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Zyklon „Nargis“ und seine Folgen: 9 Jahre nach der Katastrophe in Myanmar

Für die Menschen in Myanmar war der 2. Mai 2008 ein einschneidendes Datum. Der verheerende Zyklon „Nargis“ überschwemmte damals das Delta des Irrawaddy-Flusses im Süden Myanmars, verletzte zigtausende und tötete etwa 150.000 Menschen. Die Ausmaße der Katastrophe waren so groß, dass das bis dahin fast vollständig abgeschottete Land, in dem eine strenge Militärdiktatur das Leben der Menschen bestimmte, die internationale Gemeinschaft um Hilfe bat.

© Corinna Broeckmann / MISEREOR

Etwa 20 Kilometer außerhalb Yangons, der größten Stadt Myanmars, fahren wir über holprige Buckelstraßen in großer Hitze unserem Ziel entgegen, dem Dorf Myat Kyun Thar im Township Shwe Pyi Thar im Westen der Stadt. Irgendwann halten wir an und steigen um in ein schmales Boot, das bei jeder leichten Bewegung schwankt. Für uns ein kleines Abenteuer, für die Menschen im Dorf wichtige Anbindung an die weitere Umgebung. Es ist kurz nach der Regenzeit, unregelmäßiger Regen fällt auch jetzt noch und weicht die Wege auf.

Interessierte bei einem Aufklärungsworkshop von Myanmar Catholic Health and HIV/Aids Network (MCHAN)

© Corinna Broeckmann / MISEREOR

Wir treffen uns mit den Menschen aus dem Dorf, heute vor allem mit Frauen mit Kleinkindern und älteren Männer, um über ihre Lebenssituation zu sprechen. Die kleine Organisation Myanmar Catholic Health and HIV/Aids Network (MCHAN) führt hier ein Basisgesundheitsprojekt durch, klärt die Menschen über HIV/Aids, über Krankheitsvorsorge und richtige Ernährung auf und unterstützt den Zugang zu Gesundheitsstationen von der Regierung. Acht sogenannte „Gesundheitsfreiwillige“ wurden im Dorf ausgebildet, die bei einfachen Erkrankungen zu Rate gezogen werden können oder die Menschen an die nächste Gesundheitsstation überweisen.

Zwei Personen unterwegs auf den Feldern in Myanmar

© Corinna Broeckmann / MISEREOR

Das Dorf, in dem insgesamt etwa 1.000 Menschen leben, hat sich erst im Jahr 2008 gegründet. Wie tausende andere Familien flohen viele Menschen nach dem verheerenden Zyklon „Nargis“ in die größeren Städte von Myanmar. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, doch werden es allein in Yangon über 100.000 Menschen sein, die nach dem Zyklon nicht mehr ins Irrawaddy Delta zurückkehrten. Neben den besseren Verdienstmöglichkeiten hat die Entscheidung, das Delta zu verlassen, auch mit der Angst zu tun, eine solche Naturkatastrophe könne wiederkommen. Sicherlich ist das nur eine Frage der Zeit. Das Leben sei hier einfacher – trotz vieler Entbehrungen. Ihr größter Wunsch wäre, so erzählen die Männer, dass sich die Infrastruktur im Dorf verbessert. Während der Monsunzeit sind die Straßen so aufgeweicht, dass die Kinder mindestens drei Monate nicht zur Schule gehen können. In dieser Zeit ist es auch schwierig, zu einer der Gesundheitsstationen oder zum Krankenhaus zu kommen. Schule und Gesundheitseinrichtungen liegen mindestens drei Kilometer entfernt. Da das Dorf nicht registriert und damit offiziell nicht existent ist, besteht für die Menschen keine Möglichkeit, Dienstleistungen von den Behörden zu verlangen. Es wird in Zukunft notwendig sein, sich um eine solche Registrierung zu bemühen. Die Dorfbewohnerinnen- und bewohner sowie MCHAN werden dazu mit anderen Organisationen zusammenarbeiten, die sie in ihren Anliegen unterstützen können. Die Hoffnung auf eine bessere Zukunft für sich und ihre Kinder ist bei den Einwohnern groß.

Die Arbeit mit den armen Menschen an den Rändern und in den Städten von Myanmar steht noch am Anfang. Es bleibt eine Menge zu tun, um die Situation der Menschen aus dem Irrawaddy Delta zu verbessern.

Über die Autorin: Corinna Broeckmann arbeitet als Länderreferentin für Myanmar bei MISEREOR.

Autor:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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