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Mein Freiwilligendienst in Malawi

Nadja macht ihren Freiwilligendienst in Malawi, genauer in der St. Mary‘s Girls Secondary School in Karonga. Die 24-jährige betreut dort den Computerraum der Schule, gibt Computerstunden und hilft auch so beim Unterrichten mit. Nach ihrem Lehramtsstudium in Deutschland, welches sie im April abgeschlossen hat, bietet dieser Freiwilligendienst eine wunderbare Chance, in das Schulleben eines anderen Landes einzutauchen. In diesem Blog erfahrt ihr, was Nadja während ihrer Zeit in Malawi erlebt und wie sie die neue Kultur, die Menschen und einfach das Leben dort kennenlernt.

05. September 2018

„Was der Mensch doch nicht alles erfährt, wenn er sich einmal hinterm Ofen hervormacht!“
(J. Eichendorff, Aus dem Leben eines Taugenichts, S. 42)

Seit ich mich hinter meinem Ofen hervorgemacht habe und nach Karonga in Malawi gereist bin, habe ich auch schon einiges entdeckt. Unter anderem natürlich viele neue Gerichte, Geschmäcker und Lebensmittel.

Typisch malawisch: Nsima und Chitenge

Hier in Malawi ist Nsima das sogenannte Stable Food. Das heißt, ein Gericht, welches zu jeder Mahlzeit dazugehört. Nsima ist ein polenta-ähnlicher Maisbrei, der ganz schlicht aus Wasser und Maismehl besteht. Er schmeckt sehr neutral und kann so mit allen möglichen Lebensmitteln serviert werden: Fleisch, Bohnen, Tomatensauce, usw.
Wir haben mittlerweile gelernt, wie man Nsima zubereitet. Das ist für Laien gar nicht so einfach. Uns wurde gezeigt, wann genau das Maismehl in das heiße Wasser hinein muss, wie lange der Brei köcheln muss und wie wir Klumpen im Brei vermeiden.

Bevor es aber überhaupt soweit ist, dass wir Nsima kochen können, müssen wir natürlich den noch ungemahlenen Mais auf dem Markt kaufen und danach zur Maismühle bringen.
Nachdem wir nun über alle Schritte zum Nsimakochen Bescheid wissen, steht auf unserem „deutschen Speiseplan“ natürlich auch recht häufig die typisch malawische Beilage. Und das Wichtigste: Nsima isst man mit den Händen. Dabei verbrennen Luna und ich uns regelmäßig die Finger. Aua.

Was wir bisher auch noch nicht können, ist die Säcke voller Mais, bzw. Mehl elegant auf dem Kopf balancierend nach Hause zu tragen. Ein Bild wie dieses beeindruckt uns immer wieder. Mal schauen, ob wir es im Laufe der zehn Monate lernen werden.

Was wir bisher auch noch nicht können, ist die Säcke voller Mais, bzw. Mehl elegant auf dem Kopf balancierend nach Hause zu tragen. Ein Bild wie dieses beeindruckt uns immer wieder. Mal schauen, ob wir es im Laufe der zehn Monate lernen werden. Foto: privat

Natürlich gibt es hier nicht ausschließlich Nsima zu essen. In Karonga haben wir vor kurzem auf dem Markt einen tollen Street-Food-Verkäufer getroffen. Auf eine kreative und praktische Weise hat er Spieße mit angebratenem Rindfleisch und gebratene Bananen angeboten. Wir haben gleich einen Spieß probiert. Es war ein perfekter kleiner Snack für zwischendurch.

Ja… so werden mit Stück für Stück immer mehr zu Malawiern

Mittlerweile haben wir uns auch unser erstes „Chitenge“-Tuch gekauft. Das ist ein bunt bedrucktes Baumwolltuch, welches die Frauen als Rock über ihre Kleidung gewickelt tragen. Fast alle Frauen haben mindestens eins. Es ist super praktisch für alles Mögliche: Um Sachen einzuwickeln, um sich abzutrocknen, als Sitzunterlage, als Strandtuch… Was auch immer einem einfällt.

Ich denke, an meinem Gesichtsausdruck seht ihr, wie es mir bisher hier gefällt. Ich finde das Leben, die Menschen, denen wir begegnet sind, den Lake Malawi, Nsima und natürlich mein neues Tuch einfach toll.

Ich denke, an meinem Gesichtsausdruck seht ihr, wie es mir bisher hier gefällt. Ich finde das Leben, die Menschen, denen wir begegnet sind, den Lake Malawi, Nsima und natürlich mein neues Tuch einfach toll. Foto: privat

Ich genieße die Zeit bisher wirklich sehr. Mir wurde so viel Freundlichkeit und ehrliches Interesse entgegengebracht, wie ich es bisher in Deutschland nur selten erlebt haben… oder ich habe es einfach nicht bemerkt in meinem Arbeits- und Unialltag. Es ist schon eine besondere Atmosphäre hier und versuche jede Sekunde aufzusaugen und in Erinnerung zu behalten.

Der Arbeitsalltag beginnt

Kurz bevor die Sommerferien enden und der Schulalltag hier an der St. Mary’s beginnt, haben wir auch nun auch unseren ersten Arbeitsauftrag erhalten, den wir mit vollem Eifer umsetzen. Wir sollen die vorhandenen Schulbücher einscannen, damit sie für alle Schüler in digitaler Form verfügbar sind. Die Bücher sind in Printform nämlich nicht ausreichend vorhanden. Die Schule hat einen recht gut ausgestatteten Computerraum, den die Schülerinnen zum Lernen benutzen dürfen. Mit Feuereifer widmen wir uns unserer Aufgabe, sodass Kenneth, der Beauftragte für die Schulbücherei, gar nicht hinterherkommt, uns immer wieder Büchernachschub zu liefern. Wir amüsieren uns gemeinsam mit ihm über unsere Arbeitseinstellung, alle Aufgaben immer mit Rekordgeschwindigkeit sofort zu erledigen. Die digitalen Bücher und andere Materialien werden in eine Digital Library hochgeladen. Dies ist eine Art Plattform mit verschiedenen Materialien und Websites, die auch offline zur Verfügung stehen.

Ein Internetzugang ist an der Schule zur Zeit noch nicht vorhanden. Das Projekt Digital Library wurde von einigen Schülern einer Partnerschule der Diözese Karonga aus Deutschland initiiert. Wer sich über das Projekt Digital Library näher interessiert, der kann sich auf folgender Homepage darüber informieren: nextgenerationafrica.org/project/das-hauptprojekt
Ist auf jeden Fall eine super Sache und wir freuen uns, dass wir das Projekt hier ein bisschen fortführen können.

Im nächsten Blog erfahrt ihr dann, wie der Schulalltag hier an der Schule abläuft. Am 10.9. geht die Schule los und wir freuen uns schon sehr die Schülerinnen kennenzulernen.
Ich bin gespannt, wie viel wir dann zu tun haben und wie wir unsere Arbeit planen und einteilen können. Schließlich nannte die Schulleiterin als eine ihrer Erwartungen an unsere Arbeit hier: „Show the girls some German work spirit“.
Mal schauen, ob wir diese Erwartung erfüllen, bzw. ob das überhaupt so eine gute Idee ist. Interessant auf jeden Fall und zum Nachdenken anregend, dass diese klischeeartige Charaktereigenschaft der Deutschen hier durchaus bekannt ist.

In diesem Sinne,
arbeitet fleißig und bis zum nächsten Mal! 🙂

 

16.08.2018

Wir öffnen unser Fenster zur Welt und sehen…
Mit diesem Motto wurden wir Misereor-Freiwilligen im Ausreise-Gottesdienst im Juli in Aachen für unseren zehnmonatigen Freiwilligendienst verabschiedet. Mein neues Abenteuer hat nun zusammen mit Luna, meiner Mitfreiwilligen, gestartet.
Mein Fenster ist weit offen…und ich möchte euch in diesem Blog daran teilhaben, was ich sehe!

Nach der Ankunft am Flughafen nehmen uns zwei unbeschreiblich liebe Menschen herzlichst in Empfang. Die beiden Mitarbeiter der Diözese Karonga, in der wir unseren Freiwilligendienst absolvieren, heißen uns herzlich in Malawi willkommen und bringen uns mit dem Auto nach Lilongwe, der Hauptstadt von Malawi. Ich schwebe so ein bisschen über dem Boden als wir im Auto sitzen und durch das Fenster nach draußen schauen: Ich kann es noch nicht glauben, dass wir da sind, in Malawi, the Warm Heart of Africa. Das Wetter ist angenehm: ca 23°, fast sogar ein bisschen kalt, im Vergleich zu den über 30 Grad die zu dieser Zeit in Deutschland herrschten. Vielen Menschen fahren mit dem Fahrrad über die hügeligen Straßen und Wege. Ich frage unsere Begleiter, ob Fahrradfahren wohl sehr verbreitet ist in Malawi und sie bestätigen dies. Ich freue mich sehr, da ich selbst ein großer Fahrradfan bin.

Unser Start in Malawi

Wir fahren nicht direkt weiter nach Karonga, wo wir die nächsten zehn Monate leben werden. Wir verbringen eine Nacht in Lilongwe und machen uns am nächsten Morgen auf in den Norden des Landes.
Ich kann diesen Weg nur so beschreiben: Auf dem Afrika-Panorama-Weg durch Malawi. Wunderschöne Ausblicke und viele viele Eindrücke. Ich habe noch nie in meinem Leben einen friedlicheren Ort erlebt wie hier. Wir fahren die Straße entlang durch kleinere Dörfer, vorbei an zahlreichen kleinen Kiosken und Ständen, an denen Bananen, Tomaten, Bohnen, Mais, und vieles mehr verkauft werden. Vorbei auch an vielen Frauen, die ihre Fracht elegant auf dem Kopf balancieren und vorbei natürlich an vielen Fahrradfahrern. Dabei ein wenig Reggae-Musik im Auto. Einfach herrlich.

Nach ca. neun Stunden Fahrt kommen wir in der St. Mary´s Secondary School in Karonga an und bekommen unsere Unterkunft für die nächsten zehn Monate präsentiert: Ein einfaches kleines Häuschen, nur für Luna und mich. Wir sind hin und weg. Wir lieben es schon jetzt.

Es ist schon dunkel als wir ankommen, sodass wir die Umgebung noch nicht sehen. Am nächsten Morgen dann: Wir öffnen die Türen unseres neuen Zuhauses und sehen…

Das Haus ist auf dem Campus der St. Mary´s Girls Secondary School. An dieser Schule, bzw. Internat werden wir unseren Freiwilligendienst absolvieren. Es ist ein großer Campus mit Aula, Klassenzimmern, Schlafräumen, Büros, und eben was so zu einem Internat dazu gehört.

Das Haus ist auf dem Campus der St. Mary´s Girls Secondary School. An dieser Schule, bzw. Internat werden wir unseren Freiwilligendienst absolvieren. Es ist ein großer Campus mit Aula, Klassenzimmern, Schlafräumen, Büros, und eben was so zu einem Internat dazu gehört. Foto: privat

Überall Begrüßungen mit den Worten „You´re most welcome“

Aber was viel wichtiger ist: Durch mein Fenster zur Welt sehe ich so viele liebe Menschen, die uns herzlichst empfangen, stets mit den Worten „You´re most welcome“. Es ist ein schönes Gefühl, so empfangen zu werden. Wir fühlen uns wirklich wohl hier. In den Gesichtern der Menschen, die uns so begrüßen, sehen wir, dass sie es ernst meinen.

Die großen Ferien hier in Malawi haben gerade erst begonnen, sodass auf dem Campus keine Schüler sind. Sie kommen erst im September wieder. Bis dahin haben wir genug Zeit, unsere zukünftigen Aufgabenfelder an der Schule mit der Schulleiterin und den Kollegen abzusprechen und uns auf die Arbeit vorzubereiten.

In den nächsten Tagen orientieren wir uns in der neuen Umgebung, lernen immer wieder neue Menschen kennen und können sehr schnell Kontakte knüpfen.
Bei Spaziergängen kommt es häufig vor, dass wir ein kurzes Pläuschchen mit Vorbeigehenden halten. So lernen wir zum Beispiel zwei nette Mädels kennen, die gerade mit der Schule fertig sind und nun die Ferien genießen. Sie wohnen in unserer Nachbarschaft. Wir machen einen langen Spaziergang mit ihnen. Sie zeigen uns viele sog. „Shortcuts“, d.h. schmale Pfade, die abseits der großen Straßen schneller zum Ziel führen. Wir verabreden einen Tag, an dem die beiden uns besuchen kommen und wir ihnen Bilder von unseren Familien und unserem Zuhause in Deutschland zeigen. An diesem Tag haben wir auch viel Spaß daran, uns über unsere Sprache auszutauschen. Zum Beispiel übersetzen wir folgenden Satz:

Chichewa (Landessprache in Malawi): Tikucheza kwa anzathu Luna ndi Nadja
Chitumbuka (regionale Sprache in Karonga): Tikuchezga kwa wanyithu Luna na Nadja
English: We are chatting to our friends Luna and Nadja
Deutsch: Wir reden mit unseren Freunden Annie und Myness.
Bayerisch: Mia schmatzma mid unsere Freind Annie und Myness.

Neben dieser entspannten Eingewöhnungszeit haben wir auch schon viel vom Leben hier mitbekommen. Zum Beispiel waren wir auf einer Priesterweihe, die einen vierstündigen Gottesdienst und ein feierliches Essen umfasste. Eine Woche später ging es dann direkt auf eine Hochzeit.

Für alle Hochzeitsfans: Meine erste malawische Hochzeit

Wir kannten das Brautpaar nicht persönlich, aber das war kein Problem. Die Hochzeit ist sozusagen öffentlich gewesen. Das ist wohl einer der größten Unterschiede zu den Hochzeiten, auf denen ich bisher eingeladen war. Denn bei diesen Hochzeiten war es so, dass nur geladene Gäste zum Essen und Feiern kamen. Zu dieser Hochzeit konnte jeder kommen, also ohne Einladung. Auch anders war, dass die Feier größtenteils darin bestand, dass Gäste vor der Bühne, auf der das Brautpaar sitzt, tanzen und Geld in große Körbe werfen. Auch ich habe getanzt und ein paar kleine Kwacha-Scheine in den Korb geworfen. Kwacha heißt die Währung in Malawi.
Ein schöner „Brauch“ wie ich finde ist folgender: Das Brautpaar sucht sich für ihre Ehe ein anderes Ehepaar, das schon lange verheiratet ist, als Vorbild aus. Dieses Ehepaar läuft dann, bevor die Feier beginnt, in den Festsaal ein.

Interessant neben diesen Unterschieden sind die vielen Gemeinsamkeiten, die es auf dieser Hochzeit mit den Hochzeiten, die ich bisher erlebt habe, gibt. (Und ich habe nicht nur Hochzeiten in Deutschland erlebt, sondern auch eine im Kosovo in Osteuropa 🙂 )
Die Braut im weißen Kleid, Braut und Bräutigam schneiden gemeinsam die Torte an, Blumenmädchen in hübschen Kleidchen, schöne, besondere Dekoration, alle jubeln, wenn Braut und Bräutigam sich küssen, ein geschmücktes Auto, in dem das Brautpaar gefahren wird. Wie schön, dass die Liebe überall auf der Welt so freudig gefeiert wird. Ich bin froh, dass ich die Freude über eine Hochzeit auch hier miterleben durfte.

Zum Abschluss meines ersten Blogs noch ein Erlebnis, das mir aufzeigt, wie viel ich in diesem Freiwilligendienst lernen kann:
Luna und ich sind an einem Montagnachmittag mit einer Mitarbeiterin der Schule in dem kleinen Städtchen Karonga unterwegs, welches ca. 11 km von unserer Unterkunft entfernt ist. Wir laufen über den Markt und zu verschiedenen Läden. Plötzlich sagt unsere Begleitung, ob wir nicht etwas langsamer laufen können. Wir würden sehr schnell laufen.
Ja, da merken wir, dass wir tatsächlich fast doppelt so schnell laufen wie alle anderen. Oh man…deutsches Klischee bestätigt. Wir hetzen von einem Ort zum anderen.
Vielleicht findet sich der ein oder andere in diesem Szenario wieder, wenn er an seine letzten Erledigungen in der Stadt denkt.

Meine Aufgabe also für die nächsten Wochen: Einfach mal ein bisschen langsamer laufen. Man schafft ja trotzdem alle Dinge, nur ist man währenddessen irgendwie entspannter.

In diesem Sinne, macht´s gut und bis zum nächsten Mal

Eure Nadja

Autor:

Nadja macht ihren Freiwilligendienst in Karonga, Malawi. Die 24-jährige betreut dort den Computerraum der Schule, gibt Computerstunden und hilft beim Unterrichten mit. Nach ihrem Lehramtsstudium in Deutschland bietet der Freiwilligendienst ihr Chance, in das Schulleben eines anderen Landes einzutauchen.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Liebe Nadja,
    vielen Dank für deinen Blogeintrag. Ich habe bis vor 2 Jahren auch im Freiwilligendienst mitgearbeitet und freue mich immer wieder, von euren Erfahrungen zu lesen.
    Du scheinst mit deinem Einsatzplatz ja wirklich einen 6er im Lotto gewonnen zu haben. Es hört sich toll an. Und es wird auch so weiter gehen. Jeden Tag neue Erfahrungen. Jeden Tag ein anderer Blick auf’s Leben. Ich wünsche euch beiden eine gute Zeit.
    LG aus Aachen, Uta

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