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„Aktion gegen Menschenfeindlichkeit“

Pirmin Spiegel im Interview über den Verlust der Menschenfreundlichkeit und den Einsatz von MISEREOR für eine freie, offene und gerechte Gesellschaft.

Pirmin Spiegel ist Hauptgeschäftsführer von MISEREOR. Im Interview spricht er über MISEREORS „Aktion gegen Menschenfeindlichkeit“.

Warum widerspricht MISEREOR mit seiner „Aktion gegen Menschenfeindlichkeit“ in so deutlicher Form nationalistischen und populistischen Tendenzen in unserer Gesellschaft?

Die teils scharfe Auseinandersetzung um Geflüchtete und Migranten, die wir seit Monaten erleben und die mit einer deutlichen Verrohung der Sprache einhergeht, ist ein Symptom für eine dahinterliegende gesellschaftliche und politische Verschiebung in Richtung aggressivem Nationalismus und einer Vereinfachung komplexerer Zusammenhänge.

Wenn in Deutschland unser zentrales Problem die Frage sein sollte, wie wir verhindern, dass „noch mehr“ Flüchtlinge und Migranten zu uns kommen, dann wird deutlich, dass sich hinter der Diskussion um die Flüchtlinge ein anderer Diskurs verbirgt: Ein antidemokratischer Angriff auf Werte, die uns wichtig sind. Und letztlich ein Angriff auf die Demokratie selbst. Das Schicksal der Flüchtlinge und Migranten wird für ganz andere Zwecke missbraucht. Die Angst vor dem Anderen und Fremden als Bedrohung zu schüren, ist ein Muster der Demokratiezerstörung, das nicht neu ist. Beispiele dafür kann man zur Genüge anführen, auch aus der Arbeit der Partnerorganisationen von MISEREOR. Immer aber läuft es darauf hinaus, dass die Logik des „Rechts des Stärkeren“ gilt. Und dass diejenigen erneut zu Verlierern werden, die stets schon zu den Verlierern gehörten.

Was wir erleben, ist ein Verlust der Menschenfreundlichkeit, eine Rückkehr der Menschenfeindlichkeit, den Rückzug auf das Nationale – das „Eigene“, das „Wir“ gegen „die Anderen“. Das gefährdet Demokratie. Wir müssen mittun, dass relevante Themen, wie die Umsetzung der UN-Agenda 2030, die nachhaltige Entwicklung unserer Gesellschaften, mehr Gerechtigkeit in und zwischen den einzelnen Ländern der Erde sowie der Einsatz gegen den Klimawandel in den Mittelpunkt gerückt und vorangetrieben werden.

Was ist das Ziel dieses Engagements?

Gemeinsam mit seinen Partnern setzt MISEREOR sich für eine Gesellschaft ein, in deren Mittelpunkt die Würde und Rechte jedes Einzelnen stehen. Ausgrenzung lehnen wir ab – egal wo. Armutsbekämpfung und mehr Gerechtigkeit – egal in welcher Gesellschaft – bekommen wir nur gemeinsam im Geiste von Ausgleich, Kooperation, Anerkennung und demokratischer Aushandlung hin. Und nicht indem wir Menschen, Gruppen und Gesellschaften gegeneinander ausspielen. Dieser antidemokratischen und menschenfeindlichen Haltung stellen wir uns entgegen. Wir dürfen nicht passiv zusehen, wie eine Minderheit sich mit einer antipluralistischen und antidemokratischen Haltung gegenüber Schwächeren durchzusetzen versucht. 

Es erscheint uns wichtig, hör- und sichtbar wachzurütteln und diesen Tendenzen etwas entgegenzusetzen. Nationalismus und Populismen erstarken nicht nur bei uns in Deutschland, sondern um uns herum in Europa und weltweit. Unsere Partnerorganisationen in Brasilien erleben das gerade auf sehr dramatische Weise. Gemeinsam mit Ihnen sind wir aufgefordert, uns einzusetzen und zu engagieren, jeder auch in seinem Kontext.

Wie weit ist Ihre Haltung auch in den Projekten von MISEREOR erkennbar?

Es gibt weltweit Millionen Männer und Frauen, die mit ihrer täglichen Arbeit der Ausgrenzung  und dem Fremdenhass entschieden entgegentreten. Auch in unseren Projekten setzen sie sich jeden Tag für eine tolerante Gesellschaft, Respekt, Frieden und Demokratie ein. Zum Beispiel sorgen Christen und Muslime in Burkina Faso gemeinsam für gesunde Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft. Kooperation und der gemeinsame Lösungswille sind entscheidend, nicht die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Religionsgemeinschaft oder kulturelle Unterschiede. Der Klimawandel führt zu immer häufigeren Dürren und plötzlichem Starkregen, was die Landwirtschaft in der Region vor immer neue Herausforderungen stellt. Über 50 Prozent der Bevölkerung beteiligt sich mittlerweile an einem interreligiösen Projekt, womit das friedliche Miteinander der Religionsgemeinschaften bis heute stark gefördert wird.

Auch im Nahen Osten, im Libanon und in Syrien setzen sich der Flüchtlingsdienst der Jesuiten (JRS) und die Organisation „Pontifical Mission Lebanon“ unbeirrt  für vertriebene Menschen und Kriegsopfer ein – unabhängig davon, ob es sich um Christen, Sunniten, Schiiten, Alawiten oder Angehörige weiterer Religionsgemeinschaften handelt. Sie helfen mit Lebensmitteln, medizinischer und psychosozialer Versorgung und dem Wiederaufbau der Häuser. Sie unterstützen und ermöglichen Kindern geflüchteter Familien den Schulbesuch. Es gibt viele weitere Beispiele. Der Grundgedanke MISEREORS und seiner Partner ist Mitmenschlichkeit und Barmherzigkeit; das in Wort und Tat zum Ausdruck zu bringen, ist Gebot der Stunde.


Mehr erfahren

chriftzug: Für eine freie, offene und gerechte Gesellschaft - zuhause und weltweit

Mit dem Schriftzug der „Aktion gegen Menschenfeindlichkeit“ setzt MISEREOR ein Zeichen gegen Nationalismus und Populismus.

Diese Aktion soll ein klares Zeichen für die Werte der Freiheit, Demokratie und Solidarität setzen. Mit dieser Haltung tritt MISEREOR hörbar und sichtbar allen Populisten, Nationalisten und Anti-Demokraten entgegen, die in zunehmendem Maße Menschen angreifen, ausgrenzen und diskriminieren – weil sie sich an deren Hautfarbe, Religion oder sexuellen Orientierung stören, an  ihrer politischen Überzeugung oder ihrem Lebensstil, …

Denn vieles, für das MISEREOR steht, gerät derzeit in vielen Ländern in Gefahr und unter Druck: Internationale Kooperation und Ausgleich, Gerechtigkeit und Solidarität, Mitmenschlichkeit, Demokratie und Menschenrechte.


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Autor:

Rebecca Struck

Rebecca Struck ist persönliche Referentin von MISEREOR-Chef Pirmin Spiegel.