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„Endlich wieder Schule!“ Syrische Flüchtlingskinder im Libanon

Die Freude ist groß im Libanon. Denn die Zahl der Corona-Infektionen sinkt. Nach mehreren Monaten Lockdown dürfen die Schulen im Libanon wieder öffnen – mit Abstand, Masken und viel Freude bei den Kindern und Eltern. Insbesondere für die syrischen Flüchtlingskinder bedeutet die Wiedereröffnung der Schulen ein Stück mehr Teilhabe und Zugehörigkeit.

Libanon Geflüchtete Corona Schulöffnung
Kinder der Fratelli-Schule verfolgen eine Theateraufführung. © Karin Uckrow

Schulprogramme für Flüchtlingskinder

Im März 2020 hatte das Bildungsministerium verkündet, alle Schulen und Universitäten im Libanon bis auf Weiteres zu schließen. Zwischendurch öffneten die Schulen nur für wenige Wochen. Das vergangene Jahr war für alle Schülerinnen und Schüler weltweit sehr schwer. Doch für die syrischen Flüchtlingskinder im Libanon war der Wechsel in den Distanzunterricht besonders herausfordernd. Nur wenige syrische Familien verfügen über eine konstante Internetverbindung oder über einen Computer. Oft gibt es nur ein Smartphone in der Familie. Unterricht per Zoom oder Skype war somit nicht möglich. Die von MISEREOR unterstützen Schulprogramme für syrische Kinder nutzen ganz pragmatisch WhatsApp-Videos, Sprachnachrichten und Fotos für den Unterricht. Zusätzlich wurden Arbeitshefte erstellt und monatlich an die Kinder verteilt.

Online-Unterricht in Flüchtlingslager?

„Für alle Lehrkräfte war es eine große Herausforderung, den Unterricht umzustellen“, berichtet Heba von der MISEREOR-Partnerorganisation Jesuit Refugee Service (JRS). „Sie waren überhaupt nicht vorbereitet und nicht jeder Lehrer verfügt über einen Laptop. Wir haben Fortbildungen für Fernunterricht angeboten und vor allem haben sich die Lehrkräfte selbst organisiert und voneinander gelernt. Im Rückblick sind alle Kolleginnen und Kollegen stolz, die neuen Herausforderungen gemeistert und viel dazugelernt zu haben.“ Aber auch wenn das Erstellen von Videos und das zusätzliche Lernen mit Arbeitsblättern über die letzten Monate immer besser wurden, so ist doch offensichtlich, dass die syrischen Flüchtlingskinder während der letzten Monate überdurchschnittlich benachteiligt waren.

Libanon Fratelli Schule Corona
Abstand und regelmäßige Händedesinfektion gehören auch an der Fratelli-Schule zum Alltag. © Karin Uckrow

Viele Familien wohnen in Zelten oder Sammelunterkünften, in denen ein ruhiges und konzentriertes Lernen unmöglich ist. So konnten nicht alle Kinder täglich die Schulvideos anschauen. Die Eltern können ihre Kinder häufig nicht bei den Hausaufgaben unterstützen, da die meisten Fächer im Libanon auf Englisch oder Französisch unterrichtet werden – ein bedeutender Unterschied zum syrischen Schulsystem.

Endlich Schule – mit Abstand und Masken

Nach mehreren Monaten dürfen nun Vor- und Grundschule wieder öffnen. Und die Freude ist groß bei den Kindern wie bei den Lehrerinnen und Lehrern: Endlich wieder in Schule! Auch im Libanon gilt, dass nur die Hälfte der Kinder pro Klasse in die Schule darf und es strenge Abstands- sowie Hygieneregeln zu beachten gilt. Die Schule von Fratelli bietet Kindergarten und Vorschulprogramme für syrische Kinder an. Der Besuch eines Vorschulprogramms ist im Libanon verpflichtend, um an einer Grundschule angenommen zu werden. Außerdem bietet Fratelli für Kinder und Jugendliche, die jahrelang keine Schule besuchen konnten, verschiedene Kurse an, damit sie den versäumten Stoff nachholen können und den Wechsel auf eine öffentliche Schule schaffen.

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An der JRS-Schule in Baalbeck werden Lehrvideos für die Kinder erstellt und per WhatsApp verschickt. © Karin Uckrow

Nur jedes 2. Flüchtlingskind geht in die Schule

Nach Angaben von UNICEF besuchen noch immer weniger als 50 Prozent der syrischen Kinder im schulfähigen Alter im Libanon die Schule. Die Gründe hierfür sind vielfältig: Manche Eltern können die Kosten für den Schultransport und Schulmaterialien nicht zahlen oder die Kinder und Jugendlichen müssen arbeiten, um zum Lebensunterhalt der Familie beizutragen. Wenn der Schulweg weit ist, spielen auch Sicherheitsbedenken eine Rolle. Aufgrund des seit 2011 anhaltenden Bürgerkriegs in Syrien haben syrische Kinder oft jahrelang keine Schule besucht und sie müssen dann spezielle Schulklassen besuchen, um den versäumten Schulstoff nachzuholen.

Autorin: Karin Uckrow leitet die Dialog- und Verbindungsstelle von MISEREOR im Libanon.

Geschrieben von:

Gast-Autorinnen und -Autoren im MISEREOR-Blog.

1 Kommentar Schreibe einen Kommentar

  1. Hi Karin, vielen Dank für die Zusendung des Artikels. Deine Umschreibung der Situation von Flüchtlingskindern, deren Familien sowie der zuständigen Lehrkräfte im Zusammenhang mit
    Schule und Corona im Libanon ist sehr anschaulich und läßt Deine Nähe zum Geschehen spüren.
    Auch die aussagekräftigen Fotos sind Dir gelungen. Dickes LOB!

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