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„Lebensmittelverschwendung ist ein unfassbarer Klimakiller!“

Ein Drittel der weltweit für Menschen produzierten Lebensmittel, rund 1,3 Milliarden Tonnen, gehen jedes Jahr verloren oder landen auf dem Müll. Das ist allein schon erschreckend, weil gleichzeitig 795 Millionen Menschen weltweit hungern. Hinzukommt, dass der Ausstoß an Kohlendioxid, der zur Produktion und Entsorgung dieser Lebensmittelverschwendung benötigt wird, weltweit jährlich 3,3 Gigatonnen beträgt. Nur die USA und China verschmutzen das Klima noch stärker.

Lucia Werbick, MISEREOR, schöpft sich eine Portion aus dem Topf mit der regional-saisonalen Zucchini-Suppe, Foto: MISEREOR.

Das Ernährungssystem beeinflusst auch das Klima

Diese und andere Zusammenhänge zwischen dem heutigen Ernährungssystem und dem Klima deckte die vierte Veranstaltung der Reihe „95 Thesen für Kopf und Bauch“ von Slow Food Deutschland e.V. und MISEREOR auf. Dabei wurden verschiedene Perspektiven beleuchtet: lokal, international, wissenschaftlich und landwirtschaftlich. Frederik Schulze-Hamann von Slow Food Deutschland e.V. forderte zudem auf: „Essen ist politisch“. Verbraucherinnen und Verbraucher können durch ihr bewusstes Ess- und Konsumverhalten dreimal am Tag abstimmen, wie gefischt, geschlachtet und angebaut werden soll. Einig waren sich die Teilnehmenden der Podiumsdiskussion, dass eine Veränderung nur durch die Förderung lokaler, kleinbäuerlicher Strukturen erfolgreich gelinge – in Deutschland und weltweit. Dies berge zudem das Potenzial einer klimaneutralen Ernährung, weil eine angepasste Landwirtschaft – durch Pflanzen und Böden – mehr Kohlendioxid speichere als ausstoße.

Den praktischen und schmackhaften Beweis lieferte das sogenannte 30-Kilometer-Essen im Anschluss an die Veranstaltung: Mit wenigen Ausnahmen kamen die Zutaten der Zucchinisuppe und des Apfel-Möhrensalats aus einem Umkreis von 30 Kilometern, frisch eingekauft auf dem Wochenmarkt und von regionalen Erzeugern produziert. Regional und saisonal vom Feinsten!

Sebastian John, Hirschhorner Hof:

„Auch bei uns in der Pfalz macht sich der Klimawandel schon extrem bemerkbar. Vor allem in den letzten drei, vier Jahren hatten wir starke Trockenperioden. Das heißt, dass wir über zwei, drei und sogar vier Monate hinweg keinen Regen und extrem hohe Temperaturen über 30 Grad hatten. Und das ist dann auch für den Weinbau, der Hitze normalerweise gut verträgt, einfach zu viel! Wir müssen mit kontinuierlich geringeren Erträgen rechnen. Im Weinbau sind es dieses Jahr 20 Prozent weniger.“

Sebastian John, Hirschhorner Hof: "Es ist sehr erschreckend zu beobachten, dass es Stadtimkereien gibt, in denen Bienenvölker mittlerweile besser gedeihen, als in manchen ländlichen Gebieten, weil dort der Insektizidgehalt in der Luft zu hoch ist, so dass viele Bienenvölker einfach vergifted werden und eingehen", Foto: MISEREOR.

Sebastian John, Hirschhorner Hof: „Es ist sehr erschreckend zu beobachten, dass es Stadtimkereien gibt, in denen Bienenvölker mittlerweile besser gedeihen, als in manchen ländlichen Gebieten, weil dort der Insektizidgehalt in der Luft zu hoch ist, so dass viele Bienenvölker einfach vergifted werden und eingehen“, Foto: MISEREOR.

Dr. Felix Christopher Mark, Alfred-Wegener-Institut:

„Fische und andere Lebewesen müssen gegen sich verändernde Umweltbedingungen wie steigende Temperaturen und einen steigenden Säuregehalt im Meer ankämpfen. Das sind verschiedene Stressfaktoren, und die Anpassung an diese kostet – platt gesagt – Energie. Energie, die zum Wachsen und zur Reproduktion fehlt. Die Folge sind immer weniger und kleinere Fische.“

Dr. Felix Christopher Mark, Alfred-Wegener-Institut (links) und Frederik Schulze-Hamann, Slow Food Deutschland e.V. (rechts), Foto: MISEREOR.

Dr. Felix Christopher Mark, Alfred-Wegener-Institut (links) und Frederik Schulze-Hamann, Slow Food Deutschland e.V. (rechts), Foto: MISEREOR.

Frederik Schulze-Hamann, Slow Food Deutschland e.V.:

„Genuss und Verantwortungsbewusstsein schließen sich beim Thema Ernährung nicht aus, sondern führen ganz automatisch zu einer Wertschätzung hochwertig produzierter Lebensmittel aus nachhaltiger Landwirtschaft. Dabei kann jeder kleinräumig und bei sich selbst anfangen; als mikrolokalen Gegenentwurf zu unserer globalisierten Welt.“

Clara-Luisa Weichelt, MISEREOR:

„Kleinbäuerinnen und Kleinbauern gewinnen durch große Agrobusinessprojekte, die oft auch mit illegitimer Landaneignung (Land Grabbing) einhergehen, nichts. Stattdessen sollten die lokalen Strukturen jeweils vor Ort gestärkt werden, in Deutschland und in anderen Regionen der Welt. MISEREOR versucht, mehr Bewusstsein für die Zusammenhänge zwischen dem Lebensstil des Globalen Nordens und dessen Auswirkungen im Globalen Süden zu schaffen.“

Clara-Luisa Weichelt, MISEREOR (rechts): "Für viele lokale Bevölkerungsgruppen in den Ländern, in denen MISEREOR-Partner aktiv sind, steht zunächst einmal im Fokus, sich überhaupt mit Lebensmitteln zu versorgen“, Foto: MISEREOR.

Clara-Luisa Weichelt, MISEREOR (rechts): „Für viele lokale Bevölkerungsgruppen in den Ländern, in denen MISEREOR-Partner aktiv sind, steht zunächst einmal im Fokus, sich überhaupt mit Lebensmitteln zu versorgen“, Foto: MISEREOR.

 


Das Thesenpapier „95 Thesen für Kopf und Bauch“ gibt es hier zum Download.

Weitere Informationen zur Veranstaltungsreihe und zu anstehenden Terminen.

Geschrieben von:

Corinna Würzberger ist Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR.

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