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„Laudato sí & me“: Kreative Botschaften vom digitalen Workshop des Freiwilligendienstes

Sommerlicher Freitagabend. Eine Schüssel voll selbstgemachtem Popcorn in der Hand. Ich logge mich gespannt in die Videokonferenz ein, um mit den anderen MISEREOR-Freiwilligen aus aller Welt die Filmpremiere unseres Workshops anzuschauen. Drei Tage lang haben wir uns virtuell über die Frage ausgetauscht, was die Umwelt-Enzyklika Laudato Si mit unserem persönlichen Leben zu tun hat. Gleichzeitig tauchten wir ganz praktisch in das Drehen und Schneiden von kurzen Filmen und Fotogeschichten ein. Auch wenn wir uns zur Zeit nicht persönlich treffen können – wir wollen uns trotzdem wiedersehen, austauschen, gemeinsam lernen und neue Ideen entwickeln.

20 junge Menschen aus Deutschland, Indien, Sambia, Malawi, Costa Rica und El Salvador trudelten am Mittwochnachmittag in die Videokonferenz ein. Wie schön, so viele bekannte und neue Gesichter zu sehen! Aber ich war auch skeptisch: Kann lebendiger Austausch, von dem unsere Rückkehrerinnen und Rückkehrer-Workshops sonst leben, über die vereinzelnden Kacheln auf dem Bildschirm gelingen?!

Die Befürchtung, nur passiv vor dem Laptop zu sitzen, konnte ich in den ersten 10 Minuten über Bord werfen. Erster Impuls: Gegenseitiges Kennenlernen – nicht in klassischen Vorstellungsrunden, sondern anhand von interaktiven Aufgaben. Finde in 30 Sekunden ein Kleidungsstück, mit dem du besondere Erinnerungen verbindest. Oder einen Gegenstand, den du mit auf eine Reise nehmen würdest. Was würdest du retten, wenn dein Haus brennt? Und schon fand ich mich aufgeregt durch mein Zimmer laufend wieder und merkte – diese Tage werden wohl alles andere als langweilig.

Besonders bereichernd sind die vielen Programm-Beiträge aus der Gruppe – in Form von Texten, Musikstücken, Bildern oder einer kurzen Salsa-Tanzstunde, um neue Energie zu tanken.

Was ist eigentlich Laudato Si?

Eine Schrift von Papst Franziskus, die vor 5 Jahren erschienen ist und alle Menschen dazu einlädt, sich um die Erde und ihre Menschen zu kümmern. Der Papst schreibt dabei erstmals nicht nur an Katholikinnen und Katholiken, sondern an alle, die auf der Erde leben – weil es unser gemeinsames Zuhause ist. Hauptaussage dieser Schrift ist, dass der Kampf gegen weltweite Armut und Umweltzerstörung untrennbar zusammengehören. Mit diesen Themen sind wir alle im Freiwilligendienst auf unterschiedliche Weisen in Berührung gekommen.

Daher brennt uns immer wieder die Frage auf der Seele: Wie will ich leben? Wie kann ich mein Leben nach den Erfahrungen und Begegnungen im Freiwilligendienst verändern?

Wie können die Forderungen von Papst Franziskus umgesetzt werden?

Fest steht: Es geht um Wandel! Am ersten Workshop-Tag hatten wir virtuellen Besuch aus Brüssel von Giorgio von „Change for the planet – Care for the people“. Das ist eine gemeinsame Initiative der CIDSE-Mitgliedsorganisationen (Coopération Internationale pour le Développement et la Solidarité), zu denen auch MISEREOR gehört. Giorgio gab einen persönlichen Input, was Veränderung während der Corona-Pandemie und im Sinne von Laudato Si bedeutet.

Wir überlegten uns, wann wir in unserem eigenen Leben Momente der Veränderung verorten würden und was diesen Wandel auf persönlicher Ebene ausgemacht hat. Während der Corona-Pandemie hat sich vieles drastisch verändert. Wir haben undenkbar geglaubte Zeichen von Solidarität und Tatkraft erlebt. Und dazu braucht es keine Superhelden, sondern normale Menschen wie uns alle. Inspiriert durch das Zitat: „Start by doing what’s necessary; then do what’s possible; and suddenly you realize that you are already doing what you thought was impossible.“

Steigen wir tiefer ins Thema „Laudato Si“ ein. Die größte Herausforderung, mit der wir konfrontiert sind, ist die Klimakrise. Sie betrifft uns alle, aber es sind die ärmsten Gemeinschaften, die am stärksten darunter leiden. Umdenken ist kaum in Sicht. Zerstörung und Verschwendung gehen weiter, als würden wir die Erde beherrschen – statt sie als das Wunder wahrzunehmen, das uns gemeinsam geschenkt ist. Wir verlieren die Fähigkeiten der Empathie, tiefe Beziehungen einzugehen, tief zu denken und werden unzufrieden.

Dabei sollten wir die Umwelt und unsere Zukunft als gemeinsames Gut betrachten, die allen gehört und für die wir alle verantwortlich sind. In Harmonie leben, uns gegenseitig zuhören, für die Natur sorgen und verantwortungsbewusst handeln und konsumieren. Ein wichtiges Symbol für diese Lebenseinstellung wurde für uns die Spirale eines Schneckenhauses. Sie zeigt: Alles ist verbunden und erneuert sich. Das Leben ist immer in Bewegung. Die Spirale steht für diesen Weg und Veränderung.

Eine gute Balance zu den theoretischen MISEREOR-Inputs bildete die praktische Arbeit mit Filmen. Lisa und Mirjam, zwei Filmemacherinnen aus Köln, führten uns in die Methode der partizipativen Video-Arbeit ein. Schritt für Schritt zeigten sie uns, wie wir kurze Filme und Photostories schneiden und bearbeiten können. Damit haben wir ein großartiges neues Werkzeug kennengelernt, um Botschaften wirkungsvoll zu übermitteln – besonders auf Social Media. Ich war wirklich überrascht, wie einfach und schnell wir eigene kleine Filme bearbeiten konnten. Wow, was für Ergebnisse in so kurzer Zeit!

Thema wählen, Fotos schießen, Reihenfolge festlegen, Text einfügen, mit Musik untermalen – in wenigen Schritten sind motivierende kurze Photostories entstanden. Wo kommt mein Essen her? Wie bin ich mobil? Woher kommt meine Kleidung? Wie nutze ich Social Media? Wie kann ich gebrauchten Dingen ein neues Leben geben?

Letztlich drehten sich alle Filme um die Frage – welche Entscheidungen treffe ich und wie beeinflusse ich damit meine Mitmenschen und die Welt um mich herum?

In einem „Selfievideo“ haben wir unsere Visionen für die Erde als unser gemeinsames Haus in 25 Jahren gefilmt und welche Rolle wir selbst darin spielen. Hier könnt ihr euch das Ergebnis anschauen:

Wie fängt man an, für Visionen und einen systemischen Wandel einzutreten? Mit konkreten Schritten! Wir nahmen uns Zeit, den Fokus auf die nahe Zukunft zu legen – jede und jeder für sich persönlich und dann in bereichernden Zweiergesprächen. Welche Schritte kann ich in den nächsten Wochen, Monaten und Jahren angehen? Die Vorhaben sind vielfältig. Wir möchten uns zum Beispiel weiterbilden, politisch aktiv werden, vegetarisch oder vegan leben, secondhand Kleidung kaufen, versuchen, eigene Lebensmittel anzubauen, mehr auf unsere Mitmenschen achten und bewusst dankbar sein. Schritt für Schritt setzen wir uns Ziele, unseren eigenen Lebensstil zu verändern und finden Möglichkeiten, mutig unsere Stimmen für mehr Solidarität zu nutzen. Wir sehen die Schritte zu einem nachhaltigeren Leben nicht als einschränkende Verzichte, die wir uns aus schlechtem Gewissen auferlegt haben. Sondern wir sind gespannt auf die Veränderungen, freuen uns darauf, auszuprobieren, mitzugestalten. Trotzdem begegnen uns immer wieder Ratlosigkeit und Zweifel. Die Dringlichkeit und Bedrohlichkeit der Krisen, die Ungerechtigkeiten und unsere eigenen Anteile daran, hinterlassen oft ein Gefühl der Ohnmacht. Resignation und Gleichgültigkeit scheinen der einfachere Weg zu sein. Auch im Alltagstrott lässt die Motivation immer wieder nach. Was hilft uns, an unseren Vorhaben dran zu bleiben? Ich bin überzeugt davon, dass es genau der Austausch wie in diesem Workshop ist, der dabei hilft. Bei den Rückkehrertreffen, die wir Rückitreffen nennen, bekomme ich immer das besondere Gefühl, nicht alleine zu sein und inspiriert mit zahlreichen Ideen zurück in meinen Alltag kehren zu können. Gespeist von unseren Erfahrungen im Freiwilligendienst geht es nun gemeinsam weiter. Das gibt Hoffnung und Mut.

Über die Autorin: Madita Teusen hat ihren Freiwilligendienst bei einer MISEREOR-Partnerorganisation absolviert und engagiert sich nun im Rückkehrer-Programm.


Freiwilligendienst mit MISEREOR

Wir bieten jungen Menschen einen zehnmonatigen Lerndienst bei erfahrenen Partnerorganisationen in Afrika, Asien oder Lateinamerika.

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Autor:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

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