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Sonntag: Keine Verschnaufpause in Durban

Die erste Verhandlungswoche ist abgeschlossen. Wie immer läuft alles anders als erwartet. Aber es gibt auch Dinge, die nach Plan laufen. Zum Beispiel das gut gefüllte Programm der vielen Nichtregierungsorganisationen vor Ort. Alle sind angereist, um zumindest ein bisschen Rummel zu veranstalten. Und der Sonntag gehört natürlich den Kirchen.

Heute, am Sonntag, wird nicht verhandelt. Dafür sind besonders die vielen nicht-staatlichen Akteure am Start. Und die Kirchlichen Vertreter werden sichtbar. Morgens gibt es einen katholischen Gottesdienst zu Klimagerechtigkeit mit Kardinal Oscar Rodriguez, Präsident von Caritas International und langjähriger Mitstreiter MISEREORs. Mittags dann ein ökumenisches „Multi-Faith Prayer“. Unter dem Dach des  Netzwerks „CIDSE“ sind natürlich auch die Vertreter der kirchlichen Hilfswerke aus Europa und Nordamerika zur Messe angerückt.

Samstag auf der Demo

Auch am Samstag war die große inter-religiöse Klima-Szene schon aktiv: Bei einer Demo der Zivilgesellschaft zum „Global Day of Action“ quer durch Durban. Wir waren dabei. Und vor allem waren unsere Partner mit dabei, die für unseren Projektpartner-Workshop am Tag zuvor angereist waren. Ein toller Auftakt für einen Workshop, um Gruppengefühl zu entwickeln. Leider streikte – wie in Kopenhagen vor zwei Jahren – der große Ballon der über uns schweben sollte. Letztes Mal hatten wir zu wenig Helium, dieses Mal hat ein Loch das Helium entweichen lassen. So diente der Ballon später zumindest als Regenschirm und Sonnenschutz 🙂

„We have faith, let us act“

Afrikanische Rythmen, Menschen mit Rhythmus im Blut – einfach bunt und lebensfroh! Gerade der Zug der Kirchen zeigte sich besonders aktiv. Was vielleicht nicht unbedingt erwartet wird. Kirchliche Jugendverbände waren aus ganz Afrika angereist und machten Stimmung. Denn die afrikanischen Kirchen haben sich ganz besonders auf die Klimakonferenz auf afrikanischem Boden vorbereitet. Ein Gesang, der immer wieder im Getümmel aufkam war „We have faith, let us act, we have faith let us act, we have faith let us act right now.“

Quer durch Afrika: Jugendliche tourten für die „We have faith“-Kampagne von Kenia bis Südafrika

Quer durch Afrika: Jugendliche tourten für die „We have faith“-Kampagne von Kenia bis Südafrika

Eine inter-religiöse Jugendkarawane tourte vor dem Gipfel durch Afrika – von Kenia über Tansania, Malawi, Sambia, Botswana bis nach Südafrika. Ihre Botschaft: Wir müssen für ein Klimaabkommen kämpfen! Wir müssen Politiker dazu bringen, sich für Klimagerechtigkeit einzusetzen!
Die Kampagne sammelte in ganz Afrika Unterschriften und übergab sie am 27. November in Durban den Staats- und Regierungschefs aus aller Welt. Mit dabei war auch Erzbischof Desmond Tutu – zu sehen in einem kurzen Video der CIDSE.

Die Karawane hatte nicht nur zum Ziel aufzurütteln und politisch Einfluss zu nehmen. Ihr Motto lautete:We have faith.“ Direkt zu übersetzen ist das nicht. Denn „faith“ bedeutet Glaube und Vertrauen zugleich. So wurde eine Botschaft durch den Kontinent nach Südafrika getragen, welche deutlich macht, dass Gläubige an den guten Willen der  Regierungsvertreter glauben (wollen?). Vielleicht setzt das den ein oder anderen mehr unter Druck als Forderungen?

Es wurde aber vorallem eine Botschaft der Hoffnung in die Welt getragen.  Ob diese Hoffnungen sich erfüllen werden?

Merkel gibt die Hoffnung auf?

Unsere Bundeskanzlerin scheint nicht mehr daran zu glauben. In ihrem wöchentlichen Videopodcast spricht sie davon, dass es kein Abkommen zu einer zweiten Verpflichtungsperiode im Kyoto Protokoll geben werden kann.  So wie der Glaube Berge versetzen kann so kann das „Nicht-glauben“ an dieser Stelle absolut nichts bewegen.

Wer nicht glaubt, kämpft nicht. Wer nicht kämpft, hat schon verloren. Wer hier verliert ist klar: diejenigen, für die Klimaschutz eine Voraussetzung für die Chance auf ein gutes Leben ist. Die afrikanischen Jugendlichen, die es besonders treffen wird.

Nun aber auch genug mit der Rhetorik.

Zumindest hoffen hier alle sehr, dass die Bundesregierung ihren Glauben zurückgewinnt, damit Deutschland weiterhin im Kampf für Klimagerechtigkeit seine Stimme erhebt. „I still have (some) faith.“ – Zumindest wenn ich sehe, dass auch die Presse nun die Regierung unter Druck setzt  (siehe Artikel „Merkel glaubt nicht mehr an Durchbruch“, 3.12., Spiegel online).

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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