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Amazonas-Synode: Beispiel für Netzwerkarbeit um die „Sorge des gemeinsamen Hauses“

“Tudo está interligado como se fôssemos um tudo está interligado nesta casa comum”, so heißt es im portugiesischen Liedtext des brasilianischen Liedermachers Cireneu Kuhn. „Alles ist miteinander verbunden, als wären wir Eins, alles ist in diesem gemeinsamen Haus miteinander verbunden“. So, wie es der Refrain eines der am meisten gesungenen Lieder der Amazonien-Synode wiedergibt, so verdeutlichen auch die Synodenerfahrungen von Schwester Anne Béatrice Faye aus Senegal die untrennbare Verbundenheit der Wälder und Menschen miteinander:

Anne Béatrice Faye, Ordensfrau und Dozentin für Philosophie

Seit Anfang Oktober tagen über 280 Synodenteilnehmerinnen und-teilnehmer in Rom und diskutieren über Integrale Ökologie, die Ausbeutung von Menschen und Natur, die Stellung und Aufgabe der katholischen Kirche in Amazonien. Dazu zählen Auswirkungen durch postkoloniale Lebensweisen als auch Ämterfragen und Geschlechterrollen innerhalb der katholischen Kirche.

Doch nicht nur Amazonien rückt in den Fokus der Diskussionen. Auch Indonesien und das Kongobecken sind geprägt von Landraub und Vertreibung, agroindustriellen Großprojekten, Verschmutzung von Wasser, Land und Luft sowie von Ressourcenabbau durch Minen, Kahlschlag und Ölbohrungen. Die Folgen der Naturzerstörung sind dramatisch und gehen einher mit dem Verlust natürlicher Vielfalt und natürlichem Lebensraum für Menschen, Tiere und Pflanzen. Diese Waldregionen stehen also sehr ähnlichen Herausforderungen gegenüber wie Amazonien.

Anne Béatrice Faye, Ordensfrau und Dozentin für Philosophie, ist für die Synodenzeit von Misereor eingeladen worden, um den Prozess rund um die Amazonien-Synode persönlich zu erleben, Kontakte zu knüpfen und ihre Perspektive einzubringen. Sie baut dabei auf ihre Erfahrungen von 2009 auf. Damals war sie sogar selber in der zweiten afrikanischen Bischofsynode als Spezialistin eingeladen.

In einem Interview beschreibt sie ihre Erfahrungen mit der aktuellen Amazonien-Synode. Sehr bemerkenswert sind für sie die kontinuierlichen Veranstaltungen außerhalb der Kirchenversammlung, die gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern indigener Gemeinschaften sowie unterstützenden Organisationen wie Misereor und seinem Dachverband CIDSE, mit CIMI, REPAM u.v.m. stattfinden und auch von Synodenteilnehmenden besucht werden. Die Vernetzung untereinander hebt sie als sehr positiv hervor: „Es gibt einen Austausch, der für mich außergewöhnlich ist. Das ist im Stil der Kirche, die immer an der Seite der Menschen ist und sie begleitet. Diese Erfahrung ist fantastisch“.

Auch das afrikanische Netzwerk REBAC, welches 2015 in der Demokratischen Republik Kongo gegründet wurde, ist in Rom präsent, um die bestehende Vernetzung mit dem südamerikanischen Netzwerk REPAM zu vertiefen. Zudem kann REBAC so Erfahrungen und Ideen für das weitere Vorgehen in Afrika sammeln. Das Kongobecken ist nach dem Amazonasgebiet das zweitgrößte subtropische Waldgebiet der Erde und ebenfalls für das Klima sehr bedeutend.

Bischöfe aus dem afrikanischen  Netzwerk REBAC beim Treffen mit Partnern in Rom 

Die Enzyklika Laudato siʾ und daraus entstehende Dynamiken werden von REBAC als zeitgemäß und fortschrittlich eingeschätzt. Für Schwester Béatrice ergeben sich daraus Chancen, die den notwendigen Wandel hin zu einem nachhaltigen Lebensstil begünstigen. „Viele Menschen zeigen bereits, dass eine Besinnung zum bedachten Leben möglich ist, indem sie auf ihre Umwelt und Mitmenschen achten. Das zeigt für mich Christus und ist die Synode von heute.“ Ein einfaches Leben, im Sinne von überlegtem Konsum, wie es besonders die indigene Bevölkerung auf ihre Art vorlebt, kann daher ein Vorbild für wirtschaftlich starke Gesellschaften sein, um dem angestrebten Leitbild eines nachhaltigen und gerechteren Ressourcenverbrauchs entscheidend näherzukommen. Das Ende der Synode wird daher der Anstoß für neue Handlungen sein, um ein Leben in Balance mit der Mutter Erde weiter zu fördern.

Über die Autorin: Monika Kohnen begleitete für MISEREOR die Amazonas-Synode vor Ort in Rom. Sie studiert an der RWTH Aachen Theologie und Globale Entwicklung.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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