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Kamerun: Staatsform „Gerontokratie“?

Während meiner Partnerbesuche in Kamerun begleitet mich für einige Tage der ZEIT-Journalist Wolfgang Uchatius. Gemeinsam treffen wir bei CODAS-Caritas in Douala eine Gruppe von kamerunischen Jugendlichen, die uns aus ihrer Lebenswelt berichten. Einige haben die Universität mit oder ohne Abschluss verlassen und bestreiten ihren Lebensunterhalt im informellen Sektor, andere konnten sich als Kleinunternehmer etablieren oder befinden sich noch in der Ausbildung. Sie alle eint, dass sie vom MISEREOR-Partner CODAS-Caritas Douala bei ihrem Werdegang begleitet und unterstützt werden.

Gespräche mit dem MISEREOR-Partner CODAS-Caritas in Douala/Kamerun © Frank Wiegandt | MISEREOR

Gespräche mit dem MISEREOR-Partner CODAS-Caritas in Douala/Kamerun © Frank Wiegandt | MISEREOR

Im Gespräch berichten sie uns über ihre Probleme und Schwierigkeiten im Alltag. So fühlen sie sich oft nicht von der kamerunischen Gesellschaft und von der Politik unterstützt, die ganz im Gegenteil ihnen das Leben noch erschwert. Die Korruption ist allgegenwärtig und um einen Uniabschluss machen, einen Verkaufsstand an der Straße zu betreiben oder Waren in die Nachbarländer zu exportieren, werden immer wieder Extrazahlungen und Schmiergelder fällig.

Ein junger Unternehmer, der eine kleine Informatikfirma gegründet hat, berichtet über die Vielzahl von Gebühren und Steuern, die er für sein Unternehmen bezahlen muss. Dazu gehören unter anderem auch eine Umweltsteuer und neuerdings eine „Hygienesteuer“. Wozu diese Steuern dienen – zumal bei einer Informatikfirma- und was mit den Geldern passiert, bleibt ihm und uns unklar.

Staatsform „Gerontokratie“

Die Jugendlichen sprechen auch von einem Generationenkonflikt in Kamerun, von der Tatsache, dass es ohne Kontakte und Protektion von oben extrem schwierig ist, eine Arbeit zu finden oder ein Geschäft zu betreiben. Als „Gerontokratie“ bezeichnen sie die kamerunische Staatsform. Der jüngst ernannte Präsident des Verfassungsgerichts, der Staatspräsident, der Senatspräsident, der Präsident der Nationalversammlung und der Premierminister: alle sind über siebzig Jahre alt, einige schon über achtzig.
In den Augen der Jugendlichen sind die Entwicklungshemmnisse vor allen Dingen hausgemacht. Sie sprechen über die aus ihrer Sicht verhängnisvolle Rolle der kamerunischen Eliteschmiede, die Verwaltungshochschule ENAM in Yaoundé. Nach dem französischem Vorbild ENA (Ecole Nationale d’Administration) bildet die ENAM die hohen Verwaltungsbeamten aus, die in der Bevölkerung nicht das beste Ansehen haben und als abgehoben und arrogant gelten.

Von den Machthabern Kameruns fühlen sie sich nahezu zur Migration gezwungen. Wären sie weg, hätte die Regierung weniger potenzielle Krawallmacher und Kritiker zu befürchten. Zudem bekommt die Regierung neuerdings auch noch Gelder von der EU, um die sogenannten Fluchtursachen, die ja hauptsächlich auf die schlechte eigene Regierungsführung beruhen, zu bekämpfen, sagen sie.

Über den Autor: Frank Wiegandt arbeitet als Länderreferent für Kamerun bei MISEREOR.


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Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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