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Warum beschäftigt sich Misereor mit dem Thema Ernährung?

Drei Fragen an…
Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen bei MISEREOR

Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen bei MISEREOR. © MISEREOR

Bernd Bornhorst, Leiter der Abteilung Politik und globale Zukunftsfragen bei MISEREOR. © MISEREOR

Warum beschäftigt sich Misereor mit dem Thema Ernährung?

Misereor wurde gegründet als „Aktion gegen Hunger und Krankheit in der Welt“. Da liegt es mehr als nahe, dass wir uns mit Fragen von landwirtschaftlicher Produktion, aber auch Vermarktung, Konsum und Ernährung beschäftigen. Die Erfahrung zeigt uns, dass die betroffenen Menschen vor Ort sehr viel erreichen können, wenn die Rahmenbedingungen stimmen. Das ist aber leider kaum der Fall. Wenn wir uns das weltweite Ernährungssystem – also vom Acker bis auf den Teller – heute anschauen, sehen wir dringenden Reformbedarf. Es ist erschreckend, dass die Mehrheit der weltweit rund 800 Millionen hungernder Menschen auf dem Land lebt, dass wir etwa 2 Milliarden Menschen mit Mangelernährung haben, aber gleichzeitig ungefähr genauso viele übergewichtig sind – Tendenz steigend – und dass jedes Jahr ein Drittel aller Lebensmittel auf dem Müll landet. Das zeigt: es geht nicht alleine um Produktionssteigerung, sondern man muss die Fehlentwicklungen im System in den Blick nehmen. Fehlenentwicklungen unter denen übrigens oft genug Bauern und Konsumenten hier bei uns wie auch im globalen Süden leiden.

…gibt es ein aktuelles Beispiel?

Davon gibt es etliche. Das bekannteste ist sicherlich der Zusammenhang zwischen der Sojaproduktion, z.B. in Paraguay, für unsere Massentierhaltung hier, verbunden mit der „Verwüstung“ der Landschaften dort. Ganz aktuell müssten wir aber auch über die Weltmarktorientierung im Milchsektor sprechen. Die führt nicht nur dazu, dass Milchpreise drastisch sinken, Großkonzerne den Markt zunehmend dominieren und dadurch das „wachsen oder weichen“ für die Milchbäuerinnen und -bauern in Europa immer dramatischer spürbar wird. Die Abschaffung der Quote und die damit immer weiter steigende Produktion führt auch zu steigenden Billigexporten von Milchpulver z.B. nach Burkina Faso. Das treibt dort, wo noch ein Drittel der Bevölkerung von Tierhaltung lebt, die kleinen Produzenten in den Ruin – und das heißt in Armut und Abhängigkeit.

Warum nimmt MISEREOR an der Demonstration „Wir haben es satt!“ in Berlin teil?

Das Beispiel Milch zeigt doch: Wir brauchen eine offene und sicher manchmal auch kontroverse Debatte, wenn es um die Zukunft unsere Ernährung geht, im Norden als auch im Süden der Welt. MISEREOR beteiligt sich an dieser Debatte aus der Perspektive der armen Menschen im globalen Süden. Wir suchen auch in Deutschland den Dialog mit Konsumentinnen und Konsumenten, Politikerinnen und Politikern und Bäuerinnen und Bauern, weil heute alles miteinander zusammenhängt. Die Teilnahme an der Demonstration ist also ein Baustein unter vielen. Wir möchten damit deutlich machen, dass es um vielfältige Zusammenhänge geht, so wie die Demonstration ja auch von vielen Akteuren mitgetragen wird. Da es letztendlich um Veränderungen auf der privaten und auf der politischen Ebene geht, ist die Demonstration auch eine legitime Ausdruckform, die den Politikern zeigt, was immer mehr Menschen in unserer Gesellschaft von ihnen erwarten.

Hier finden Sie die ausführliche Erklärung von MISEREOR und Brot für die Welt zur Teilnahme an der Demo „Wir haben Agrarindustrie satt!“

Hinweis der Redaktion: Der Beitrag stammt aus dem Jahr 2015 und wurde im Januar 2017 aktualisiert.


Weitere Informationen

MISEREOR-Themendossier „Gutes Essen für alle?“

Blogbeitrag „Milch reist nicht gern, Milchbauern aus Burkina Faso schon – Unterwegs im Allgäu und in den Eifel

Bericht „Scharfe Kritik an Exportstrategie am Milchmarkt – Experten diskutieren in Westerstede über Preisverfall und bedrohliche Lage der Betriebe“ (Nordwest-Zeitung)

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

5 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. Hunger hat viele Ursachen, aber eines steht fest: die Länder, in denen Hunger zum Alltag gehört, mit Billig-Produkten aus den Industrieländern zu fluten führt zu noch mehr Hunger in diesen Ländern. Regionale Produktion wird abgewürgt. Landwirtschaft muss hier, wie dort, regional und umweltschonend produzieren. Alles andere ist Propaganda der großen Lebensmittelkonzerne und ihrer Lobby.
    Insofern halte ich die Beteiligung einer Hilfs- und Entwicklungsorganisation, wie Misereor an der „Wir haben es satt“ Demo in Berlin für absolut richtig und konsequent.

  2. Die „Wir haben es satt“-Demo ist kein konstruktiver Beitrag, sondern erhebt Anschuldigungen gegen die Landwirtschaft, diffamiert bäuerliche Familienbetriebe und schürt populistisch Ängste gegen Bauern und Wirtschaft. Von konstruktiven Dialog keine Spur.

    Kontruktiv wäre die Beiteiligung an der „Wir machen euch satt – Dialog statt Protest“-Aktion, die zeitgleich in Berlin stattfindet.

    Aufgrund der Unterstützung dieser Diffamierungskampagne werde ich nach 11 Jahren meine Spenden an Misereor einstellen müssen. Schade.

  3. ich habe mich jetzt mal ein wenig in das Thema eingelesen und muss sagen, dass ich es sehr gut finde, was Miserior macht. Werde jetzt auch etwas spenden!

  4. Miserior ist eine der wenigen Organisationen, die ich wirklich gerne unterstütze. Die meisten sind ja wirklich nur schwarze Schafe leider Gottes.

  5. Da werden im ersten Absatz grundlegende Probleme dargestellt die dringend einer Lösung Bedarfen. Ich finde es sehr gut das ihr euch um diese Themen beschäftigt.

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