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Klimapolitik im Land der Klimakiller

Meine Morgendusche wurde heute durch den Gedanken ruiniert, dass Duschen nirgends so klimaschädlich sein dürfte, wie in Doha. Bei der Fahrt zum Konferenzzentrum kam ich nicht umhin, die Palmen als Klimakiller zu betrachten, wo Bäume doch eigentlich Leben schenken.

Doha: Beton und Grünstreiffen in der Wüste

Doha: Beton und Grünstreiffen in der Wüste

Doha liegt mitten in der Wüste und man merkt es nicht.Straßen und Plätze sind von englischem Rasen und Palmen gesäumt. Wasser ist für jeden Staatsbürger unbegrenzt und umsonst verfügbar. Neben der Erdölförderung, bei der klimaschädliches Methan entweicht, ist die Wasserversorgung – oder besser Verschwendung – Hauptgrund dafür, dass jeder Einwohner mit 60 Tonnen Treibhausgasen das sechsfache eines Deutschen und das 60 fache eines Inders, in die Luft bläst. Da ist nicht eingerechnet, was die Verbrennung der fossilen Rohstoffe nach dem Export verursacht.

Wasser umsonst

Fast das gesamte Wasser des Landes wird durch die Entsalzung von Meerwasser gewonnen. Dazu ist enorm viel Energie nötig. Diese wird aus Erdöl gewonnen. Was sich andere Staaten nicht leisten können, führt hier in Doha nicht einmal zu einem sparsamen Umgang mit Wasser: Es ist für jeden Einheimischen umsonst.

Keine Frage, dass Katar eigentlich wenig Interesse am Klimaschutz hat. Die Erdölexportierenden Staaten (OPEC), allen voran Saudi Arabien, haben bisher die Klimapolitik massiv boykottiert. Über ein Jahrzehnt unterbrachen die OPEC Staaten jede Debatte zum Klimaschutz mit dem Argument„ der Klimawandel findet nicht statt, wir sollten uns anderen Fragen widmen!“.

In den letzten Jahren war dies nicht mehr haltbar und OPEC betonte vor allem die enormen Kosten des Klimaschutzes. Sie schafften es sogar, eigene Verhandlungsstränge zu erzwingen, die sich mit der Frage beschäftigten, wie man OPEC Staaten entschädigen könne, wenn sie ihr Öl nicht mehr verkaufen könnten.

Zum Erfolg verpflichtet

Es ist echt absurd, dass eine Klimakonferenz hier stattfindet. Aber ein Gutes hat es: Denn die Haltung Katars in Doha wird eine andere sein.  Es ist eine Art ungeschriebenes Gesetz der Klimaverhandlungen, dass das Gastgeberland alles daran setzen muss, dass die Konferenz ein Erfolg wird. Und es ist höchst fraglich, ob andere OPEC Staaten ihnen jegliche Erfolgsaussichten zerstören wollen.

Wenig überraschend ist, dass es der Katarischen Regierung glaubhaften Gerüchten zufolge nicht klar war, als sie sich um die Austragung der Konferenz bewarben. Aber nun versuchen sie, ihre Rolle zu spielen.

Hoffen wir, dass dies keine Show für zwei Wochen ist. Zumindest die große Medienaufmerksamkeit in der Region dürfte zu einem Wandel im Denken führen. Al Jazeera berichtet rund um die Uhr auf hohem Niveau.

Für viele Jugendliche ist eh schon klar. Auf ihren T-Shirts machen sie deutlich:“ Lead or Leave! Übernehmt eine Führungsrolle im
Klimaschutz, oder verschwindet.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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