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Joghurt aus der hofeigenen Molkerei

Ihr Berufsleben dreht sich jeden Tag  um Milch: René Millogo, Fatimata Valéa Diallo und Adama Diallo setzen sich als Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der MISEREOR-Partnerorganisation PASMEP in Burkina Faso für die Unterstützung von nomadisch lebenden Viehhirten ein, für eine Steigerung der Milchproduktion, für faire Handelsbedingungen auf einem Markt, auf dem in ihrem westafrikanischen Heimatland ausländische Konkurrenten Milchpulver bisweilen für einen um mehr als die Hälfte günstigeren Preis anbieten, als es heimische Erzeuger können, wenn sie von den verkauften Milchprodukten leben wollen.

Derzeit sind die drei Afrikaner als Gäste von MISEREOR an vielen Orten Deutschlands unterwegs, um zum Beispiel in Schulen über die Lage in Burkina Faso zu berichten, einem Land mit einer besonders hohen Zahl an armen Menschen. Und sie werben dabei um Unterstützung ihrer Projekte, damit mehr ihrer in der Milchwirtschaft arbeitenden Landsleute ein ausreichendes Einkommen sichern können. Sehr interessiert sind René, Fatimata und Adama aber auch an der Situation deutscher Milchbauern. Schon vor längerer Zeit besuchten Repräsentanten ihrer Organisation Höfe in der Eifel und im Allgäu. Und nun, kurz vor der Eröffnung der MISEREOR-Fastenaktion 2017 in Trier, machten sie einen Abstecher knapp 20 Kilometer nordöstlich der Bistumsstadt und statteten David Engel einen Besuch ab, der mit seiner Familie in Hetzerath den Engelshof bewirtschaftet.

Und hierbei wurde den Gästen aus Westafrika erneut deutlich, dass auch die deutschen Milchbauern in einem sehr schwierigen Umfeld arbeiten. „Ein Jahr lang standen wir mit dem Rücken zur Wand, zahlten sogar noch drauf, wenn wir unsere Milch verkauft haben“, schildert David Engel die Folgen zwischenzeitlich stark gesunkener Milchpreise in Deutschland. Für den Liter gab es vorübergehend gerade einmal 24 Cent. Diese Situation hat den jungen Mann mit seinen Eltern, seinen zwei Schwestern und seiner Freundin dazu gebracht, den eigenen Hof ganz neu aufzustellen. Die 125 Milchkühe des Betriebs plus einer etwa gleich hohen Zahl an Nachwuchstieren wurden aus den Stallungen in Hetzerath an den Dorfrand umgesiedelt. In den alten Räumlichkeiten, die schon von Davids Großeltern bewirtschaftet wurden, investierte die Familie kräftig und baute eine eigene Hofmolkerei auf. Hier wird nun ein Teil der von den Engels erzeugten Milch direkt verarbeitet, zu Frischmilch und Joghurt. In der Region rund um Trier finden diese Produkte starken Absatz. Engel  fühlt sich auf seinem Weg bestätigt: „Regionale Produkte boomen, und die Menschen bezahlen gerne einen höheren Preis für diese Ware.“

Ganz bewusst habe man sich dagegen entschieden, zusätzliche Kühe anzuschaffen, um höhere Erträge zu erzielen. „Statt dessen wollen wir aus dem Vorhandenen mehr herausholen, effizienter und produktiver sein.“ Dies gelingt der Familie Engel auch mit hochtechnisierten Anlagen, die einen Produktionsablauf ermöglichen, für den keine zusätzlichen Mitarbeiter eingestellt werden müssen. Und mit computergesteuerten Maschinen, die im Produktionsablauf sehr viel von der verbrauchten Energie zurückgewinnen, um sie erneut nutzen zu können.

Engel hofft, dass es möglich ist, nach und nach immer mehr Milch im eigenen Betrieb zu verarbeiten und nicht mehr an die Genossenschaftsmolkerei abzuliefern. Und natürlich sollte der Boom auf dem Sektor regionaler Produkte anhalten, damit seine Rechnung aufgeht. Insgesamt hat er es natürlich um ein Vielfaches leichter als seine afrikanischen Besucher, Kredite für seine Investitionen zu erhalten. Die Zinsen in Europa sind bekanntlich niedrig, liegen bei zwei bis drei Prozent. In Burkina Faso, so ist von MISEREOR-Experten zu hören, verlangen die Banken für vergleichbare Vorhaben bis zu 20 Prozent…

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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