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China: Wie man mit einer Kuh zu einem eigenen Ziegelsteinhäuschen kommt – eine Erfolgsgeschichte

Die Nachmittagssonne scheint auf die Erdhöhlen, in denen die Dorfbewohner bis vor kurzem noch gelebt haben. Mit den farbenfrohen Maiskolben und Chilischoten, die an den Wänden trocknen, sehen sie fast idyllisch aus. Betritt man jedoch das Innere, so ist es finster, staubig und kalt. Durch den fehlenden Rauchabzug fällt das Atmen schwer. Außerdem sind die Höhlen bei Regen stark einsturzgefährdet. Durch die Unterstützung der MISEREOR Partnerorganisation Yishan Yishui (ungefähr übersetzt als “Um Berge und Wasser Sorge tragen”) leben die Bauernfamilien heute größtenteils in Ziegelsteinhäusern.

sdr

Angefangen hat alles mit einer Kuh. Zunächst teilten sich die 180 Haushalte im Dorf selbst in drei Gruppen ein – die ärmsten, die mittleren und die wohlhabenderen. Als erstes kamen die ärmsten 60 Haushalte an die Reihe. Die Kuh gab es aber nicht umsonst. Neben der Weitergabe des Kälbchens mussten die Bauern und Bäuerinnen sich auch dazu verpflichten, zwei Mu ihrer eigenen Anbaufläche (etwas weniger als ein halbes Fußballfeld) mit Gras zu bepflanzen und zwei weitere Mu abgeholzter Berghänge wiederaufzuforsten.
“Die Investition in eine Kuh, deren Kälber an zwei weitere Familien gegeben werden, sorgt demnach letztendlich für zwölf Mu regeneriertes Land”, rechnet der Yishan Yishui Gründer Ding Wenguang stolz vor. Gab es früher drei Hungermonate pro Jahr, können die Dorfbewohner nun sogar für den Bau von Häusern sparen und ihre Kinder über die Grundschule hinaus zur Schule schicken.pirmin-spiegel-mit-bewohnerin-des-dorfes

Ein zweites Projekt Yishan Yishuis besteht darin, eine wegen Wassermangels trocken liegende Fläche mit Unterstützung der ansässigen Bauern und Bäuerinnen wiederaufzuforsten. “Hier gibt es im Gebüsch jetzt wieder Hasen, Füchse, Schlangen. Dort unten ist eine Quelle entstanden”, sagt Ding und deutet in eine enge Schlucht. Der Unterschied zu dem fast vegetationslosen und staubtrockenen gegenüberliegenden Berghang ist auf den ersten Blick sichtbar.

Pirmin Spiegel im Gespräch mit Ding Wenguang, Gründer der MISEREOR-Partnerorganisation Yishan Yishui in China

Pirmin Spiegel im Gespräch mt einem Kleinbauern

Dings neuestes MISEREOR-Projekt geht über die ökonomische (die Kuh) und die ökologische (die Bäume) Nachhaltigkeit hinaus. Es basiert auf den kulturellen und religiösen Traditionen der in diesem Teil Chinas lebenden ethnischen Minderheiten, deren Umweltschutzkonzept dem der Mehrheitsgesellschaft weit voraus ist und von Bodenschutz über einen respektvollen Umgang mit Tieren bis hin zum Wassersparen alles beinhaltet. Die Weitergabe dieser traditionellen Werte ist aber gefährdet, da die Elterngeneration die Dörfer auf der Suche nach Arbeit verlässt und die Kinder ab dem dritten Schuljahr ins Internat umziehen müssen. Um dem entgegenzuwirken, hat Yishan Yishui unter anderem ein Lehrbuch für den Schulunterricht erstellt. Kommt es zum Einsatz, dann wird es in den staatlichen Schulen dazu dienen, den Kindern einen verantwortlichen Umgang mit der Natur näher zu bringen und den Stolz auf die eigene Kultur zurückgegeben.

Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Verwaltungsratsvorsitzender Theo Paul befinden sich auf ihrer Reise durch China nun in der geographischen Mitte des Landes, in der Provinz Gansu. Diese von zahlreichen ethnischen Minderheiten bewohnte Region ist nach dem pro Kopf Einkommen die ärmste Provinz Chinas.

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und Verwaltungsratsvorsitzender Theo Paul befinden sich auf ihrer Reise durch China nun in der geographischen Mitte des Landes, in der Provinz Gansu. Diese von zahlreichen ethnischen Minderheiten bewohnte Region ist nach dem pro Kopf Einkommen die ärmste Provinz Chinas.

Über die Autoren: Renée Rentke arbeitet als China-Referentin bei MISEREOR; Wolf Kantelhard unterstützt seit 2005 chinesische Partnerorganisationen im China-Verbindungsbüro von MISEREOR. 

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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