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MISEREOR global: Verbindungsstelle Brasilien

In kurzen Selbstporträts stellen wir Menschen vor, die für MISEREOR in den Dialog- und Verbindungsstellen vor Ort den partnerschaftlichen Dialog pflegen und konkret Hilfestellung leisten, wenn es darauf ankommt. Wer sind die Gesichter hinter den Verbindungsstellen? Welche Arbeitsschwerpunkte haben sie? In diesem Beitrag stellt sich Stefan Kramer vor, der die Dialog- und Verbindungsstelle in Brasilien leitet.

Stefan Kramer MISEREOR Dialog- und Verbindungsstelle Brasilien
Stefan Kramer leitet seit 2015 die Dialog- und Verbindungsstelle in Brasilien; sie ist der brasilianischen Bischofskonferenz in Brasília angeschlossen. © DVS Brasilien

Es war meine erste große Reise als Achtzehnjähriger über Land nach Indien und die damaligen prägenden Erlebnisse, die in mir den Wunsch erweckten, in der Entwicklungszusammenarbeit tätig zu werden. Nach einem Studium der internationalen Agrarwirtschaft an der Uni Kassel führte mich mein Weg zunächst nach Nepal. Es folgte ein Aufbaustudium in Agroforstwirtschaft, bevor ich mich in die entgegengesetzte Richtung aufmachte und nach Brasilien ging. Dass schließlich ich nicht in Asien, sondern in Südamerika beruflich Wurzeln schlagen würde, hätte ich mir damals nicht träumen lassen. Zunächst arbeitete ich fünfzehn Jahre lang im Südosten von Brasilien, danach in der Dominikanischen Republik und schließlich im Amazonasgebiet mit kleinbäuerlichen Familien, Verbänden und Kooperativen zu Themen wie Agroforstwirtschaft, partizipative Organisationsentwicklung sowie Verarbeitung und Vermarktung von Regenwaldprodukten.

Die Verbindungsstelle Brasilien

Meine aktuelle Tätigkeit als Dialog- und Verbindungsstellenleiter in Brasilien begann im Herbst 2015. Die Stelle ist der brasilianischen Bischofskonferenz angeschlossen, mit Sitz in Brasília. Das Aufgabenprofil machte es erforderlich, mich mit einer Vielfalt an neuen Themen und Herausforderungen auseinanderzusetzen: Menschenrechtsfragen, Stärkung und Schutz traditioneller Gemeinschaften und vulnerabler Gruppen, Problemstellungen im städtischen Raum, in der Bergbau- und Staudammthematik und im Kontext des Klimawandels.

Aus der Zusammenarbeit mit Menschen, die sich selbstlos für ein besseres Leben Anderer, für Gerechtigkeit und den sozio-ökologischen Wandel einsetzen, schöpfe ich selbst nach 25 Jahren in der Entwicklungszusammenarbeit immer wieder Motivation und Hoffnung.

Stefan kramer, DVS Brasilien

Schwerpunkte meiner DVS-Arbeit

Im Zentrum meiner Arbeit stehen der Dialog und die Verbindung mit den Menschen in Brasilien. Dazu zählen die etwa 180 Partnerorganisationen im Land genauso wie die Zielgruppen, Basisbewegungen und Nichtregierungsorganisationen sowie thematische und regionale Netzwerke. Ein wichtiger Bestandteil meiner Aufgaben ist auch die Berichterstattung und der Austausch mit den Mitarbeitenden in der Geschäftsstelle in Aachen. Darüber hinaus stehe ich in engem Kontakt mit anderen Akteurinnen und Akteuren der deutschen staatlichen Entwicklungszusammenarbeit und internationaler Hilfswerke. Außerdem zählt zu meinen Aufgaben auch die Zusammenarbeit mit deutschen Medienvertretern und -vertreterinnen.

Eine besondere Rolle kommt mir beim Engagement von Misereor in der Amazonasregion zu. Dieses umfasst die Identifizierung neuer Partnerorganisationen in der Region, den Dialog und die Zusammenarbeit mit Netzwerken zur Verteidigung von Menschenrechten und zum Schutz des Amazonaswaldes. Ferner gehören zu meiner Arbeit der Kontaktaufbau und die engere Zusammenarbeit mit indigenen Organisationen und Quilombolas (afrobrasilianische Gemeinden) zur Verteidigung ihrer Autonomierechte und zur Bewahrung ihrer Ernährungssouveränität.

Stefan Kramer Dialog- und Verbindungsstelle Brasilien bei OPAN
„Es sind die Begegnungen, das Zusammensein mit den Menschen – auch wenn uns das Corona-Virus einiges auferlegt hat – und das gemeinsame Planen, Handeln und Lernen, was mir Freude und Kraft gibt.“

Problemlagen in Brasilien

Brasilien hat derzeit mit gravierenden wirtschaftlichen, ökologischen, und sozialen Problemen zu kämpfen. An vorderster Front steht die COVID-19-Pandemie – Brasilien gehört zu den globalen Hot Spots – mit der aus ihr resultierenden erzwungenen sozialen Distanz. Und die Bolsonaro-Regierung nutzt die aktuelle Lage skrupellos für ihre Zwecke aus. So macht sie sich weiter ungeniert über den Regenwald und die darin lebenden Menschen her. Bei alledem schmerzt die eigene Ohnmacht, aus der Distanz kaum etwas dagegen tun zu können.

Meine Motivation

Es sind die Begegnungen, das Zusammensein mit den Menschen – auch wenn uns das Corona-Virus einiges auferlegt hat – und das gemeinsame Planen, Handeln und Lernen, was mir Freude und Kraft gibt. Aus der Zusammenarbeit mit Menschen, die sich selbstlos für ein besseres Leben Anderer, für Gerechtigkeit und für den sozioökologischen Wandel einsetzen, schöpfe ich selbst nach 25 Jahren Entwicklungszusammenarbeit Motivation und Hoffnung. Was mich berührt: das beschämende Gefühl, wenn mir eine Bauernfamilie zum Mittagessen eines ihrer letzten Hühner kocht, wobei ich doch Vegetarier bin; die Offenheit und Neugier der Kinder, wenn ich ein Haus betrete; das Lachen mit Kolleginnen  und Kollegen bei einem Feldbesuch, wenn man mit Dreck beschmiert den Geländewagen aus dem Schlamm schiebt; die Tränen, die sich hinter dem Lächeln verstecken, wenn es zum -zigsten Mal heißt, sich von liebgewonnenen Freunden zu verabschieden, und die Dankbarkeit, wenn man etwas richtig gemacht hat und helfen konnte.

Autor:

Stefan Kramer

Stefan Kramer leitet die MISEREOR Dialog- und Verbindungsstelle in Brasilia/Brasilien.

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