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Mumbai: Stadt bis zum Horizont

21 Millionen Menschen leben im Großraum Mumbai – jeden Tag wächst die Stadt um die Größe eines mittleren deutschen Dorfes weiter. Um die 5000 Migrantinnen und Migranten erreichen Mumbai täglich: Verglichen mit der sogenannten Flüchtlingswelle, die Deutschland 2015 erlebte, ein weitaus größeres Unterfangen der Integration, das gestemmt werden muss. Für uns bedeutet der Aufenhalt in Mumbai: Stadt, soweit das Auge reicht. Informelle Siedlungen und moderne Skylines im stetigen Wechsel.Indien_Reise_ Mumbai_Stadt_bis_zum_Horizont (4)

Pirmin Spiegel zu Besuch bei den Basisgruppen der MISEREOR-Partnerorganisation YUVA

In New Mumbai treffen Pirmin Spiegel und ich auf Frauen einer dort von YUVA mitorganisierten Selbsthilfegruppe. Es herrscht eine unbeschreibliche Hitze an diesem Tag. Versteckt hinter dem Gebäude des Ombudsmannes der Polizei, nur zugänglich über den Hinterausgang des Behördenparkplatzes, wohnen hier etwa 70 Familien unter prekären Bedingungen. Im Mittelpunkt der Siedlung steht  eine aus einfachsten Mitteln errichtete Baracke aus Wellblech, Bambusstäben, Pappen und einer Plastikplane. Die Frauen der Selbsthilfegruppe „Mahila Mandal“ haben diese Baracke als Zentrum ihrer gemeinsamen Aktivitäten gebaut. Vieles erkennt Pirmin Spiegel hier aus seiner Arbeit als Gemeindeseelsorger in Brasilien wieder: Die Slums der Welt gleichen sich. Auch hier existieren die Bewohnerinnen und Bewohner für die Behörden nicht. Die Zeitfenster für die offizielle Registrierung von Slumsiedlungen sind begrenzt. Oft werden die Bewohner von einer Behörde zur nächsten geschickt.Indien_Reise_ Mumbai_Stadt_bis_zum_Horizont (5) Unsere Gesprächspartnerinnen betonen die Wichtigkeit der Hilfe durch YUVA. Die Organisation hilft bei der Registrierung, damit die Menschen auch offiziell als Menschen existieren. Des Weiteren unterstützt YUVA die Bewohnerinnen und Bewohner im ewigen Kampf gegen den Versuch der Behörden, den Slum zu demolieren. Es sind kleine Schritte, die aber zu Hoffnung und größerem Selbstbewusstsein bei den Bewohnern beigetragen haben.

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Mumbai, Stadt bis zum Horizont

Die großen Perspektiven sind jedoch ernüchternd und sehen anders aus: Die Slums werden dichter. Alles was mit dem international geschützten Smart Cities Ansatz zu tun hat – also Städte effizienter, technologisch fortschrittlicher, grüner und inklusiver zu gestalten – droht auf Kosten der Armen zu gehen. Die Metro in Bombay, zur Verminderung des Individualverkehrs geplant, ist inzwischen für die Mehrheit der Einwohner zu teuer. Sie können sich keine teuren Tickets am Morgen für den Weg zur Arbeit leisten. Neue Trassen führen zur Vertreibung von Slumbewohner, sodass diese in bereits vorhandene, andere Slums umsiedeln.

Arm gemacht sein heißt, kein Recht auf Rechte zu haben. Für Pirmin Spiegel gewinnt dieser Satz des Befreiungstheologen Gustavo Gutierrez angesichts der Situation von Menschen in New Mumbai nochmals besondere Bedeutung. Und dennoch: Die Frauen in diesem Slum strahlen Würde aus. Eine Herausforderung steht uns bevor, als Pirmin Spiegel das Hungertuch von Dao Zi überreicht: Menschen ein abstraktes Bild zu vermitteln, die bisher weder mit abstrakter Darstellung noch christlichem Kontext in Berührung gekommen sind. Aber der Funke springt über. Bewegt stimmen die Frau spontan ein Lied an. Und so nehmen auch wir ein Geschenk mit nach Hause.

Über den Autor: Anselm Meyer-Antz arbeitet als Referent für Indien bei MISEREOR.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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