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Indien: Menschenrechte oder Milliardengeschäfte?

Für das indigene Volk der Dongria Kondh ist der Berg Niyam Dongar der Sitz ihres Gottes Niyam Raja. Für Vedanta ein Zwei-Milliarden-Dollar-Versprechen: Die indisch-britische Minengesellschaft will im ostindischen Bundesstaat Odisha auf 670 Hektar Bauxit abbauen. Doch die Dongria Kondh wehren sich gegen die Zerstörung ihrer Heimat. Im April 2013 setzte der oberste Gerichtshof Indiens durch, dass die Betroffenen in den Entscheidungsprozess einbezogen werden müssen. Bis gestern stimmten die ersten drei Dörfer gegen den Abbau.

Der  erste Palli Sabah in Serkapadi. Foto: Living Farm.

Erster Palli Sabah in Serkapadi.
Foto: Living Farm.

Die MISEREOR-Partnerorganisation Living Farm unterstützt seit 2006 die Indigenen der Dongria Kondh in ihrem Kampf um ihr Land und ihre Rechte. Vielen gelten die Indigenen als unterentwickelt und primitiv. Immer wieder versucht die Regierung mit Projekten und Programmen, die Dongria Kondh zu ‚entwickeln‘ und ihren ‚Lebensstandard zu verbessern‘.

Ja, die Dongria Kondh sind nicht reich in unserem Sinne. Aber sie sind reich an Wissen über ihr Land, die Wälder, die Natur. Sie leben autark, pflanzen über 50 Sorten Hirse, Getreide, Ölsaaten, Gewürze, Knollenfrüchte etc. und ernten fast 280 verschiedene Früchte, die wild an den Niyamgiri-Bergen wachsen. Dabei achten sie die Natur, schneiden Bambus beispielsweise nur zu bestimmten Jahreszeiten und haben Regeln, wann Bäume gefällt werden dürfen.

2003 kam Vedanta zu den Niyamgiri-Bergen. Die Minengesellschaft baute am Fuß der heiligen Berge eine gigantische Aluminium-Raffinerie. Das Bauxit, aus dem Aluminium hergestellt wird, sollte aus den Niyamgiri-Bergen kommen. Doch der internationale Konzern hatte nicht mit dem Widerstand der Bewohner gerechnet.

Erste Erfolge in Odisha

Zwischen 2007 und 2009 haben 33 Dörfer Gemeinschaftsklagen gegen das Minenprojekt eingereicht, das die Wälder zerstören, Luft und Flüsse vergiften würde. Sie beziehen sich auf ein 2006 erlassenes Gesetz. Das schreibt vor, dass indigene Gemeinden Großprojekten auf ihrem Land zustimmen müssen. Der Kampf der Dongria Kondh erfuhr auch internationale Aufmerksamkeit und Unterstützung.

Zweiter Palli Sabah in Kesarpadi. Foto: Living Farm.

Zweiter Palli Sabah in Kesarpadi. Foto: Living Farm.

Der erste Erfolg kam schließlich im Jahr 2010, als das indische Umweltministerium den geplanten Bauxit-Abbau in den Niyamgiri-Bergen stoppte. Vor drei Monaten urteilte dann der oberste Gerichtshof Indiens, dass die Entscheidung über das Minenprojekt bei den Dongria Kondh liegt. In einem Palli Sabha, einer Dorf-Versammlung, sollen alle Erwachsenen von insgesamt zwölf betroffenen Gemeinden selbst darüber entscheiden, ob Vedanta Bauxit in den Niyamgiri-Bergen abbauen darf oder nicht. Dies ist nur ein erster Schritt, denn die Dongria Kondh fordern, dass alle 112 betroffenen Gemeinden über den Bauxit-Abbau abstimmen dürfen.

Die erste Dorfversammlung fand am 18. Juli im Dorf Serkapadi statt. 38 Wahlberechtigte, einschließlich aller wahlberechtigten Frauen, haben teilgenommen. Auch viele Dongria Kondh aus anderen Dörfern kamen, um ein Zeichen der Solidarität zu setzen. Ein unabhängiger Distrikt-Richter überwachte die Abstimmung.

Dongria Kondh: „Ohne die Niyamgiri-Berge werden wir untergehen“

Den Teilnehmern des Palli Sabah war es wichtig, im Protokoll festzuhalten, dass die Niyamgiri-Berge die Heimat der Dongrias sind und dass der Bergbau – und sei er nur minimal – die religiösen und kulturellen Rechte der Menschen verletzt. Sie betonten: „Niyamgiri ist uns heilig. Wir werden die Berge niemandem abtreten: keinem Unternehmen, keiner Regierung und keiner Person. Niyamgiri bietet uns Schatten, lindert unseren Durst und ist unsere Quelle des Lebens. Wenn uns jemand die Niyamgiri-Berge nimmt, wird das unsere Religion und unsere Hoffnung aushöhlen, wir werden untergehen.“

3. Palli Sabah

Dritter Palli Sabah. Foto: Living Farm

Auch die zweite Versammlung im Dorf Kesarpadi und die dritte Versammlung stimmten am Montag und Dienstag gegen das Vorhaben. Die 33 Wahlberechtigten, darunter 23 Frauen, hielt auch der starke Regen nicht davon ab, am Palli Sabha teilzunehmen.

Bis zum 19. August sollen alle Palli Sabah abgehalten sein. Die letzte Entscheidung liegt jedoch bei der Regierung. Wie auch immer der Kampf ausgehen wird: Living Farm wird nicht aufhören, gemeinsam mit den Dongria Kondh für ihre religiösen und kulturellen Rechte einzusetzen, für das Recht auf Wohnen und ein Leben in Würde!

 

Living Farm setzt sich für eine ökologische Landwirtschaft ein und kämpft für eine grundlegende Agrarreform im Sinne von Ernährungssicherheit und sozialer Gerechtigkeit. Die Organisation arbeitet mit Bauernorganisationen und zivilgesellschaftlichen Organisationen zusammen. Gemeinsam mit den Dongria Kondh setzt sich Living Farm dafür ein, die Kultur der indigenen Gemeinschaft und ihr reichhaltiges Wissen zu bewahren. Living Farm fördert die traditionellen Anbaumethoden der Dongria Kondh und bietet Jugendprogramme an, die die Kultur und nachhaltige Lebensweise der indigenen Gemeinden fördert.

Autor:

Petra Kilian arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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