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Tag 2 im gefluteten Bangkok

Es ist der zweite Tag der Klimakonferenz der asiatischen Bischofskonferenzen (FABC).  Wir hören spannende Beiträge  von Experten und die Teilnehmenden diskutieren rege. Gedanklich beschäftigt mich – neben der Abschlusserklärung – die aktuelle Situation in Bangkok: Heftige Überschwemmungen haben Thailand überrascht. Ein Land, das eigentlich schon viel in Katastrophenschutz investiert hat.

Die letzten Experten sprechen, darunter Ernst-Ulrich von Weizsäcker, dem ehemaligen Präsidenten des Wuppertal Instituts und Mitglied des Club of Rome und von Martin Khor aus Malaysia, der im South Center Regierungen der Entwicklungsländer berät. Innerhalb der asiatischen Kirchenvertreter wird rege diskutiert. Die Konferenz hat viel Interesse und Engagement geweckt und ich kann ihren großen Willen spüren, sich mehr im Bereich des Klimaschutzes zu engagieren. Jetzt geht es daran, gemeinsam eine Abschlusserklärung der Konferenz zu verfassen.

Überschwemmungen halten Bangkok in Atem

Meine Gedanken sind aber auch bei dem, was sich momentan in Bangkok abspielt: Die akuellen Überschwemmungen halten die Stadt weiterhin in Atem. Bis gestern Abend sollte das Wasser vor der Hauptstadt gestaut und so das Zentrum vor der Flut geschützt werden. Dann muss die Stadtverwaltung aber einlenken. Die Tore wurden geöffnet, damit die nicht abreißenden Wassermassen über Bangkok ins Meer abfliessen konnten.

Wir in der Assumption University waren nicht betroffen und auch der Weg heute zum Flughafen war ohne weiteres passierbar. Fernsehen und Zeitungen sind hingegen voll von Bildern der Überschwemmungen: Das Wasser steht in ganzen Vierteln schon auf Höhe der Autos, während Menschen noch einzelne Habseligkeiten zusammen packen, um ins Trockene zu fliehen. Frauen, Kinder, Alte… selbst Hunde werden in Sicherheit gebracht und der Katastrophenschutz wird auf allen Kanälen bei der Arbeit begleitet. Hamsterkäufe, vor allem von Wasser, finden im ganzen Stadtgebiet statt, da befürchtet wird, dass die Fluten das Grundwasser verschmutzen könnten.

Thailand hat schon viel investiert – wie steht es mit Pakistan?

Dabei hat Thailands Regierung viel in den Katastrophenschutz investiert und wirksame Präventionsmaßnahmen umgesetzt. Auf ein Hochwasser wie dieses war die Stadt jedoch nicht vorbereitet. In Zukunft muss sie vorbereitet sein, denn eines ist klar: Im Zuge des Klimawandels werden diese Extreme zunehmen. Die Dynamik des Monsuns, der in der Regenzeit zuverlässig für Regen sorgt, verändert sich.
Auf der Konferenz erinnert Father Boni aus Pakistan daran, dass dies auch Pakistan betrifft: Nach der Jahrhundertflut im letzten Jahr gab es dieses Jahr wieder vergleichbare Überschwemmungen in Pakistan – die aber in den europäischen Medien kaum beachtet wurden (MISEREOR berichtete). In Pakistan wurden die Menschen jedoch in keiner Weise durch Prävention und Katastrophenschutz gesichert.

Aus dem Pazifik berichtet Father Eweri von der Trockenheit. Zehntausenden fehlt Wasser. Er sagt, es sei „als ob die Wolken, die bei uns sein sollten, sich auf den Weg hierher gemacht hätten“.

Schlechte Neuigkeiten vom Green Climate Fund

Seit Jahrzehnten sagen Industrieländer finanzielle und technische Unterstützung für Entwicklungsländer zu, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Jedoch fließen bisher nur “Peanut”-Beträge für die Anpassung. Und so interessieren sich Father Boni und die anderen Teilnehmer sehr dafür, wann die Katastrophenvorsorge endlich  verbessert werden kann.
Martin Khor hat leider schlechte Neuigkeiten. Am Mittwoch morgen traf er frisch von den Verhandlungen des „Green Climate Fund“ ein. Dieser soll Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern fördern. Bis 2020 soll der Fund nach und nach auf ein Volumen von 100 Milliarden pro Jahr anwachsen.

Leider gab es keinen Konsens zur Ausgestaltung des Fonds:
Entwicklungsländer wollen zu Recht kräftig mitentscheiden, wie das Geld verwendet wir. Wichtige mögliche Zahlende, wie die USA, wollen ihren eigenen Einfluss auf die Verwendung der Mittel hingegen nicht schmälern.
Solange die Entscheidungsstrukturen aber nicht klar sind, kann der Fonds kein Geld bereit stellen!

Bürgerinnen und Bürger aus Pakistan, Thailand und vielen anderen Ländern – ein Großteil der Weltbevölkerung – warten also weiterhin darauf, dass sie vor weiterem Klimawandel und dessen Folgen geschützt werden.
Wie gern würde ich optimistischer meine Weiterreise nach Sumatra antreten – ein letzter Blick auf Bangkok lässt mich aber wieder an jene denken, die gerade ihre Habseligkeiten zusammen packen. Bis die Wolken die Stadt verdecken…

2 im gefluteten Bangkok

Tag 2 der asiatischen Klimakonferenz der FABC – Spannende Beiträge von Ernst-Ulrich von Weizsäcker, ehemaliger Präsident des Wupperatal Instituts und Mitglied des Club of Rome und Martin Khor, Malaye, der im South Center Regierungen der Entwicklungsländer berät, bildeten die letzten Inputs, bevor es ans Verfassen der Abschlussdiskussion ging.

Die FABC diskutierte unter sich und es wurde deutlich, dass viel Interesse und Engagement geweckt wurde und wirklich großer Wille im Raum vorhanden ist, sich mehr im Bereich des Klimaschutzes zu engagieren.

Meine Gedanken hingen hingegen bei der Flut, die Bangkok weiterhin in Atem hält. Thailands Prämisse, das Zentrum Bangkoks vor der Flut zu schützen und stattdessen das Wasser vor der Hauptstadt zu stauen, war nur bis gestern abend haltbar. Die Stadtverwaltung beschloss, die Tore zu öffnen, damit die nicht abreißenden Wassermassen über Bangkok ins Meer abfliessen können. Wir in der Assumption University waren nicht betroffen und auch der Weg heute zum Flughafen war ohne weiteres passierbar.

Fernsehen und Zeitungen sind hingegen voll von Bildern der Überschwemmungen: Das Wasser steht in ganzen Vierteln schon auf Höhe der Autos, während Menschen noch einzelne Habseligkeiten zusammen packen, um aufs Trockene zu fliehen. Frauen, Kinder, Alte… selbst Hunde werden in Sicherheit gebracht und der Katastrophenschutz wird auf allen Kanälen bei ihrer Arbeit begleitet. Hamsterkäufe, vor allem von Wasser, finden im ganzen Stadtgebiet statt, da befürchtet wird, dass der Fluten das Grundwasser verschmutzen könnten.

Dabei hat Thailands Regierung viel in den Katastrophenschutz investiert und wirksame Präventionsmaßnahmen umgesetzt. Auf ein Hochwasser wie dieses war die Stadt hingegen nicht vorbereitet. In Zukunft ist das unerlässlich, dennn eines ist klar: Im Zuge des Klimawandels werden diese Extreme zunehmen. Die Dynamik des Monsuns, der in der Regenzeit zuverlässig für Regen sorgt, verändert sich.

Father Boni erinnert daran, dass dies auch Pakistan betrifft. Nach der Jahrhundertflut im letzten Jahr gab es dieses Jahr abermals vergleichbare Überschwemmungen, die es kaum zu Aufmerksamkeit in europäischen Medien gebracht haben. PakistansBürger wurden jedoch in keiner Weise durch Prävention und Katastrophenschutz gesichert. Aus dem Pazifik berichtet Father Eweri von der Trockenheit – zehntausenden fehlte gerade Wasser, als ob „die Wolken, die bei uns sein sollten, sich auf den Weg hierher gemacht hätten“.

Seit Jahrzehnten sagen Industrieländer finanzielle und technische Unterstützung für Entwicklungsländer zu, um die Folgen des Klimawandels zu bewältigen. Jedoch fließen bisher nur peanuts für die Anpassung. Und so interessieren sich Father Boni und die anderen Teilnehmer sehr, wann endlich Katastrophenvorsorge oder Trinkwasserversorgung verbessert werden können.

Martin Khor muss leider enttäuschen:, Am Mittwoch morgen traf er frisch von den Verhandlungen des „Green Climate Fund“ ein. Dieser soll Klimaschutz und Anpassung in Entwicklungsländern fördern und bis 2020 nach und nach auf ein Volumen von 100 Milliarden pro Jahr anwachsen.

Leider haben einige Länder, allen voran die USA, sich geweigert, diese Mittel zur Verfügung zu stellen, wenn Entwicklungsländer selbst umfassenden Einfluss auf die Verwendung der Mittel hätten. Bürger aus Pakistan, Thailand und mit ihnen ein Großteil der Weltbevölkerung warten also weiterhin darauf, dass sie vor weiterem Klimawandel und dessen Folgen geschützt werden.

Wie gern würde ich optimistischer meine Weiterreise nach Sumatra antreten – ein letzter Blick auf Bangkok lässt mich aber wieder an jene denken, die gerade ihre Habseligkeiten zusammen packen. Bis die Wolken die Stadt verdecken….

PS: Die Abschlusserklärung wird in Kürze auf misereor.de / hier? eingestellt.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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