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„Soforthilfe und Evakuierung von Moria – jetzt!“ Offener Brief an Kanzlerin Merkel

In einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin fordert MISEREOR – gemeinsam mit zehn weiteren deutschen Hilfsorganisationen – Bundeskanzlerin Merkel zu Soforthilfe und einer Evakuierung des griechischen Flüchtlingslagers Moria auf. Es werde ein konzertierter europäischer Rettungsplan benötigt. Dieser umfasse auch „die sofortige Evakuierung der Flüchtlinge und die Aufnahme der Menschen in Deutschland und anderen europäischen Staaten.“

Geflüchtete des Lagers Moria nach dem Brand
Eine Frau mit ihren Kindern sitzt am Rande einer Straße in der Nähe des ausgebrannten Flüchtlingslagers Moria. Mehrere Brände haben das Lager fast vollständig zerstört. © Picture Alliance

Der Brand in Europas größtem Flüchtlingslager Moria auf der Insel Lesbos am vergangenen Mittwoch ist eine Tragödie. Die beschämende Situation in dem Lager und die Brandkatastrophe sind als direktes Ergebnis einer verfehlten europäischen Flüchtlingspolitik zu betrachten. Den betroffenen Menschen muss sofort geholfen werden. In ihrem Aufruf erhebt das Bündnis drei zentrale Forderungen:

  1. Katastrophenhilfe: Die Erstversorgung der verzweifelten Schutzsuchenden muss gewährleistet werden, indem der Katastrophenschutz aktiviert wird. Über diesen können die Menschen mit Obdach, Essen und Medikamenten versorgt werden. In diesem Zusammenhang wird lobend hervorgehoben, dass die deutsche Bundesregierung Griechenland ihre Unterstützung angeboten hat. Jedoch reichten Katastrophenschutzmaßnahmen bei weitem nicht aus.
  2. Sofortige Evakuierung: Die humanitären Zustände in Moria waren schon vor den Bränden prekär. Eigentlich hätten diese allein ausreichen müssen, das Lager aufzulösen. Die dramatische Zuspitzung auf Lesbos zeigt nun, dass die Schutzsuchenden unbedingt evakuiert werden müssen. Ad-hoc-Maßnahmen wie der „Transfer von 400 unbegleiteten Minderjährigen auf das griechische Festland“ können nur eine Minimallösung sein; die Aufnahme in anderen europäischen Ländern hingegen stellt hier eine dauerhafte Lösung dar. Die Bestrebungen deutscher Bundesländer und hunderter Kommunen zur freiwilligen Aufnahme von Geflüchteten dürfen nicht weiter blockiert werden. Sie müssen unterstützt und ausgebaut werden. Der Verweis auf eine europäische Lösung darf nicht dazu führen, dass deutsches Handeln verzögert wird.
  3. Eine andere Flüchtlingspolitik: Nach dem Brand von Moria ist festzuhalten, dass es ein „Weiter so“ in der europäischen Flüchtlingspolitik nicht geben kann. Es ist keine Option, Schutzsuchende an den Außengrenzen Europas festzuhalten. Das Bündnis fordert, über die deutsche Ratspräsidentschaft „den notwendigen Paradigmenwechsel in der Flüchtlingspolitik einzuleiten.“
Geflüchtete nach Brand des Lagers Moria

Das Bündnis hebt in seinem Offenen Brief zudem hervor, dass im Lager Moria vor der Katastrophe über zwölftausend Menschen lebten, etwa das Fünffache der offiziellen Kapazität. Mit der Corona-Pandemie wurden sie ab Mitte März 2020 völlig isoliert. Zu den unterzeichnenden Hilfsorganisationen gehören neben MISEREOR auch Pro Asyl, Diakonie Deutschland, Caritas, Ärzte ohne Grenzen, Brot für die Welt, Medico International, terre des hommes, Amnesty International, Neue Richtervereinigung sowie der Jesuiten-Flüchtlingsdienst Deutschland.

Weitere Informationen

MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Pirmin Spiegel zur Debatte nach dem Brand im griechischen Flüchtlingslager Moria.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Der Brand in Moria ist möglicherweise Folge eines Verbrechens. Soweit mir bekannt, ist keiner der Flüchtenden zu Tode gekommen. Es gibt also größere „Tragödien“. Im März 2020 waren in Moria 20.000 Menschen, vor dem Brand waren es 13.000. Mehr als ein Drittel der Lagerbewohner ist also zwischenzeitlich schon besser untergebracht worden. Auch in Zukunft wird man nicht in einem geordneten Verfahren die Situation aller gleichzeitig verbessern können. Deshalb sind alle alarmistischen „Weckrufe“ unangebracht, die ausgerechnet Deutschland und die EU aschlecht machen wollen, wo ja doch wenigstens etwas geschieht.

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