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Wenn Geländewagen den Regenwald platt machen (dürfen)

Nicht jeder Geländewagen fährt im Gelände wie dieser. Spuren hinterlassen sie trotzdem.

Nicht jeder Geländewagen fährt im Gelände wie dieser. Spuren hinterlassen sie trotzdem.

Auf dem Weg zur Arbeit hatte ich Schwierigkeiten mit dem Rad nicht von all den immer breiter werdenden Fahrzeugen – Stichwort Geländewagen – abgedrängt zu werden. Wie unnötig! Rollsplit ist längst das größte Hindernis geworden, dass die Fahrzeuge überwinden müssen.

Lifestyle auf Kosten der Umwelt

Die Hersteller tun nicht einmal mehr so als verkauften sie mit dem Fahrzeug Freiheit und Abenteuer in Wald und Feld. Die Shoppingtour – so die Werbung – wird stattdessen zum Erlebnis. Leider machen diese Autos nicht nur Radfahrern das Leben schwer; Der zunehmende Gigantismus führt zu steigendem Rohstoffverbrauch für Karosserie und Motoren. Und die Autos verbrauchen Sprit – viel Sprit. Für die Erdölförderung werden Menschen vertrieben und Trinkwasser vergiftet. Urwälder unwiederbringlich zerstört. Der hohe Verbrauch heizt das Klima an.

Politik will handeln – aber bloss nicht zu sehr

Im Büro angekommen zeigt mein Postfach, dass all dies weiter gewollt ist:

Die Bundesregierung hat gerade einen lang in EU Gremien erarbeiteten Kompromiss zur Begrenzung des CO2-Ausstoßes im Verkehr platzen lassen. Und: Statt die Klimabilanz der Autos zu verbessern, neue Verkehrskonzepte zu entwickeln und den Spritverbrauch der Autos zu regulieren, wird weiter auf vermeintlich sauberen Biosprit gesetzt. Da die EU Kommission letzten Herbst erkannt hat, dass Biosprit dem Klima eher schadet als nutzt und zu sozialen Problemen in Entwicklungsländern führt, steht immerhin eine Reform der EU Biospritpolitik an. 8000 Personen haben sich gemeinsam mit MISEREOR für diese Reform eingesetzt.

Das Biosprit-Reförmchen

Heute wurde im EU Umweltausschuss abgestimmt: Das EU Ziel, bis 2020 10% der Energie im Verkehrssektor aus Erneuerbaren Energien zu decken, soll erhalten bleiben, auch wenn bisher fast nur Biosprit zur Zielerreichung beitragen kann. Immerhin haben wir erreicht, dass der Anteil an Nahrungsmitteln im Sprit nur 5,5 % betragen soll. Höhere Werte lagen zwischenzeitlich auf dem Tisch.

Weil in den nächsten Jahren insgesamt mehr Biosprit eingesetzt werden wird, bedeutet das 5,5 % Ziel, dass die Menge an Nahrungsmitteln im Tank weiter ansteigen darf statt zu sinken! Eine Entscheidung, den Nahrungsmittelanteil lanfristg auf Null zu senken, wäre der Problematik angemessener gewesen! Gemeinsam mit der Tatsache, dass auch in Zukunft nicht nachzuweisen sein wird, dass der Biosprit nicht zu Menschenrechtsverletzungen geführt hat, ist diese Reform nur geeignet, den Schaden einer verfehlten Biospritpolitik zu begrenzen, nicht aber zu beheben.

Die Interessen (eines Teils) der Automobilbranche einerseits und der Biospritindustrie andererseits gehen also vor. Mal wieder. Und so heizen deutsche (Gelände-)wagen am Ende zumindest indirekt durch Wald und Feld und lassen tiefe Spuren in Entwicklungsländern zurück.

Autor:

Anika Schroeder arbeitet als Referentin für Klimawandel und Entwicklung bei MISEREOR in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen. Dort setzt sie sich für mehr und vor allem gerechtere Klimapolitik in Deutschland und auf internationaler Ebene ein.

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