiden. Auch für Supermärkte und Handel sind in diesem Aktionsplan verbindliche Zielvorgaben vorgesehen, um die Überschüsse bis zum Jahr 2020 um die Hälfte abzubauen. Die Petition beinhaltet, dass das Angebot der Nachfrage angepasst, Verbraucher informiert und Produktstandards verändert werden müssen. Es wird vorgeschlagen, ein Herstellungsdatum anstatt eines Mindesthaltbarkeitsdatums zu benutzen, um Lebensmittel zu kennzeichnen. Qualitätsstandards sollten nicht mehr gelten, wenn sie beispielsweise dazu führen, dass nur gerade gewachsene Karotten verkauft werden und „krumme“ Karotten automatisch auf dem Müllcontainer landen. MISEREOR plädiert dafür, die Verbraucher besser über die Verschwendung von Lebensmitten zu informieren und in ihrem Konsumverhalten zu sensibilisieren. Schließlich geht es darum, regionale Lebensmittelsysteme zu stärken.Lebensmittelverschwendung_Berlin_Welterernährungstag_3Die Kampagne „Kein Essen für den Eimer“ ist mit dem heutigen Tag beendet. Die MISEREOR-Mitarbeiterinnen Sarah Schneider und Annika Sophie Duhn übergaben über 4119 Unterschriften in einer kleinen Tonne. Dr. Maria Flachsbarth, die Parlamentarische Staatssekretärin beim Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, vertrat Bundesagrarminister Christian Schmidt. Sie nahm die Petition entgegen und fokussierte ihrerseits auf das Verbraucherverhalten und die eigene Kampagne der Bundesregierung „Zu gut für die Tonne“Lebensmittelverschwendung_Berlin_Welterernährungstag_4Die reich gedeckte Tafel vor dem Bundestag war für die Kampagne „Leere Tonne“ ein Höhepunkt im Kampf gegen die Lebensmittelverschwendung. Danach wird sie sich mit vielfältigen Aktionen weiter für das Thema einsetzen.Lebensmittelverschwendung_Berlin_Welterernährungstag_5

Die Bundestagsabgeordneten bekamen Lunchpakete mit

Heute waren also die Bundestagsfraktionen aller Parteien Gäste an einer Tafel weggeworfener Lebensmittel, die in punkto Auswahl und Ansehnlichkeit nichts zu wünschen ließ. Da gab es Gemüse, Obst, Brot, Salate – alles in Hülle und Fülle. Die Politiker bekamen Tüten mit Lebensmitteln für die Mittagspause mit auf den Weg. Irgendwann hatte der Regen aufgehört und sogar die Kerzen auf der Tafel konnten brennen. Es war also ein kulinarisches Erlebnis für die gute Sache – mal was anderes vor dem Bundestag. Danach wurde dann verteilt an alle – so wie es sein soll, damit nichts wegkommt.

Ulli Nissen, SPD und Lothar Binding, SPD

Autor:

Eva Wagner

Eva Wagner arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

3 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Frau Wagner,
    Kann man diese Aktion auch bei unserem Fastenessen durchführen ?
    Bekommen wir solche Lebensmitteln von den Supermärkten, Bäckern, usw. ohne weiteres ?
    Oder gibt es da gesetzliche Vorschriften ?
    Wer kann mir da weiterhelfen ?
    Danke und liebe Grüße
    Sepp Sperr

  2. Guten Tag!

    Auf Magazin für Restkultur kümmern wir uns um den Rest – wortwörtlich. In unserer Schwerpunktrubrik „Lebensmittel/-verschwendung“ machen wir auf Initiativen und Akteure aufmerksam, die sich dem Kampf gegen Lebensmittelverschwendung widmen. [http://www.magazin-restkultur.de/category/lebensmittel/]

    Gerne möchten wir auf die Aktivitäten von Misereor zu sprechen kommen. Erhalten wir zu diesem Zweck unter info@magazin-restkultur.de weiteres Informations- und Bildmaterial?

    Herzliche Dank und beste Grüße
    Magazin für Restkultur

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