Suche
Suche Menü

Hungertuchwallfahrt 2018: „Zusammen laufen, zusammen arbeiten, zusammen die Welt verändern“

Die letzten Etappen der beiden Hungertuchwallfahrtsgruppen werden traditionell von MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel begleitet. Auch dieses Jahr schloss er sich den Pilgerinnen und Pilgern in München an.

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirimin Spiegel, Bischof Theodore Mascarenhas und Bischof Niranjan Sualsingh mit den Pilgerinnen und Pilgern der Hungertuchwallfahrt, Foto: Radtke/MISEREOR.

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirimin Spiegel, Bischof Theodore Mascarenhas und Bischof Niranjan Sualsingh mit den Pilgerinnen und Pilgern der Hungertuchwallfahrt, Foto: Radtke/MISEREOR.

 

Als ich gemeinsam mit MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel und den indischen Gästen Bischof Niranjan Sualsingh und Bischof Theodore Mascarenhas die Kirche St. Konrad am westlichen Stadtrand von München betrete, ist diese unbeleuchtet. Das Hungertuch „Ich bin, weil du bist“ in Weiß, Grün und Gelb ist jedoch schon von der Tür gut zu erkennen. Nach den ersten Schritten brandet der Applaus von circa 50 Hungertuchwallfahrerinnen und Hungertuchwallfahrern auf, die sehnsüchtig auf diesen Besuch gewartet hatten.

Wallfahrt trotz Eis und Schnee

Nach einigen Begrüßungsworten, Gebeten und Liedern macht sich die Gruppe auf den Weg. Ein Wintereinbruch und dicke Schneeflocken begleiten uns. „Jetzt haben wir wirklich jedes Wetter gehabt: Wunderbaren Sonnenschein, Dauerregen, Glätte und nun Schnee“, berichtet mir Karl-Heinz. Er wurde im letzten Jahr mit dem ‚Virus‘ der Hungertuchwallfahrt infiziert und ist froh, dass er auch dieses Jahr wieder mitgelaufen ist. Für ihn ist es die Gemeinschaft, das intensive Miteinander, was diese Pilgerfahrt ausmacht.

Natürlich lassen es sich die beiden Bischöfe nicht nehmen, das Hungertuch ein Stück des Weges selbst zu tragen. Sie bekommen hierfür wärmende Handschuhe von den Pilgerinnen und Pilgern geliehen. Dass es nun etwas langsamer vorangeht, ist dabei nicht wichtig. Die beiden Inder freuen sich besonders über den Schnee, den sie aus ihrer Heimat nicht kennen. Allerdings laufen sie unsicherer über den glatten Boden als die seit Tagen geübten Wallfahrenden.

Die heutige Etappe ist etwa acht Kilometer lang. Im Vergleich zu den Tagen zuvor fühle es sich wie ein gemütlicher Spaziergang an, berichtet mir Meli, die mit ihren zwanzig Jahren vermutlich die Jüngste der Gruppe ist. Doch es reicht, dass ich trotz warmer Kleidung komplett durchgefroren bin, als wir nach etwa zweieinhalb Stunden an der ersten Station ankommen. Hier treffen wir auf die zweite Gruppe Hungertuchwallfahrenden, die „Paderborner Gruppe“. Wir werden empfangen mit einem melodisch gesungenen „Eingeladen zum Fest des Glaubens“. Gemeinsam geht es dann zum Ort des Abschlussgottesdienstes St. Philippus, an dem auch Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg aus dem ansässigen Erzbistum München und Freising teilnimmt.

Bischof Niranjan Sualsingh (links, mit MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel) und Bischof Theodore Mascarenhas (rechts) tragen das MISEREOR-Hungertuch während der Hungertuchwallfahrt, Foto: Radtke/MISEREOR.

Bischof Niranjan Sualsingh (links, mit MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel) und Bischof Theodore Mascarenhas (rechts) tragen das MISEREOR-Hungertuch während der Hungertuchwallfahrt, Foto: Radtke/MISEREOR.

Geinsame Fastenaktion mit der Kirche in Indien

Bischof Mascarenhas erntet große Begeisterung dafür, dass er seine Ansprache mit Humor und in gut verständlichem Deutsch hält: „Die Pilgerfahrt ist ein wichtiges Symbol. Wir sind gemeinsam gelaufen, zwar kamen wir aus unterschiedlichen Richtungen, aber wir sind gemeinsam gelaufen und haben uns hier getroffen. Man braucht viel Geduld, wenn man in einer Gruppe läuft. Manche, wie Monsignore Spiegel, laufen etwas schneller, andere, wie Bischof Niranjan, sind langsamer. Aber wir haben immer aufeinander gewartet. Wenn die indische und die deutsche Kirche zusammen laufen, brauchen wir auch viel Geduld. Trotz mancher Probleme können wir zusammen laufen, zusammen arbeiten und zusammen die Welt verändern“.

Seit 1986 machen sich jedes Jahr Menschen auf den Weg, um das Hungertuch von dem Eröffnungsort der letzten Fastenaktion zum Ort der aktuellen Fastenaktionseröffnung zu tragen. Dieses Mal wurde das Hungertuch von Trier bis nach München gebracht. Teilweise laufen die Pilgerinnen und Pilger wie bei einem Staffellauf Tag und Nacht. Sie kehren in Pfarrgemeinden ein und erhalten Unterkunft und Verpflegung in einfachen Quartieren wie Gemeindehäusern oder Schulen. Dabei steht im Fokus, mit vielen verschiedenen Menschen über die Arbeit MISEREORs ins Gespräch zu kommen – auf dem Weg oder während einer Ruhepause.

Die Pilgerinnen und Pilger der Hungertuchwallfahrt gingen bei Wind und Wetter, Foto: Radtke/MISEREOR.

Die Pilgerinnen und Pilger der Hungertuchwallfahrt gingen bei Wind und Wetter, Foto: Radtke/MISEREOR.

Es ist diese Mischung aus großem Engagement, für die Sache MISEREORs unterwegs zu sein und auf die Fastenaktion und ihre Anliegen aufmerksam zu machen, und dem, was solch eine Pilgerreise mit den Wallfahrerinnen und Wallfahrern selbst macht, die viele dazu animieren, immer wieder mitzumachen. Eis und Schnee, Kälte und Dunkelheit zu trotzen. Man komme sehr stark zu sich selbst, entschleunige automatisch seinen Tagesablauf, bereichere sich gegenseitig in vielen guten Gesprächen auf dem Weg, heißt es unisono. Das alles hat einen besonderen Reiz etwa für Matthias Hey, der seit 1986 nur eine einzige Hungertuchwallfahrt – unfreiwillig – verpasst hat. Oder für Hermann-Josef Günther und Jochen Voss, die im Erzbistum Paderborn 1996 eine eigene Hungertuchwallfahrt auf die Beine gestellt haben, um Menschen stärker für die damals in ihrer Diözese stattfindende Eröffnung der Fastenaktion zu mobilisieren. Beide waren seitdem immer dabei und sind auch jetzt noch dynamisch, motiviert und vom Geist der Pilgerreise beseelt in diesem Sinne unterwegs.

Nicht dass es immer einfach wäre, mit dem Hungertuch durch Deutschland zu wandern. Schlechtes Wetter ist das eine, skeptische Blicke von Passanten sind das andere. Die Gruppe erregt Aufsehen – was ja beabsichtigt ist. Mancher Anwohner lernt MISEREOR auf diese Weise schließlich erst kennen. Und neulich auch die Polizei: Die fragte nämlich die Wallfahrer, ob ihre „Demonstration“ denn genehmigt sei. Um dann lächelnd zu akzeptieren, dass für diese Art von Aktion auf der Straße keine Behörde eine Erlaubnis erteilen muss…

Über die Autoren: Ralph Allgaier, Pressesprecher, und Corinna Würzberger, Presse-Volontärin, arbeiten in der Kommunikationsabteilung bei MISEREOR.


Gemeinsam mit der Kirche in Indien geht MISEREOR mit der Fastenaktion 2018 der Frage nach, was wir gemeinsam tun können, damit immer mehr Menschen ein menschenwürdiges und gutes Leben leben können.

www.misereor.de/fastenaktion >

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.