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Über Corona, Caritas und die europäische Kultur: Süd-Nord-Freiwillige Lawrent und Wesley beenden ihr Jahr in Deutschland

„Ich möchte die Erfahrungen, die ich in Deutschland – gerade während der Corona-Pandemie – gesammelt habe, Zuhause weitergeben“, wünscht sich Lawrent Mbemba. Nach einem Jahr in Köln geht es für den 26-jährige Malawier, genauso wie für den 25-jährigen Wesley Mufinda aus Sambia nun zurück in die Heimat. Im Gepäck haben sie nicht nur allerlei Andenken, sondern viele Erfahrungen, die sie machen durften und – so viel steht für die beiden Süd-Nord-Freiwilligen fest – nun Zuhause teilen möchten. Über das „weltwärts“-Programm kamen sie nach Deutschland, arbeiteten bei der Caritas in Köln in einem Jugendcafé für Geflüchtete sowie in der offenen Kinder- und Jugendarbeit  – vor und während der Pandemie. Als im März das Coronavirus Deutschland erreichte, galt es auch für sie, sich auf neue, ungewöhnliche Verhältnisse einzustellen. Wie haben sie ihre Zeit hier erlebt? Welche Eindrücke und Erfahrungen nehmen sie mit? MISEREOR hat mit Ihnen kurz vor ihrer Rückreise gesprochen.

Die Süd-Nordfreiwilligen des Jahrgangs 2019/20 mit MISEREOR-Geschäftsführer Thomas Antkowiak

Ein Jahr lang habt ihr nun in Deutschland gelebt und gearbeitet. Welche Eindrücke nehmt ihr mit? Was habt ihr gelernt?

Wesley: Ich konnte hier in Deutschland viele verschiedene Menschen kennenlernen, anderes Wetter, anderes Essen und – natürlich – den kölschen Karneval. Es war auch sehr spannend zu sehen, wie Dinge in Deutschland funktionieren. Ich fand beispielsweise die Art des Zusammenarbeitens im Team und die flachen Hierarchien in meiner Einsatzstelle überraschend. Beeindruckt hat mich, wie die Kollegen bei der Caritas versuchen, Kulturen aus Süd und Nord hier zu integrieren. Es waren viele interessante Eindrücke.

Lawrent: Ich kann mich dem anschließen. Natürlich gab es auch ein paar Unterschiede zwischen Malawi und Deutschland. Erstaunt hat mich die Art und Weise, wie Religion gelebt wird: In Malawi sind die Kirchen meistens voll, die Gottesdienste dort werden lebendig und bunt gestaltet. Es wird viel gesungen und getanzt. Hier finden eher ruhigere, besinnlichere Messen statt und es kommen weniger Menschen. Ich habe direkt neben einer Kirche gewohnt in Köln, sonntags war ich mit ein paar älteren Menschen oft allein in der Messe. Meine Zeit hier habe ich sehr genossen. In Deutschland ist vieles sehr organisiert, zum Beispiel der öffentliche Nahverkehr. Es war so einfach, von A nach B zu kommen! Das war im Alltag sehr praktisch und ich habe mich schnell dran gewöhnt.

2020 ist ja bislang kein gewöhnliches Jahr gewesen – seit März ist der Alltag geprägt von der Corona-Pandemie. Wie hat sie euren Alltag verändert? Wie war bzw. ist es für euch, während der Corona-Pandemie in Deutschland, weit weg von der Familie zu sein?

Wesley: Durch die Pandemie finden natürlich deutlich weniger Veranstaltungen statt und auch unsere Arbeitszeit hat sich reduziert, da weniger Personen gleichzeitig vor Ort in unserer Einrichtung sein dürfen. Aber wir haben uns an das „neue Normal“ angepasst: Masken aufzusetzen, die Hände zu desinfizieren, öffentliche Plätze zu meiden, Distanz zu wahren, sind nun Bestandteile des täglichen Lebens. Ich habe mich dran gewöhnt, freue mich aber gleichzeitig darauf, zu meiner Familie nach Sambia zurückkehren zu können. Sie möchten natürlich immer wissen, ob es mir gutgeht.

Lawrent: Ich war es gewöhnt rauszugehen, Freunde zu treffen, zur Arbeit zu gehen. Mit dem Lockdown hat sich das komplett geändert. Ich konnte nicht mehr als zwei Leute gleichzeitig sehen, musste in meinem Wohnheimzimmer bleiben. Auch zur Kirche konnte ich nicht, wo ich zuvor regelmäßig war. Zum Glück war es möglich, über Social Media Gottesdiensten zu folgen. Auf der Arbeit hat sich natürlich auch alles geändert. Die Anzahl der Mitarbeitenden vor Ort wurde reduziert, wir wurden in Kleinteams aufgeteilt und konnten uns nicht mehr sehen, wie wir es gewöhnt waren.

Wie geht es jetzt für euch weiter?

Lawrent: Bevor wir zurückfliegen, machen wir einen Corona-Test. Nach unserer Rückkehr stehen dann zwei Wochen Quarantäne auf dem Plan. Wie es danach weitergeht, weiß ich tatsächlich noch gar nicht so genau. Fest steht für mich jedoch, dass ich im vergangenen Jahr viele Erfahrungen sammeln konnte, die ich gerne mit den Jugendlichen der Diözese Karonga teilen möchte. Zum Beispiel dass Frauen die gleichen Rechte haben wie Männer. Das habe während meiner Zeit in Deutschland gelernt: Frauen machen die gleichen Jobs wie Männer, sie können auch Chef sein und Verantwortung übernehmen. Die Diözese hat mich hierhin geschickt, weshalb es mir ein Anliegen ist, etwas zurückzugeben und andere teilhaben zu lassen an meinen Erlebnissen. Wie genau diese Arbeit aussehen wird, wird sich zeigen. Ich hoffe sehr, dass ich auch im Gesundheitssektor der Diözese aktiv werden kann: Ich habe in Malawi Medizin studiert und würde mich freuen, die Erlebnisse in Deutschland – gerade während der Corona-Pandemie – dort nutzen und weitergeben zu können. Wie funktioniert das Gesundheitssystem hier? Welche Maßnahmen wurden hier ergriffen? Was wurde beachtet? Ich fände es sehr schön, wenn in meiner Heimat die Menschen von meinen Erfahrungen in Deutschland ein wenig profitieren könnten.

Wesley: Ich arbeite für das Radio unserer Diözese und möchte diese Arbeit auch fortführen, mit der Jugend kommunizieren. Ich denke, dass wir sie so gut erreichen und sie etwas lernen können – besonders während der Pandemie ist das wirklich wichtig. Die Arbeit mit der Caritas hier war darüber hinaus eine gute Möglichkeit, weil ich viel über die Organisation gelernt habe, darüber, wie sie hier in Deutschland ihre Anfänge genommen hat, wie sie der „soziale Flügel“ der katholischen Kirche ist und sich für soziale Gerechtigkeit einsetzt. Ich würde gerne auch in Sambia mit der Caritas arbeiten. Bevor ich nach Deutschland gekommen bin, sind ihre Mitarbeitenden nur hin und wieder für Interviews vorbeigekommen. Ich habe nun einen tieferen Einblick in die Strukturen der Organisation bekommen. Das möchte ich nutzen und auch Zuhause diese wichtige Arbeit unterstützen, denn auch dort steht die Organisation zum Beispiel auf politischer Ebene für soziale Gerechtigkeit ein.

Neben Lawrent Mbemba und Wesley Mufinda absolvieren derzeit auch Mirna Calles aus El Salvador und Maria Alfaro aus Costa Rica einen Freiwilligendienst mit MISEREOR bei der Caritas in Köln. Sie bleiben noch bis Dezember in Deutschland. Über ihre Erfahrungen und Erlebnisse in Deutschland wird hier weiterhin berichtet.


Freiwilligendienst mit MISEREOR

MISEREOR bietet jungen Menschen einen zehnmonatigen Lerndienst bei erfahrenen Partnerorganisationen in Afrika, Asien oder Lateinamerika.

Mehr lesen auf www.misereor.de/freiwilligendienst

Autor:

Jana Echterhoff volontiert in der Abteilung Kommunikation bei MISEREOR.

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