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Eingekesselt: Über die Situation im Bürgerkriegsland Syrien

„Madaya“ erlangte durch Bilder von ausgemergelten Säuglingen, Berichte über Gras essende Kinder und kurz vor dem Hungertod stehende Greise in den Medien traurige Berühmtheit. Die syrische Stadt steht exemplarisch für 15 von Rebellen und Regierungstruppen belagerte Ortschaften im Land, in denen nach Angaben der Vereinten Nationen (UN) aktuell rund 400.000 Menschen ausharren. Es handelt sich um „eine der ganz traurigen Realitäten“ sagt Astrid Meyer, Nahostreferentin bei MISEREOR, als sie von den eingekesselten Zivilisten spricht.

Pontifical Mission (PM) Beirut Fluechtlingshilfe in Deir el Ahmar (c) 2015 Harms/Misereor

© Harms/MISEREOR

Meyer geht davon aus, dass die russische Militärintervention seit September 2015 die Situation im Bürgerkriegsland noch einmal zugespitzt hat. „Verhandlungen über einen Waffenstillstand, die schon auf dem Weg waren, wurden durch die russischen Bombardements gestoppt“, beklagt sie. Letztlich geschehe dies zum Leidwesen der Zivilbevölkerung. Nach UN-Angaben sind rund 13 Millionen Syrer auf der Flucht, etwa zwei Drittel davon im eigenen Land (Stand September 2015). Über vier Millionen Menschen sind in die Nachbarländer Jordanien, Libanon, Irak, Ägypten und die Türkei geflohen.

Die Menschen in den belagerten Ortschaften haben dagegen nicht die Möglichkeit zu fliehen. Wenn sie sich dennoch vor die Ortsgrenzen wagten, beispielsweise auf der Suche nach Nahrung, riskierten sie ihr Leben, berichtet Meyer. Zudem verschärfe der einsetzende Winter noch einmal die Situation. „Seit Monaten sind die Menschen geschwächt. Jetzt werden sie in diesem Zustand mit der Kälte konfrontiert.“

Weitere Hilfslieferungen sind dringend nötig

Neben der Gefahr, die von Rebellen- und Regierungsgruppen ausgeht, sei die Verminung großer Landstriche ein Problem. Meyer erhofft sich von politischer Seite mehr Druck auf den syrischen Präsidenten Baschar al-Assad, damit Sicherheitszonen eingerichtet und Waffenstillstandsabkommen ausgehandelt werden können. „Wir müssen weitere Hilfslieferungen möglich machen. Nur so können wir die Menschen zum Bleiben motivieren“, erklärt sie. Anfang der Woche hatte nach wochenlangen Verhandlungen mit der Regierung ein erster Hilfskonvoi mit Nahrungsmitteln und Medikamenten Madaya erreicht. Laut dem Hilfswerk Roter Halbmond, einem muslimischen Pendant zum Roten Kreuz, reicht die Lieferung aus, um die Stadtbewohner etwa 30 bis 40 Tage lang zu versorgen.

Über vier Millionen sind in die Nachbarländer Syriens geflohen. Im Bild ein Flüchtlingslager im Irak. © Harms/MISEREOR

Über vier Millionen sind in die Nachbarländer Syriens geflohen. Im Bild ein Flüchtlingslager im Irak. © Harms/MISEREOR

Meyer kritisiert, dass der Konflikt von der Internationalen Gemeinschaft lange nicht ernst genommen worden sei und sich in der letzten Zeit vertieft habe. Für die Zuspitzung des Konfliktes macht die Nahostreferentin auch ausbleibende Regenfälle und damit verbundene Ernteausfälle verantwortlich. Dies wiederum habe zu einer verstärkten Land-Stadt-Flucht beigetragen. Sie sieht im syrischen Bürgerkrieg einen Stellvertreterkrieg zwischen dem sunnitischen Saudi-Arabien und dem schiitischen Iran, in dem es um die Vormachtstellung in der Region geht. „Es handelt sich aber dennoch nicht um einen Konfessionskrieg. Die Konfessionszugehörigkeit wird vor dem Hintergrund verschiedener Machtinteressen missbraucht“, erklärt sie.

Christen können zur Lösung beitragen

Entscheidende Impulse zur Überwindung des Konfliktes erhofft sich Meyer von den christlichen Orden und Hilfswerken in der Region. Obwohl im Nahen Osten eine „Identitätsregion der Christen“ schwinde, könnten gerade diese „tatsächlich zur Lösung beitragen“. Denn der christliche Glaube beinhalte eine universale Wertehaltung, die nicht an Konfessions- oder Religionsgrenzen Halt mache. „Ein mit dem christlichen und kirchlichen vergleichbares Engagement gibt es in der Region nicht“, ist Meyer überzeugt. Dieses komme auch Muslimen zugute, die von den christlichen Hilfsleistungen vor Ort profitierten. MISEREOR selbst arbeitet mit den Franziskanern und dem Jesuitenflüchtlingsdienst eng zusammen. Auch zu den Ortskirchen hat das Bischöfliche Hilfswerk über die päpstliche Einrichtung Pontifical Mission Societies einen guten Draht.

In Syrien tobt seit 2011 ein Bürgerkrieg. Auslöser des Krieges war ein friedlicher Protest gegen den autoritären Machthaber Baschar al-Assad im Zuge des Arabischen Frühlings. Das ursprüngliche Ziel der Demokratisierung Syriens tritt in dem unübersichtlichen Konflikt immer mehr zurück. Verschiedene radikalisierte Rebellengruppen kämpfen um die Vorherrschaft im Land. Am bekanntesten ist der sogenannte „Islamische Staat“, eine sunnitische Terrormiliz, die ein dschihadistisches Kalifat errichten will.

Ende Januar wird die „International Syria Support Group“ (ISSG) zu Friedensgesprächen in Genf erstmals zusammenkommen. Mitglieder der Gruppe sind die USA, Russland und China, Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Italien sowie die Nachbarstaaten Syriens wie die Türkei, Saudi-Arabien und Iran. Hinzu kommen wichtige internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen, die Europäische Union und die Arabische Liga.

Über die Autorin: Julia-Maria Lauer ist Redakteurin bei katholisch.de, wo dieses Interview zuerst erschien.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Wir können auf Grund unserer Afghanistan Arbeit (früherer Ansprechpartner Hermann Rupp) und auf Grund der Tatsache, dass ein syrischer Doktorand an der Freiburger Universität als Leishmania Spezialist Mitglied in unserem Verein geworden ist, Hilfe für Leishmania Patienten vor Ort in Syrien leisten. Wer ist bei Mieserer dafür unser Ansprechpartner?
    Mit freundlichen Grüßen
    Pr.KW Stahl

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