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Was Vielfalt von Sprachen mit Pflanzen zu tun hat

Ich liebe Sprachen! Ich liebe es zu reisen. Aber wenn ich über Dinge spreche, die mir ans Herz gehen, dann bin ich immer froh, in meiner eigenen Muttersprache sprechen zu können. Wo sonst finde ich so wunderbare Wörter wie Weltschmerz.

Rund 6000 Muttersprachen gibt es weltweit. Fast die Hälfte von ihnen ist bedroht. Das heißt, sie werden nur noch von älteren Generationen gesprochen, Eltern verstehen die Sprache, sprechen sie aber nicht selbst, und folglich lernen die Kinder sie gar nicht mehr.

Grund genug, sich heute, am Tag der Muttersprache, mit diesem Thema zu befassen.

Sprache – das ist nicht nur eine Aneinanderreihung von Worten. Sprache ist ein Instrument, um sich über den eigenen Lebensalltag, seine Herausforderungen und Freuden und die Umwelt zu unterhalten.

So gibt es etwa auf Hawaii 65 verschieden Worte um Fischernetze zu beschreiben, und gar tausende Wörter für Gerüche bei den Jehay in Malaysia. Sprache ist ein Spiegel des Lebensraumes, in dem sich Kulturen entwickeln. In ihr ist auch das Wissen über eine Region, deren Natur und Lebensumstände festgehalten. Der Verlust einer Sprache bedeutet so nicht nur den Verlust von Worten, sondern ist auch unwiederbringlich mit dem Verlust von Kultur und Wissen verbunden. Wissen, das wertvoll ist, um zum Beispiel einen Naturraum, das Zusammenleben von Mensch und Natur, oder Auswirkungen von Veränderungen zu verstehen.

Wie kulturelle Vielfalt, Sprache und die Vielfalt von Pflanzen zusammenhängen

Wie weit der Zusammenhang von Kultur und Sprache und unserer natürlichen Umwelt reicht zeigt diese Karte:

Auf der Karte ist die Vielfalt von Pflanzen und von Sprachen verzeichnet: Je dunkler ein Bereich eingefärbt ist, desto größer ist die Vielfalt von Pflanzen in der Region. Alle Sprachen sind mit einem kleinen schwarzen Punkt eingezeichnet. Was auffällt? In Gebieten mit besonders hoher Pflanzenvielfalt gibt es auch besonders viele Sprachen.

Diese Gebiete, wie die Inselstaaten Süd-Ost Asiens, zum Beispiel Indonesien, die Philippinen oder Papua-Neuguinea, Teile Süd- und Mittelamerikas, und Westafrikas, sind häufig Gebiete in denen besonders viele Indigene Bevölkerungsgruppen leben. Das sind Bevölkerungsgruppen, die eine eigene kulturelle, sprachliche und häufig auch religiöse Identität haben, schon sehr lange an einem Ort leben, und oft ein eigenes soziales, wirtschaftliches und politisches System herausgebildet haben.

In vielen Ländern sind Indigene Bevölkerungsgruppen gesellschaftlich an den Rand gedrängt. Ihr Land ist in Gefahr, da Indigene Bevölkerungsgruppen und lokale Gemeinschaften beispielsweise mehr als 50% der Landfläche der Erde bewohnen, ihnen jedoch nur 10% der Fläche rechtlich zugesichert ist. Vertreibungen auf Grund anderer, häufig wirtschaftlicher Interessen, z.B. durch den Bau von Staudämmen, Bergbau, oder landwirtschaftliche Nutzung, stellen nicht nur eine Gefahr für die Lebensgrundlage der Menschen dar, sondern führen auch zum Verlust des Wissens über das Land und dessen Natur.

Dabei leisten viele Indigene Bevölkerungsgruppen einen enorm wichtigen Beitrag zum Schutz der Natur – weil sie diese sehr gut kennen und nachhaltig nutzen. Oft leben sie über Generationen hinweg an einem Ort und schützen ihr natürliches Umfeld. Sie setzen sich häufig auch politisch für den Erhalt ihrer Umwelt ein. Und sie können wichtige Verbündete für den Naturschutz sein: ihr traditionelles Wissen liefert Erkenntnisse dazu, wie die Vielfalt der Schöpfung bewahrt, und natürliche Rohstoffe nachhaltig genutzt werden können. Wo Lebensräume erhalten bleiben, können sich Kulturen, Wurzeln und Sprache erhalten. Und dafür sorgen Indigene Gruppen tatsächlich am besten selbst, wenn man sie lässt.

Wie indigene Bevölkerungsgruppen ihre Rechte verteidigen und Vielfalt von Kultur und Natur erhalten

Wie kann also Indigene Bevölkerung dabei unterstützt werden ihre Rechte zu verteidigen, und so auch weiterhin ihren wichtigen Beitrag zur nachhaltigen Entwicklung zu leisten?

Ein Beispiel dafür liefert ein Projekt der Organisation APCD, welches von MISEREOR in Argentinien gefördert wird. Das Projekt unterstützt Indigene Völker im Chaco, einer Region von Trockenwäldern und Savannen, die sich über Teile Boliviens, Paraguays und Argentiniens erstreckt. Hier leben unter anderem die Völker der Nivaclé und der Wichí, welche als Jäger und Sammler einen besonderen Bezug zu ihrer Umwelt haben, und diese schon über Generationen hinweg nutzen und schützen.

apcd.org.ar/index.php/colaborar/

APCD unterstützt die Völker darin, ihre Rechte auf das von ihnen traditionell genutzte Land – ihr Territorium – durchzusetzen, durch Workshops und kulturelle Veranstaltungen die Bedeutung der eigenen Kultur und Identität zu stärken und an jüngere Generationen weiter zu geben. Sie werden dabei unterstützt, ihre Interessen auch politisch zu vertreten.

Das alles in einer Region, in der der natürliche Lebensraum durch die Ausweitung der extensiven Weidewirtschaft, des Sojaanbaus, und den Abbau von Rohstoffen stark gefährdet ist. So leistet das Projekt nicht nur einen Beitrag zum Erhalt von Sprache und Kultur, sondern schützt auch die Lebensgrundlagen der Bevölkerung und den einzigartigen Naturraum.


Mehr zum Thema lesen…

Mehr zu bedrohten Sprachen im UNESCO Sprachatlas: http://www.unesco.org/languages-atlas/en/statistics.html

Mehr über die Organisation APCD und ihre Arbeit: http://apcd.org.ar/

Mehr über den Einsatz für die Landrechte indigener Bevölkerungsgruppen: https://www.landrightsnow.org/

Über die Autorin

Rebecca Fenn studiert Umwelt- und Nachhaltigkeitswissenschaften an der Leuphana Universität in Lüneburg. Sie interessiert sich insbesondere für globale Politik, Nachhaltigkeit, und Menschenrechtsfragen.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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