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Brücke nach Brasilien soll bleiben

Kampagne „Rio bewegt .Uns“ zieht Bilanz. Hoffnungsschimmer und alte Probleme nach Olympia.

Der Trägerkreis von „Rio Bewegt. Uns“ zog in Köln Bilanz und bedankte sich bei den vielen Unterstützerinnen und Unterstützern für Ihr Engagement und Ihre Spendenbereitschaft ©Ralph Allgaier/MISEREOR

Sie haben auf dem Laufband geschwitzt, sich auf dem Stepper verausgabt oder die Wanderschuhe geschnürt. Am Ende legten auf diese Weise viele Menschen in Deutschland exakt 56 902 Kilometer für den guten Zweck zurück und sammelten dabei rund 130.000 Euro. Denn alle Aktiven ließen sich für ihre sportlichen Betätigungen mit Spenden belohnen, die samt und sonders an die Kampagne „Rio bewegt.Uns“ weitergereicht wurden.

Es war also eine beachtliche Bilanz, die Campaignerin Christina Weise zum Abschluss der Aktion in Köln ziehen konnte. „Rio bewegt.Uns“ war anlässlich der diesjährigen olympischen Spiele in Brasilien von einer Reihe großer Organisationen ins Leben gerufen worden, um den Blick der Öffentlichkeit auf jene Menschen zu lenken, die rund um die Sportstadien oft in großer Armut und Not leben oder durch Olympia gar deutlich benachteiligt wurden. Die dortigen Bürgerinnen und Bürger hätten ein Anrecht auf eine bessere und gerechtere Zukunft, hieß es seitens der Initiatoren. Sportliche Großereignisse wie Olympische und Paralympische Spiele müssten nachhaltig auch den Menschen in den Regionen zugutekommen, in denen sie stattfinden.

Großzügige Spende aus Speyer

Dass nicht nur die Sportlerinnen und Sportler, sondern auch die Bewohnerinnen und Bewohner von Rio de Janeiro zu den Gewinnern des Großereignisses Olympia gehören sollten, war sicherlich auch Motivation für zahlreiche Menschen im Bistum Speyer, zu diesem Zweck ihr Portemonnaie zu öffnen. Stolze 10.000 Euro sammelte die Aktion „Silbermöwe“,  das Leserhilfswerk der dortigen Kirchenzeitung „Der Pilger“, für „Rio bewegt.Uns“. In einer 16-seitigen Sonderbeilage wurde die Leserschaft des „Pilgers“ und des „Paulinus“, der Trierer Kirchenzeitung, über die Kampagne informiert – eine beeindruckende Demonstration der Solidarität.

Neben MISEREOR gehörten zum Trägerkreis von „Rio bewegt.Uns“ unter anderen Adveniat, der Bund der Deutschen katholischen Jugend (BDKJ), der DJK-Sportverband, die Katholische Arbeitnehmerbewegung, der Deutsche Behindertensportverband und nicht zuletzt der Deutsche Olympische Sportbund. Dessen Vorstandsvorsitzender Michael Vesper zeigte sich bei der Abschlussveranstaltung der Kampagne sicher, dass „Rio bewegt.Uns“ in der Sport-Szene zu mehr Bewusstseinsbildung beigetragen und langfristig Wirkung erzielt habe. „Auch unter den Sportlern gibt es viele Menschen, die an den von der Kampagne thematisierten Fragestellungen sehr interessiert sind und sich stark engagieren“, sagte der ehemalige Grünen-Politiker. Dass dem so ist, zeigte schon der Besuch der Kugelstoßerin Birgit Kober, die bei den Paralympics in Rio Gold geholt hatte und in Köln vom Besuch eines Entwicklungsprojekts am Rande der Spiele berichtete. Nachhaltig beeindruckt kehrte sie zurück, das war mehr als deutlich zu spüren.

Kinder treffen Usain Bolt

In den Projekten, für die über „Rio bewegt.Uns“ in Deutschland mit vielfältigen Aktivitäten Bildungsarbeit gemacht und Spenden gesammelt wurden, ließen sich während der Spiele eine ganze Reihe weiterer Olympia-Sportler sehen. Für 3000 Kinder aus den Armenvierteln der Zuckermetropole wurde zudem ein Traum wahr: Sie besuchten bei Olympia die Stadien und trafen sogar Super-Sprinter Usain Bolt!

Schwerpunkt der mit der Kampagne beworbenen Projekte waren Einrichtungen, die es jungen Menschen ermöglichen sollen, durch Bildung zu eigenständigen, mündigen Bürgern zu werden. Nur so können sie das eigene Leben in die Hände nehmen – und auch die Zukunft ihrer Stadt. Jugendliche brauchen weltweit die gleichen Startbedingungen für ihren Lebensweg. Die Hilfsprojekte der Aktionspartner im Bündnis „Rio bewegt.Uns.“ zielen auf eine gerechtere Gesellschaft, die fair, friedlich und nachhaltig sein soll.

Als Renata und Stefanie, Larissa und Adriana aus dem von MISEREOR geförderten Zirkus-Projekt „Se esse rua fossa monha“ im Video fröhlich zeigen, wieviel Spaß sie gemeinsam haben, ist dies ein schönes Zeichen der Hoffnung für die junge Generation Brasiliens. Dass dennoch genug zu tun bleibt, wird an diesem Abend allerdings auch nicht verschwiegen. Da ist von Menschen in Rio ohne sanitäre Grundversorgung die Rede, von wieder aufgeflammter Gewalt in den Favelas. Deshalb, das betonte Franz Gulde, Leiter der Bildungsabteilung von MISEREOR, sei es auch so wichtig, nach dem offiziellen Ende von „Rio bewegt.Uns“ die begonnene Arbeit unvermindert weiterzuführen. „Wir müssen bei den Menschen in Brasilien bleiben und sie mit finanziellem Engagement, aber auch mit Herz und Verstand unterstützen, damit die Brücke zu den Benachteiligten stabil bleibt.“ Auch Stephan Jentgens, Geschäftsführer von Adveniat, unterstrich: „Das war erst der Anfang. Davon brauchen wir noch viel mehr.“

 

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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