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Flugobst in Zeiten des Klimawandels – „tut das wirklich Not“?

Wer kennt diese Situation nicht: Du stehst vor dem Supermarkt-Obstregal, „Toast Hawaii“ soll es geben, mit frischen Ananas. Doch wie klimarelevant ist eigentlich der Transport einer solchen Ananas? Welche Auswirkungen hat sogenanntes Flugobst auf den ökologischen Fußabdruck? Generell hat sich herumgesprochen, dass klimafreundliches Essen vor allem pflanzenbasiert ist, möglichst regional und bio sein sollte. Aber wie sieht es mit Obst und Gemüse aus? Gibt es da auch Unterschiede? Eine Studie des Instituts für Energie- und Umweltforschung in Heidelberg, Ifeu, liefert hierzu einige spannende Einsichten.

Ananas-Grafik wahre Kosten
Miese Klimabilanz: Wenn die Ananas geflogen kommt, erhöht sich ihr CO2-Fußabdruck im Vergleich zum Seeweg um den Faktor 25. © infotext berlin

So kommt bei einer Ananas, die aus Zentralamerika eingeflogen wird, 15,1 kg CO2 pro Kilogramm Ananas zustande. Wenn diese Frucht dagegen per Schiff transportiert wird, dann schlägt sie mit lediglich 0,6 kg zu Buche. Der Lufttransport erhöht den CO2-Fußabdruck demnach um den Faktor 25! Das finde ich sehr beeindruckend. Es lohnt sich auf jeden Fall, beim Einzelhändler Deines Vertrauens nachzufragen, ob die Ananas per Luftfracht kam oder nicht, denn dann kommen schnell so viel Treibhausgasemissionen zustande, wie sie auch für ein Kilo Rindfleisch anfallen.

Äpfel aus Neuseeland?

Ähnliche Fragen stellen sich beim Apfel. Momentan werden in den Supermärkten viele Äpfel aus Neuseeland, Argentinien oder Chile angeboten. Wie ist denn da die Klimabilanz? Für welche Apfelsorte sollte ich mich entscheiden, wenn es gerade keine mehr aus Deutschland gibt? Dazu ebenfalls ein paar Zahlen: Ein Apfel frisch aus der Ernte, in Bio-Qualität, kommt auf 200 g CO2 pro Kilogramm Apfel, im April durch die Kühlung, die dann nach der Ernte nötig ist, sind es bereits 400 g. Das ist aber immer noch nur die Hälfte an Emissionen eines Apfels, der auf dem Seeweg aus Neuseeland kommt – da wären wir dann schon bei 800 g.

Apfelernte regional
Äpfel aus Neuseeland, Argentinien oder Chile: Wie ist denn da die Klimabilanz?
© Ingo Jakubke / Pixabay

Verzicht auf Flugware

Also besser verzichten und auf frische heimische Äpfel warten. Einige Händler und Linien verzichten mittlerweile komplett auf Flugware, so dass man dort gar nicht mehr fragen muss. Bei anderen lohnt sich eine Nachfrage durchaus. Zwar wird weniger als ein Prozent aller in Deutschland angebotenen Lebensmittel eingeflogen, aber dies verursacht über zehn Prozent der Treibhausgasemissionen, die durch Transporte insgesamt entstehen – ein ziemlich großer Anteil.

Wichtige Einnahmequelle

Was mache ich jetzt also mit den Früchten, die längst nicht mehr als „exotisch“ bezeichnet werden können? Mango, Ananas oder Papaya verursachen – wenn sie mit dem Schiff transportiert werden – im Schnitt 600 g Co2 pro kg Frucht. Natürlich kann man auf tropische Früchte verzichten, aber sie sind einfach lecker. Außerdem kannst Du mit dem Einkauf dieser Früchte helfen, in Afrika, Asien oder Lateinamerika Menschen eine wichtige Einnahmequelle zu ermöglichen. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn die Früchte bio und fair angebaut wurden – und wenn sie mit dem Schiff transportiert wurden.

Mango-Frucht am Baum
Mango, Ananas oder Papaya verursachen durchschnittlich 600 g CO2 pro kg Frucht; eingeflogen steigt der Verbrauch auf über 15 kg CO2. © Bishnu Sarangi / Pixabay

„Tut das Not, dass die Ananas aus Zentralamerika hier eingeflogen wird“, sollten wir uns mit Meister Röhrich aus der Comicwelt von Werner Brösel rhetorisch fragen –und ein forsches „Nein“ hinterherschicken. Denn wenn wir klimafreundlich essen möchten, dann sollte es nicht nur möglichst pflanzenbasiert und bio sein, sondern auch regional und saisonal.

Autor:

Markus Wolter

Ich bin studierter Agrarwissenschaftler und selber Bioland-Landwirt mit Schwerpunkt Schweinehaltung gewesen. Bei MISEREOR arbeite ich zu den Themen Landwirtschaft, Agrarpolitik und Zugang zu natürlichen Ressourcen wie Land und Saatgut.

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