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Kenia: Das andere Nairobi heißt Kibera

In Kenias Hauptstadt Nairobi  hat Roland Brockmann Menschen in Kibera, einem der größten Armenviertel Afrikas, getroffen.

Wo Minibusse nicht weiterkommen sammelt Brian Katiembo seine Passagiere auf – im Gewirr der Gassen von Kibera.

Mischung aus Taxi und Bus

„Ein gutes Geschäft“, ist für Brian Katiembo seine Arbeit als Tuk-Tuk Fahrer im Gassenlabyrith von Kibera.  Morgens holt er sein dreirädriges Kabinen-Taxi beim Besitzer ab: „Dem zahle ich 2.000 Kenia Schilling (20 Euro) Miete pro Tag. Dann trinke ich meinen Tee in einem der vielen Cafés am Weg. Das ist dann so gegen fünf Uhr morgens. Feierabend mache ich erst spät am Abend.“

Brian der in Kibera geboren wurde, aufwuchs und dort mit seiner Frau und seinem Kind noch heute lebt. In einem Lehmbau ohne Fenster, mit Strom – aber ohne Sanitäranschluss. Die Latrine ist draußen im Freien. Dafür ist die Miete billig, so etwa 3.000 Kenia Schilling (30 Euro) im Monat.

Tuk-Tuks funktionieren wie eine Mischung aus Taxi und Bus. Man kann individuelle Fahrten buchen, aber meist drängen sich bis zu drei Passagiere mit derselben Fahrtrichtung zusammen. Das ist billiger. Brians Durchschnittsverdienst liegt bei zehn Euro am Tag, seine Frau arbeitet nebenbei als Friseurin. Zusammen kommen sie ganz gut klar. Sein Traum ist, ein eigenes Tuk-Tuk zu besitzen.

 

Wie ihre kleine Tochter ist auch Phenny Kerubu in Kibera geboren.

Auch Vorteile 

Phenny Kerubu wurde in Kibera geboren und eigentlich spielte sich ihr ganzes Leben bislang nur hier ab. „Das Leben im Slum hat auch Vorteile“, sagt die 22-jährige: „Wasser ist billig, die Verkaufsstelle nahe vom Haus. Die Schule ist umsonst.“ Aber vor allem der ganze Müll und Dreck stört sie. Malaria ist stark verbreitet.
Phenny lebt mit ihrem Baby, der Schwester Jacinta und der Mutter zusammen. Das einzige Einkommen ist das Geld, das die Mutter mit dem Verkauf von Essen verdient. Ihr Vater hat sie schon vor Jahren verlassen, er war ein Trinker. „Der Vater von meinem Baby kümmert sich auch nicht. Der ist verheiratet, das wusste ich damals noch nicht.“
Die Schwestern erledigen die Hausarbeit, wenn sie damit durch sind, langweilen sie sich. „Meist schlafen wir dann.“ Die Familie hat zwar einen Fernseher, aber der funktioniert nicht. Phenny will sich jetzt einen Job suchen – als Reinigungskraft oder Kellnerin. Ihre Schwester will studieren.

Lilian Naliaka ist stolze Besitzerin einer neuen Wohnung in einem Umsiedlungsprojekt.

Endlich ein richtiges Badezimmer

Lilian Naliaka hatte großes Glück. Ihr altes zuhause lag zu nahe an den Bahngleisen, die quer durch Kibera führen. Deshalb siedelt die Eisenbahngesellschaft nun viele Familien um. Und Lilian bekam eine der neuen Ein-Zimmer-Wohnungen, die eigens von der Stadt gebaut wurden. „Jetzt habe ich ein richtige Badezimmer und eine Küche“, schwärmt sie. „Im alten Haus aus Lehm gab es ständig Probleme mit den Stromleitungen, das war richtig gefährlich und bei Regen tropfte es durch die Decke.“ Außerdem sei die Verkehrsanbindung jetzt viel besser. Ihr Mietvertrag läuft 45 Jahre. „Ich bin richtig stolz auf die neue Wohnung und meine Freundinnen beneiden mich.“

300.000 bis 500.000 Menschen leben in Kibera.

Pajoma Trust – Für die Rechte der Armen

Die Eisenbahnstrecke von Kisumu am Victoriasee ins Zentrum von Nairobi führt in einer leicht geschlängelten Linie direkt durch das Armenviertel Kibera. Da in den letzten Jahrzehnten nur wenig Bahnbetrieb herrschte, wurde die Bahnstrecke als gut befestigter Fußweg sehr stark genutzt und links und rechts davon platzierten sich Läden und kleine Werkstätten, die von der Laufkundschaft profitierten. Die jetzt privatisierte Eisenbahngesellschaft, ein südafrikanischer Konzern, bestand darauf, alles in einem Abstand von 100 Fuß (30,48 m) links und rechts der Gleise freizuräumen und einzuzäunen, um den Bahnbetrieb wieder attraktiv zu machen und zu beschleunigen. Pamoja Trust, eine Partnerorganisation von MISEREOR in Nairobi, begleitete die betroffenen Familien, die von der Bahngesellschaft neue kleine Wohnungen direkt neben der Bahnstrecke erhalten sollten. Pamoja sorgte dafür, dass die Bewohner bei der Planung mitsprechen konnten und dass die Bestandsaufnahme der hier Wohnenden von den lokalen Organisationen überwacht wurde, um zu verhindern, dass einflussreichere Gruppen sich die Neubauten aneignen. Im Gegensatz zu anderen Umsiedlungen wurde hier erreicht, dass die neuen Wohnungen fast ausschließlich den wirklich Betroffenen zukommen.

Weitere Geschichten lesen Sie in der aktuellen Ausgabe des MISEREOR-Magazins frings.

Roland Brockmann lebt in Berlin als unabhängiger Journalist und Reporter.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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