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Fairtrade-Towns: „Fairen Handel aus der Nische holen“

Seit sechs Jahren ist Aachen Fairtrade-Town, mit einer erneuten Bewerbung soll das Engagement im Fairen Handel in Zukunft weitergehen. Wilfried Wunden, Referent für Fairen Handel bei MISEREOR, erklärt, worum es bei den Fairtrade-Towns geht und was sie beim Thema faire Beschaffung bewegen können.

MISEREOR unterstützt die Bewerbung der Stadt Aachen als Fairtrade-Town. Warum?

Mit der Initiative der Fairtrade-Towns bringen wir das Thema „Faire Beschaffung“ gemeinsam in der kommunalen Politik voran. Insgesamt gibt es mehr als 450 Kommunen in Deutschland, die Fairtrade-Town sind. Hunderte Schulen, Pfarrgemeinden, Kindertagesstätten und auch einige Pfadfinderstämme sind ebenfalls dazu gekommen. Da MISEREOR seinen Sitz in  Aachen hat, ist es uns ein Anliegen, uns hier vor Ort für den Fairen Handel zu engagieren.

Was ist eine Fairtrade-Town, und warum wurde diese Initiative ins Leben gerufen?

Die GEPA vertreibt faire Produkte in Deutschland. Vor 41 Jahren hat MISEREOR den Großhändler mitgegründet und ist bis heute Gesellschafter. © Mareike Thieben/MISEREOR

Es geht darum, mit einfachen Kriterien auf das Thema Fairen Handel aufmerksam zu machen. Der öffentliche Sektor ist ein wichtiger Beschaffer von Bürobedarf, Textilien, Kaffee, aber auch Baustoffen. Jede Fairtrade-Stadt muss eine Steuerungsgruppe etablieren, die eine faire Beschaffung im Rahmen der städtischen Regulierungen voranbringt. Der Einzelhandel muss sich ebenfalls engagieren, indem er faire Produkte in das Sortiment aufnimmt. Die Bürgerinnen und Bürger sollen sich mit Aktionen beteiligen: Das kann eine Kirchengemeinde sein, die einen Coffee-Stop, eine faire Kaffeepause, organisiert oder eine Schulklasse, die einen Workshop über Fairen Handel durchführt. Das alles hilft dabei, den Fairen Handel weiter aus der Nische zu bekommen, damit er auch in Supermärkten, Behörden und in der Gastronomie selbstverständlich stattfindet.

Was genau heißt die Förderung von Fairem Handel auf kommunaler Ebene?

Es gibt einige Bereiche der öffentlichen Beschaffung, bei denen Städte und Kommunen viel Einfluss haben. Werden auf Bürgersteigen und  Friedhöfen Steine aus ausbeuterischer Kinderarbeit zugelassen?  Hier müssen dicke Bretter gebohrt werden, und auch die Landesbehörden müssen entsprechende Verordnungen für eine faire Beschaffung erlassen.

Die Stadt Aachen ist jetzt seit sechs Jahren Fairtrade-Town. Was ist seitdem passiert?

Die Auswirkungen sind durchaus wichtig und spürbar. Ein Beispiel ist die Bäckerei Moss, die in allen Filialen auf Fairtrade-Kaffee umgestellt hat. Das ist eine riesige Menge. Durch verschiedene Aktionen konnten die Aufmerksamkeit für das Thema gesteigert und auch der faire Umsatz vergrößert werden. Auch die Stadtverwaltung ist bei der eigenen Beschaffung sensibler geworden, doch noch immer muss hier viel mehr erreicht werden. Ein Beispiel ist die Berufskleidung für Feuerwehr und Müllabfuhr, die fair beschafft werden könnte.

MISEREOR engagiert sich seit Jahrzehnten für faire Handelsbeziehungen. Warum ist für ein Hilfswerk Fairer Handel so ein großes Thema?

Unsere Projektpartner helfen Kleinbauern ihre Waren zu verarbeiten und auf dem regionalen Markt zu verkaufen. Aber sobald wir es mit globalisierten Produkten zu tun haben, müssen wir Wege finden, auch Prozesse mit Zwischenhändlern und langen Lieferketten zu beeinflussen. Fairer Handel war bei uns immer ein wichtiges Instrument, Märkte so zu verändern, wie wir es als Hilfswerk für richtig halten. Dabei geht es uns um gerechte Preise für Produkte, um gerechte Löhne und menschenwürdige Arbeitsrechtsstandards. Wir sind angetreten, um zu zeigen, dass es möglich ist, fair und nachhaltig zu produzieren und zu handeln.

Meilensteine unseres Engagements für den Umweltschutz © MISEREOR

MISEREOR hat selbst eine große Verwaltung mit rund 330 Mitarbeitenden. Welche Maßnahmen für eine faire Beschaffung wurden bereits ergriffen?

Natürlich wollen wir nicht nur predigen, sondern selbst auch authentisch unsere Überzeugungen leben. Darum gibt es bei uns schon lange Anstrengungen, die Umweltbelastung zu reduzieren und unseren Bedarf über faire Beschaffung zu decken. Vor über 25 Jahren hat die erste Arbeitsgruppe zum Thema getagt und sich zum Ziel gesetzt,  mit kleinen Tricks die Lebensmittelverschwendung nach Konferenzen und den Papierverbrauch im Büroalltag zu reduzieren. Inzwischen lassen wir externe Personen auf unsere Prozesse und Aktivitäten schauen. Seit sechs Jahren sind wir „EMAS“ zertifiziert, das heißt, dass das Haus auf Nachhaltigkeit überprüft wird. Das Zertifikat „Zukunft Einkaufen“ verpflichtet uns, ökologische und faire Produkte einzukaufen.

Darüber hinaus servieren wir bei Veranstaltungen vegetarisches Essen, da wir den übermäßigen Fleischkonsum mit seinen Folgen für die Umwelt offen kritisieren. Und wir sind ein großer Kunde von Fairphone, von denen wir die Diensthandys für viele Mitarbeitende beziehen.

Das Interview führte Mareike Thieben. Sie volontiert seit August 2015 im Erzbistum Köln und hospitiert aktuell bei MISEREOR.

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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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