Suche
Suche Menü

Quo Vadis Südafrika ?

Ein halbes Jahr nach den Parlamentswahlen in Südafrika, die das Ende der Präsidentschaft Jacob Zumas bedeuteten, gibt es viele Themen zu diskutieren: Die Heilung der Nation durch Nelson Mandela während seiner Regierungszeit, die Verleugnung von HIV/AIDS durch Mandelas Nachfolger Thabo Mbeki sowie die kleptomanische Korruption von Jacob Zuma, der Südafrika in einer Art Geiselnahme des Staates („State Capture“)  verwandelte. Nicht zu vergessen die ungelöste Landfrage sowie die  notorisch xenophobischen Attacken afrikanischer Migranten durch marodierende Südafrikaner.

Désiré Nzisabira, Leiter der MISEREOR-Verbindungsstelle für südliches Afrika im Gespräch mit Denis Mukwege, Nobelpreisträger von 2018

Wie geht es dem Land
und wohin steuert es?

Schon die erste Begegnung mit dem MISEREOR Partner Fr. John Peter Pearson, Leiter des katholischen parlamentarischen Büros, offenbarte die Komplexität des Landes. Er berichtete von einem Land, das an seine Zukunft glauben will. Die gewonnene Rugby Weltmeisterschaft hat eine Symbolkraft, die es den Menschen leicht macht, wieder an Mandelas Bezeichnung „Regenbogennation“ glauben zu können. Die  Rugby Mannschaft soll einen Beleg dafür liefern, dass Südafrika die Rassentrennung längst überwunden hat. Aber eine genauere Betrachtung zeigt eine Nation, die ökonomisch und sozial nicht ungleicher sein könnte, politisch so gespalten wie nie zuvor. Der von der Demokratischen Allianz (DA) sehr öffentlich ausgetragene innerparteilicher Streit zeigt, dass die Vergangenheit des Landes längst noch nicht überwunden ist. Nach dem erzwungen Rücktritt des ersten schwarzen DA-Präsidenten Mmusi Maimane, ist DA wieder eine provinzielle (Western Cape) weiße Partei geworden. Der ANC bleibt fast ausschließlich eine Partei der schwarzen Südafrikaner, die Tiraden des EFF (Economic Freedom Fighters) gegen die weiße Bevölkerung sind kaum zu ertragen und für manche Weiße ist die DA nicht weiß genug und sie unterstützen deshalb eine rechtradikale Partei namens „Freedom Front Plus“.

Schlüssel zur Entwicklung:
Bildung und mehr Gerechtigkeit

Eine Diskussion über die Landfrage mit Professor Ruth Hall, einer Wissenschaftlerin der University of Western Cape, die den Präsidenten Cyrill Ramaphosa in dieser Frage berät, bestätigt, dass das Land sich seit 1994 kaum bewegt hat. Die überwiegende schwarze Mehrheit der Bevölkerung bleibt landlos und eine sehr kleine weiße Minderheit besitzt das meiste fruchtbare Land Südafrikas. Ruth Hall ist sich sicher: Nichts ist  schlimmer als ein „weiter so“, da der Status quo keine Zukunftsperspektive ist und die Gefahr, dass das friedliche Zusammenleben ein Ende hat, groß ist. Denn auch 25 Jahre nach dem Ende der Apartheid sind die ökonomischen Verhältnisse die gleichen geblieben. Laut südafrikanischen Statistikamt leben 49,2 % aller Erwachsenen unter der Armutsgrenze und 93 % aller Armen sind Schwarz.

Township in Südafrika

Ein Schlüssel zur Überwindung der krassen Gegensätze zwischen Arm und Reich ist die schulische und berufliche Bildung. Projekte wie die der Salesianer, die ein breites Bildungs- und Ausbildungsprogramm betreiben, bieten besonders benachteiligten Jugendlichen realistische Chancen, als Friseure und Friseurinnen, als Köche und Köchinnen oder als Schreinerinnen und Schreiner eine Arbeitsstelle zu finden. Auch eine Kooperation mit Porsche, die besonders talentierte Jugendliche aus dem Projekt einen Ausbildungsplatz anbietet, sind vielversprechende Konzepte.

Auch andere von MISEREOR unterstützte Projekte, wie das„Butterfly Art Project“, „Path onto Prosperity“ & „Care for our Planet“ sowie “Salesian Life Choices”, widmen sich besonders armen, benachteiligten oder traumatisierten Kinder aus den Townships. Sie bieten psychosoziale Unterstützung, Nachmittagsbetreuung, Nachhilfe, Computerkurse oder Hilfe bei Bewerbungen und Vorstellungsgsprächen. Im ländlichen Bereich geht es oft darum, Kinder armer Farmarbeiter aus dem Teufelskreis der Armut zu befreien und ihnen zu zeigen, welche Optionen es im Leben durch Bildung gibt.

Armut ist besiegbar

Allen diejenigen, die wir begegneten sind,  ist gemein, dass sie sich nicht mit der Ungerechtigkeit der südafrikanischen Gesellschaft abfinden wollen und für mehr Gerechtigkeit kämpfen. Denn: Armut ist  besiegbar ist und niemand darf dazu verurteilt sein, in Armut aufzuwachsen und zu sterben.

Am Rande dieser Reise hatte ich noch eine ganz besondere persönliche Begegnung mit Denis Mukwege, Nobelpreisträger von 2018, jemand der die Hoffnung von Opfern willkürlicher Gewalt personifiziert. Ich war zur ersten Vollversammlung von Human Rights Watch auf afrikanischen Boden eingeladen. In seiner Ansprache  formuliert er, wie er die Zukunft gerne sehen würde: „Man kann keine gute Zukunft auf Ungerechtigkeit und  Ungleichheit aufbauen. Politische, ökonomische und soziale Gerechtigkeit sowie Respekt vor den  Menschenrechten  sind das Fundament für die Zukunft Südafrikas, ganz Afrikas und überall auf der Welt. Die Tatsache, dass die US-Amerikanische NGO Human Rights Watch in aller Freiheit in Südafrika unter dem Motto „Stimmen der Gerechtigkeit“ tagen, ihre Stimme ungehindert auch gegen Regierende und anderen Mächtigen erheben konnte, zeigt, dass eine  Zukunft nach Vorstellung Denis Mukweges möglich ist.

Im November hat sich eine Gruppe der Gesellschaft Katholischer Publizisten (GKP) auf den Weg nach Südafrika gemacht, um einen Einblick in die gesellschaftliche, politische und soziale Situation zu bekommen und auch in von MISEREOR unterstützte Projekte. In zahlreichen Diskussionen wurden viele Eindrücke in das Leben der Südafrikaner 25 Jahren nach dem Ende des Apartheids gewonnen.

Über den Autor: Désiré Nzisabira leitet die MISEREOR-Verbindungsstelle für südliches Afrika

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

Schreibe einen Kommentar

Pflichtfelder sind mit * markiert.


Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.