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Amazonassynode: Die Kirche macht sich auf zu neuen Wegen

Gemeinsam neue Wege bestreiten, eine Kirche mit „amazonischem Anlitz“ schaffen – mit diesem Ziel vor Augen haben sich in diesen Tagen auf Einladung von Papst Franziskus rund 250 Bischöfe, Indigene und hinzugeladene Fachleute im Vatikan zusammengefunden. Die Aufgabe, die sich ihnen stellt, ist gleichermaßen herausfordernd wie dringlich: Die voranschreitende Zerstörung des Regenwalds und gleichzeitig das große Potential der Menschen im Blick, diskutieren sie drei Wochen lang über neue Wege für die Kirche und für eine ganzheitliche Ökologie.

Ernestina Macuxi, indigene Kazike aus Roraima, Brasilien mit Papst Franziskus. Foto: Guilherme Cavalli, CIMI Brasilien

Für die Indigenen ebenso wie Spezialisten und Bischöfe aus dem Amazonasgebiet ist es nun, nach Monaten der Vorbereitung und des Austauschs, an der Zeit, im Rahmen der Versammlung auf die Situation in ihrer Heimat aufmerksam zu machen. Sie können ihren Blick auf die Welt teilen und ihre Stimmen erheben. 

Die Themenpalette, über die gesprochen wird, ist dabei groß. Integrale Ökologie und das Amazonasgebiet als „Lunge der Erde“ kommen ebenso zur Sprache wie innerkirchliche Strukturen. Teil dieser Gespräche und Diskussionen ist auch MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel. Als Gast und Experte hat er die Möglichkeit, der Synode beizuwohnen. MISEREOR ist deshalb in Rom vor Ort und hat einig Eindrücke, Positionen und Forderungen gesammelt:


Pirmin Spiegel, Hauptgeschäftsführer von MISEREOR

„Das Leiden von Menschen und Schöpfung im Amazonasgebiet ist Folge einer imperialen Lebensweise. Die Wirtschaft lagert die Folgen ihrer Produktion immer wieder an andere aus. Nicht nur nach Amazonien. Dieses Entwicklungsmodell stört jedoch das Gleichgewicht der Erde und festigt globale Ungleichheit. Es hat keine Zukunft und wir müssen unsere Lebensweise und unsere Vorstellung von Entwicklung überdenken.“

Pirmin Spiegel im Gespräch mit Elza Nâmnâdi Xerente aus Tocantins / Brasilien. Sie vertritt zehn indigene Völker in der Region auf Veranstaltungen am Rande der Synode. Foto: Monika Kohnen/MISEREOR

Ernestina Macuxi, Kazike (Anführerin) des indigenen Volksstamms der Macuxi aus Roraima, Brasilien

Wir sprechen von „Mutter Erde“. Dies bedeutet, dass wir unsere Erde auch achten und schützen müssen wie unsere Mutter. Wir dürfen sie nicht ausnutzen und ausrauben, sondern es ist unsere Pflicht, uns für sie einzusetzen und sie zu ehren.“

Kardinal Pedro Ricardo Barreto Jimeno, Erzbischof von Huancayo (Perú) und Vizepräsident von REPAM (Red Eclesial Panamazónica)

„Es geht darum, die Kirche zu ‚amazonisieren‘. Dort wie hier ist alles miteinander verbunden, es ist ein riesiger Kreislauf. Wir sitzen alle im selben Boot und ich habe das Gefühl, dass sich dieses Boot in Bewegung setzt. Langsam, aber es ist wie beim Amazonasfluss: Wenn es sich einmal in eine Richtung bewegt, ist eine Umkehr nicht mehr möglich.“

Kardinal Barreto Jimeno ist Erzbischof von Huancayo (Peru) und Vizepräsident von REPAM (Red Eclesial Panamazónica). Foto: Jana Echterhoff/MISEREOR

Dom Erwin Kräutler, emeritierter Bischof der Diözese Xingu, Brasilien

„Es gibt tausende kleinere Gemeinden, die nur ein- oder zweimal im Jahr die Eucharistie feiern. Das heißt an Weihnachten, an Ostern, zu Pfingsten oder am Patronatsfest ist nie ein Priester da. 95 Prozent der Menschen in Amazonien gehen von uns, ohne das letzte Sakrament zu erhalten. Das kann so nicht weitergehen. Es braucht neue Formen, die geschaffen werden müssen, wie beispielsweise das Weihepriestertum verheirateter Männer. Und die kleineren Gemeinden sind schon jetzt mehrheitlich, zu zwei Dritteln, von Frauen geleitet. Warum sollten die Frauen da nicht auch die Diakonatsweihe erhalten?“

Josianne Gauthier, Generalsekretärin von CIDSE, dem Zusammenschluss katholischer Organisationen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen

„Wir im Norden leben auf Kosten der Menschen im Amazonas. Als CIDSE möchten wir zeigen, wie hoch diese Kosten sind. Unsere Hauptaufgabe ist es somit, den Stimmen der Indigenen zuzuhören, um dann alles Mögliche zu tun, damit Taten folgen. Dazu gehört auch, dass wir daran mitwirken, die Forderungen der Indigenen an die Politik heranzutragen und so auch auf dieser Ebene Einfluss zu nehmen.“

Josianne Gauthier, Generalsekretärin von CIDSE, dem ZUsammenschluss katholischer Organisationen, die sich für Gerechtigkeit einsetzen, ist Teilnehmerin der Synode. Foto: Marta Isabel González Álvarez/CIDSE

Weiterführende Links

https://www.misereor.de/presse/pressemappe-amazonas-synode/

http://www.sinodoamazonico.va/content/sinodoamazonico/es.html

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Autor:

Jana Echterhoff volontiert in der Abteilung Kommunikation bei MISEREOR.

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