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Tee: Das grüne Gold hat seinen Preis

Für viele deutsche Asienreisende ist Sri Lanka ein beliebtes Urlaubsziel. Der lokale Ceylon-Tee gehört international zu den beliebtesten Teesorten. Dass aber hinter der gemütlichen Tasse Tee am Nachmittag oftmals Armut und Benachteiligung stecken und das Land noch immer mit den Folgen eines jahrelangen Bürgerkriegs zu kämpfen hat, erfuhr Fernsehmoderatorin Carolin Reiber auf ihrer Reise mit MISEREOR.

Die Teepflücker-Gemeinschaft empfängt Carolin Reiber herzlich auf der Strathdon-Plantage. © Ursula Dornberger
Die Teepflücker-Gemeinschaft empfängt Carolin Reiber herzlich auf der Strathdon-Plantage. © Ursula Dornberger

Mit dieser überwältigenden Gastfreundschaft hat Carolin Reiber nicht gerechnet: Über 100 Frauen, Männer und Kinder aus der Gemeinschaft der Teepflücker bereiten der beliebten Moderatorin auf der Strathdon-Plantage in der kleinen Stadt Hatton einen sehr herzlichen Empfang mit selbstgemalten Deutschlandflaggen, den traditionellen Blumenkränzen und Räucherkerzen. Offen sprechen sie mit der Besucherin aus Deutschland über ihre Probleme: den langen, mühsamen Weg zu den Plantagen, das stundenlange Arbeiten in brütender Hitze oder während heftiger Regenfälle. Trotzdem reicht der Verdienst gerade mal für das Überleben der Familien. Der Schulbesuch der Kinder ist selten möglich. In den engen Reihenbaracken sind die hygienischen Verhältnisse katastrophal.  „95 Prozent der Teepflückerinnen im Urlaubsparadies Sri Lanka sind indisch-stämmige Tamilen, eine unterdrückte Minderheit ohne Rechte, die in bitterer Armut lebt“, erklärt Carolin Reiber. „Deshalb ist es so wichtig, dass MISEREOR hier mit lokalen Kräften zusammenarbeitet, die mit Lebenssituation, Sprache und Mentalität vertraut sind. Diese zeigen  den Teepflückerinnen, dass sie etwas wert sind. Wenn man in deren Leben etwas ändern will, dann muss man ihnen Aufklärung und Bildung ermöglichen.“

Mit Hilfe der Spenderinnen und Spender aus Deutschland unterstützt MISEREOR die Teepflückerinnen und Arbeiter dabei, sich in Gemeinschaften zu organisieren, Vertreter zu wählen, sich regelmäßig zu treffen  und ihre Rechte bei den Plantagenbesitzern einzufordern. Mit ersten Erfolgen: Die Arbeitszeiten sind jetzt besser geregelt, die Kinder können zur Schule gehen, die Wasserversorgung bei den Baracken ist gesichert. Aber noch immer gibt es viele Probleme zu lösen. Diese bespricht die Gemeinschaft über gewählte Vertreter direkt mit den Managern der Plantage.

Thirumanaselvi und Krisnaveni zeigen der Carolin Reiber, wie man  den Ceylon-Tee erntet. © Ursula Dornberger
Thirumanaselvi und Krisnaveni zeigen der Carolin Reiber, wie man den Ceylon-Tee erntet. © Ursula Dornberger

Mit den Teepflückerinnen trifft sich Carolin Reiber auf den Hügeln, wo der Ceylon-Tee wächst: Die 36-jährige Thirumanaselvi und die 46-jährige Krisnaveni zeigen der Moderatorin, wie man  das „grüne Gold“ erntet, das weit über die Grenzen Sri Lankas hinweg berühmt ist.  „Freunde fragen mich immer wieder, wofür sie spenden sollen“, erklärt die Münchnerin anschließend. „Wenn man dann vor Ort die Projekte besucht hat, kann man gezielt Auskunft geben. Den Frauen hier in Sri Lanka ein Leben in Würde zu ermöglichen, ist sehr sinnvoll. Wenn man sie unterstützt, profitiert die ganze Familie.“  

Die Blauen Rosen von Kandy

Hilfe für die ganze Familie leistet auch ein weiteres Projekt von MISEREOR, das Carolin Reiber in Kandy, in der Zentralprovinz von Sri Lanka, besucht. Während der Weg der zahlreichen Touristen in den berühmten Zahn-Tempel führt, ist Carolin Reiber zu Gast in der „Blue Rose“-Schule für Kinder und Jugendliche mit geistiger Behinderung. „Eine blaue Rose ist etwas so Besonders und Einmaliges, wie es jedes einzelne unserer Kinder hier ist“, erklärt Namalika Dissanayake zum Auftakt der Begrüßungsfeier. Die Direktorin der Schule und die Lehrerinnen begrüßen den prominenten Gast aus Deutschland mit perfekt einstudierten Tänzen. 65 Kinder kommen jeden Tag in die Schule zum Spielen, Lernen, Kochen, Essen, Basteln und zu Sport und Physiotherapie.

Carolin Reiber und die Kinder der „Blue Rose“- Schule spielen gemeinsam Mensch-ärger-dich-nicht. © Ursula Dornberger
Carolin Reiber und die Kinder der „Blue Rose“- Schule spielen gemeinsam Mensch-ärger-dich-nicht. © Ursula Dornberger

Für Menschen mit Behinderung ist das in Sri Lanka nicht selbstverständlich. Der Staat unterhält und unterstützt keine sozialen Einrichtungen. Die Eltern werden mit ihren Sorgen allein gelassen. Viele Kinder mit Behinderung bleiben ihr Leben lang Zuhause, ohne Schulausbildung oder Förderung. Die Blue Rose Schule unterstützt aber nicht nur die Kinder. Mit Hilfe von MISEREOR werden auch die Eltern mit eingebunden, übernehmen Unterricht und erwerben Kenntnisse, wie sie den Alltag mit ihren Kindern besser bewältigen können.

Dass Carolin Reiber keine Berührungsängste hat, zeigt sich schnell. Die beliebte Moderatorin hat ein Mensch-ärger-dich-nicht-Spiel aus Holz auf die weite Reise von Deutschland mitgenommen. „Das Spiel kommt aus einer Behindertenwerkstatt der Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel ist sehr geeignet für Kinder mit einer Behinderung“, erklärt Carolin Reiber und nimmt sich Zeit, um das Spiel mit den Kindern auszuprobieren. Direktorin Namalika Dissanayake hat noch viele Pläne, von denen sie ihrem Gast berichtet. Zunächst soll das Gebäude erweitert werden, um mehr Kindern die Möglichkeit zu geben, den ganzen Tag in der Schule zu verbringen. „Darüber hinaus planen wir ein „Blue Rose“-Dorf, in dem Menschen mit Behinderung ihr Leben lang bleiben können.“

Kriegs-Witwen kämpfen ums Überleben

In Mullaithivu sind die Zerstörungen des Krieges noch sichtbar. © Ursula Dornberger

Im Schatten unter dem Mangobaum ist die mittägliche Hitze gerade zu ertragen. In der Stadt  Mullaitivu ist Carolin Reiber in Sri Lankas Nordprovinz angekommen und in der gewaltsamen Vergangenheit Sri Lankas. Mit Dominic May Grace sitzt sie vor einem kleinen wellblechgedeckten Verschlag mit einer Nähmaschine. Und May Grace erzählt vom Krieg: Wie ihre 16-jährige Tochter von den Tamil-Tigern entführt und zum Kampf gezwungen wurde, wie sie mehrfach fliehen konnte und wie die Soldaten sie immer wieder fanden und an die Front zurückbrachten. Die letzte Nachricht von ihrem Kind: Sie sei im Kampf gefallen. Einen Leichnam konnte die Mutter bis heute nicht beerdigen. Auch der Bruder von May Grace kommt am Ende des Krieges ums Leben. Sie selbst wird verletzt, muss immer weiter fliehen, lebt lange in Flüchtlingslagern. Die 53-Jährige weint. Die Ungewissheit über das Schicksal der Tochter, ihre schmerzlichen Verluste teilen viele Mütter und Kriegswitwen in Mullaitivu. Jahrelanger zermürbender Krieg, die Zerstörung der Häuser, eine monatelange Flucht, das Leben im Flüchtlingslager haben deutliche Spuren hinterlassen. Jede Familie hier hat Tote zu beklagen. Viele Frauen haben an Körper und Seele Verletzungen davongetragen.

Dominic May Grace zeigt Carolin Reiber stolz ihre Nähmaschine. © Ursula Dornberger

2009 endete in und um Mullaitivu der seit 1983 herrschende Krieg in Sri Lanka zwischen tamilischen Separatisten und der von Singhalesen dominierten Zentralregierung. Die Kämpfe in der Endphase des Bürgerkrieges führten zu einer humanitären Katastrophe: Etwa 250.000 Zivilisten waren im Kampfgebiet eingeschlossen, wurden immer wieder vertrieben. Nach Schätzungen der Vereinten Nationen wurden mindestens 7.000 Zivilpersonen getötet. Die Grausamkeiten von separatistischen Tamilen auf der einen Seite und Regierungstruppen auf der anderen wurden bis heute nicht aufgearbeitet. Heute ist ein wenig Hoffnung zurückgekommen. Dominic May Grace zeigt der Besucherin aus Deutschland stolz ihre zwei Nähmaschinen: Schneidern hat sie im Flüchtlingscamp gelernt, die Nähmaschine hat MISEREOR zur Verfügung gestellt. Das Hilfswerk hat vielen Familien dabei geholfen, Häuser wieder aufzubauen, kleine Geschäfte zu eröffnen, Gärten anzulegen oder eine Geschäftsidee umzusetzen. Für May Grace war das Schneidern eine erste Möglichkeit, Geld zu verdienen, ihre drei verbliebenen Töchter zu ernähren und nach und nach das zerstörte Haus wieder aufzubauen. Mittlerweile hat sei ein gutes Auskommen. Ihre Tochter Nishanthini führt einen kleinen Lebensmittelladen an der Straße. Auf die Frage von Carolin Reiber, wie es ihr jetzt gehe, sagt Dominic May Grace: „Ich schaue heute nach vorne und versuche das Vergangene zu vergessen.“


MISEREOR-Botschafterin Carolin Reiber

Seit 1995 ist Carolin Reiber mit MISEREOR eng verbunden. Entstanden ist der Kontakt durch die ZDF-Gala-Sendung „Winterwunderland“, die sie für „Brot für die Welt“ und MISEREOR moderiert hat. Nach mehreren Projektbesuchen im Rahmen der ZDF-Zuschauerreise ist die beliebte Moderatorin mittlerweile als Botschafterin für das Hilfswerk unterwegs. Nach Kambodscha, Äthiopien, Indien, Vietnam und Nepal in diesem Jahr in verschiedenen Regionen Sri Lankas. Dabei trägt Carolin Reiber die Kosten ihrer Reisen selber. „Die Spendenmittel sollen schließlich den Bedürftigen zu Gute kommen“, wie sie selbst sagt.

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Autor:

Michael Mondry

Michael Mondry arbeitet als Referent in der Abteilung Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei MISEREOR. Hier ist er unter anderem für das Magazin verantwortlich.

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