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Verordnete Verantwortungslosigkeit – Ölpalmen in Indonesien

Gestern hatten wir Besuch von der Organisation Sawit Watch aus Indonesien. Ihr Name ist Programm. Der Anbau der Ölpalme (Sawit) wird kritisch beobachtet (Watch). Denn das ist bitter nötig: Ölpalmen wachsen, wo einst dichter Wald war. Sie wachsen dort, wo einst indigene Völker lebten.

Haus zwischen Palmen. Indigene besetzen ein Plantage und fordern ihr Land zurück. Bild: Melanie Hoffmann, MISEREOR

“Und seitdem die Weltbevölkerung so sehr auf den Schutz der Wälder achtet und Indonesien sich zum Wald- und Klimaschutz verpflichtet hat, expandieren die Plantagen auch auf das Land von Kelinbauern – gefragt werden diese vorher nicht.“, so Jefri, Direktor der Organisation.

Politisch gewollte Expansion

Sawit Watch nimmt keine radikale Position ein: „Wir wissen, dass man diese Entwicklung nicht rückgängig machen kann.“ Sie fordern, den Vormarsch der Plantagen zu stoppen, und stattdessen die Produktivität bestehender Plantagen zu erhöhen. Kleinbauern, die Ölpalmen anbauen, sollen bessere Preise erzielen können und dabei gefördert werden, auch wieder Nahrungsmittel anzubauen. Alte Landkonflikte müssen zudem geklärt werden, Kompensationen gezahlt werden. Bisher wird der gewaltvolle Vormarsch, auch wenn er buchstäblich „über Leichen“ geht, von Regierungsstellen toleriert. Denn der Palmölboom ist gewollt. Er soll Geld in die Staatskassen spülen.

Zeit für die Reform der Agrartreibstoffpolitik

Teil der Motivation ist es auch, die wachsende Nachfrage nach Biosprit zu decken, welche aus der EU kommt. Sawit Watch wünscht sich, dass die Nachfrage endlich stagniert. Eine Änderung der EU Gesetze, welche Biosprit fördern, ist dieses Jahr geplant und Jefris Wunsch könnte in Erfüllung gehen. Ein neuer Entwurf für die „Erneuerbare Energien Richtlinie“ sieht zum Beispiel vor, dass Biosprit mindestens um 60% klimafreundlicher sein muss als solcher aus Erdöl. Biosdiesel aus Palmöl wäre damit aus dem Markt gedrängt. Denn durch den Anbau auf ehemaligen Wald- und Moorflächen ist Biodiesel aus Palmöl sogar klimaschädlicher als normaler Diesel.

Land ist zu knapp für den Tank!

Jefri freut sich darüber. Doch ich frage mich, warum die EU über die Förderung von Agrartreibstoffen überhaupt den globalen Kampf um knappen Acker anheizt, wo der Klimaschutznutzen zum Einen fragwürdig ist und zum Anderen viel einfachere Wege zum Klimaschutz im Verkehr genutzt werden können.

Gestern kam eine Studie heraus, die dieser verordneten Verantwortungslosigkeit die Krone aufsetzt: Teurer als durch Biosprit ist Klimaschutz kaum zu erzielen: 1 Tonne CO2durch den Einsatz von Bioethanol zu ersetzen, verursacht z.B. Kosten in Höhe von 432 bis 493 €!

MISEREOR wird sich in diesem Jahr für eine Neuordnung der Biospritförderung engagieren. Jefri und ich werden uns daher wieder sehen.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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