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Kongo: Zwischen Hoffnung und Ernüchterung

Am 21. November 2022 sollten „Friedensverhandlungen“ für die Dauerkonfliktregion im Osten der Demokratischen Republik Kongo beginnen, denn erneut fliehen Hunderttausende vor den Aggressionen der mutmaßlich aus Rwanda unterstützten Miliz M23. Deutschland sollte deutlich aktiver als bisher an einer Befriedung der Region mitarbeiten.

Vertriebenenlager im Kongo
Vertriebenenlager im Kongo © Isolde Böttger

Es gibt hier Frauen, die heißen „Heureuse“ (die Fröhliche), Männer mit Namen wie „Pacifique“, oder „Patient“. Namen, die Programm sind für ein Land in der Dauerkrise. Der Regen lässt allmählich nach an diesem frühen Morgen und der Himmel klart auf über dem Kivu-See im Osten der Demokratischen Republik Kongo. Wolkenschleier heben sich wie ein schwerer Vorhang, der den Blick frei gibt auf die Schatten der Hügelketten. Einsetzende Vogelstimmen lassen hoffen auf einen klaren Tag nach dem Dauerregen in der Nacht.

Die Glut ungelöster Konflikte

So tiefgreifend sei die Krise, dass Moral und Anstand nur mehr leere Worthülsen sind. So beschreibt es der Leiter einer Misereor-Partnerorganisationen in Bukavu.

Die Präsidenten Mobutu – Kabila – Tshisekedi – und dann? Drohen zersetzende Kräfte das Land auseinander zu dividieren? Der Hunger nach den reichen Bodenschätzen im Osten des Landes entfacht immer wieder die Glut ungelöster Konflikte der vergangenen Kongo-Kriege. Dass sich die Kämpfe vor allem nördlich von Goma nicht zum Flächenbrand ausweiten, ist das Gebot der Stunde.

In der Medienlupe, die auf die Ukraine, Russland, Energiesicherheit und Klimakollaps fokussiert, ist kein Platz für den Kongo. Bis zu hunderttausend Flüchtlinge in der Region Nord Kivu sind höchstens eine Schlagzeile wert.

Noch kann Deutschland seinen Einfluss geltend machen – so der Tenor der vielen Gespräche und Begegnungen hier. Deutschland, Frankreich und die USA müssen jetzt ihre Stimme erheben und sich aktiv einbringen.  Wenn jetzt nicht entschieden gehandelt wird, droht die Glaubwürdigkeit der „internationalen Gemeinschaft“ vollends zu schwinden, auch auf die Gefahr hin, dass die kongolesische Regierung sich Russland zuwendet.

Auf dem Gelände von Misereor-Partnerorganisation Don Bosco Goma, haben sich viele Vertriebene niedergelassen
Auf dem Gelände von Misereor-Partnerorganisation Don Bosco Goma haben sich viele Vertriebene niedergelassen © Don Bosco Goma

Friedensverhandlungen

Stiller wird der See, nur noch kleine Wellenspiele kräuseln sich an der Oberfläche.

Friedensverhandlungen in Nairobi sollten beginnen. Eine Mischung aus Hoffnung darauf, dass das Morden aufhört – zumindest jetzt – und Ernüchterung prägt die Stimmung der Menschen. Denn es zeichnet sich ab, dass die mutmaßlich von Rwanda gesteuerte Miliz M 23 ihre Ansprüche geltend machen wird. Die DR Kongo muss angesichts der Schwäche der eigenen Armee verhandeln. Doch bisher ist selbst diese Hoffnung noch unerfüllt, denn der Beginn der Verhandlungen in Nairobi wurde erneut verschoben.

Die deutsche Bundesregierung ist eine gehörte Stimme in der Region. Dass Angela Merkel Tshisekedi bei Amtsantritt in Berlin empfing, hat ihm Ansehen verliehen. Die Beziehungen mit Rwanda haben Tradition. Es ist jetzt wichtig, dass Deutschland sich für Gerechtigkeit und Frieden einsetzt. Deutschland sollte sich entschieden an die Seite Kenias stellen, das sich für den Abzug der M 23 einsetzt, und der Forderung der USA, Frankreichs, Belgiens und GB anschließen, dass jedwede externe Unterstützung der illegalen Miliz M 23 sofort aufhören muss. Zunächst aber sollte die Bundesregierung sich dafür einsetzen, dass die regionalen Bemühungen Kenias und Angolas überhaupt dazu führen, dass sich die diversen Konfliktparteien an einen Tisch setzen.

Das könnte ein Anfang sein für bessere Zeiten im Ostkongo, auf die die Menschen dort so sehr hoffen.


Weitere Informationen

Misereor-Mitarbeiterin Gesine Ames schaut anlässlich neu beginnender Friedensgespräche auf die Lage und die Konfliktlinien im Kongo. Im Interview spricht sie darüber, warum wir den Dauerkrieg im Kongo ausblenden und welche Folgen das hat.

Geschrieben von:

Astrid Meyer ist Regionalreferentin mit dem Schwerpunkt DR Kongo bei MISEREOR.

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