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Philippinen: Unterwegs nach Kalibo City und San Jose City auf der Insel Panay

Zum Wochenende hin erreichten die MISEREOR-Mitarbeiter Brigitte Mandelartz und Elmar Noé die Städte Kalibo City und San Jose City  auf der Insel Panay. Auch hier hat der Taifun „Haiyan“ seine Spuren hinterlassen.

Ein Bericht von Brigitte Mandelartz und Elmar Noé

Lesen Sie auch Teil 1: Erste Eindrücke von den Philippinen nach dem Taifun Haiyan

Mrs. Biba zeigt uns ihre Schulklasse, bei der das Dach teilweise vom Sturm weggefegt wurde.

Mrs. Biba zeigt uns ihre Schulklasse, bei der das Dach teilweise vom Sturm weggefegt wurde.

Angekommen in Kalibo City, sprechen wir im dortigen Social Action Center mit dem Direktor über den Stand der Nothilfe-Arbeiten. Dabei erfahren wir, dass die Hilfe von staatlicher Seite bisher eher schleppend anläuft. Bislang wurden nur geringe Mengen an Lebensmittel an die Evakuierungszentren verteilt, die aber mittlerweile auch schon wieder aufgebraucht sind. Derzeit werden ca. 14.000 Haushalte in Kalibo City von der lokalen Regierung als bedürftig eingestuft. Wann jedoch umfangreichere Hilfsmaßnahmen anlaufen, scheint bisher nicht bekannt zu sein. Am dringendsten werden Zeltplanen benötigt, um die Häuser vor weiterem Regen zu schützen, des weiteren Reis, Medizin und Kerzen, informiert man uns.

Schon bald soll die Schule wieder starten

Anschließend besuchen wir eine Grundschule  in der Ortschaft „New Washington“, die als Evakuierungszentrum für Taifunopfer dient. Zur diesem Zeitpunkt sind die dort evakuierten Familien allerdings wieder an der Unglücksstelle, um ihre Häuser aufzubauen. Anwesend ist jedoch Mrs. Biba, die uns ihre Schulklasse zeigt, bei der das Dach teilweise vom Sturm weggefegt wurde. Jetzt liegen draußen auf dem Weg dutzende Schulbücher zum Trocknen in der Sonne. 42 Kinder der 2. Klasse werden hier unterrichtet und bereits am kommenden Montag soll die Schule wieder beginnen. Mrs. Biba hofft, dass die Kinder ihre traumatischen Erlebnisse bald verarbeiten können. Als Unterstützung dazu plant sie ein „Stress Debriefing“ mit den Kindern.

Weiterleben nach dem Sturm

Mrs. Pedrita Pedrahas, hier mit ihrer Enkelin, konnte noch rechtzeitig ihr Fischerboot vor dem Sturm in Sicherheit bringen. Jedoch wurde ihre Wohnungseinrichtung komplett zerstört.

Mrs. Pedrita Pedrahas, hier mit ihrer Enkelin, konnte noch rechtzeitig ihr Fischerboot vor dem Sturm in Sicherheit bringen. Jedoch wurde ihre Wohnungseinrichtung komplett zerstört.

Im Ortsteil Kambak, immer noch unterwegs auf der Insel Panay, suchen wir eine Fischer Community auf, die ihre Behausungen direkt an der Küste hat. Viele Häuser wurden durch den Taifun Haiyan völlig zerstört. Mrs. Pedrita Pedrahas, mit der wir ins Gespräch kommen, berichtet uns, dass sie glücklicherweise aufgrund der frühen Warnung vor dem herannahenden Taifun ihr Fischerboot rechtzeitig in Sicherheit bringen konnten. Allerdings hat das Wasser alle Möbel und Küchenutensilien aus der Behausung hinweggerissen. Ihren Reis kocht sie nun provisorisch in einem zerbeulten alten Topf, den sie gefunden hat. Sie erzählt, dass die Kinder sich gerne an den Wiederaufbauarbeiten nach dem Sturm beteiligen wollen. Dafür haben sie aus herumliegenden Hausresten Bambusstöcke und getrocknetes Nipagras gesammelt und eine kleine Hütte am Strand gebaut. Das sei ihre Art, die traumatische Situation und den damit einhergegangenen Stress, den sie erlebt haben, zu verarbeiten, sagt sie.

Bitte um Unterstützung beim Wiederaufbau

Mrs. May Villanueva bittet um Unterstützung beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser durch den Taifun Haiyan.

Mrs. May Villanueva bittet um Unterstützung beim Wiederaufbau der zerstörten Häuser durch den Taifun Haiyan.

Im weiteren Verlauf des Tages treffen wir Mrs. May Villanueva. Sie erzählt uns, dass sie, als der Sturm losging, in Panik einige Sachen zusammengepackt habe und in ein stabiler gebautes Nachbarhaus geflüchtet sei.  Auf unsere Nachfrage hin, ob schon erste Hilfsgüter die Region erreicht haben, berichtet sie, dass erst spät erste Lebensmittelrationen eingetroffen seien. Das wichtigste wäre – neben Reis – eine Unterstützung beim  Wiederaufbau der Häuser. Nach dem Taifun seien die Preise für Bambus und getrocknetes Nipagras aufgrund der Notlage schon stark  gestiegen.

Ankunft in San Jose City

Nach knapp 4 Stunden Autofahrt erreichen wir die Stadt San Jose und treffen dort auf Seelsorger Idion Febrero. Er ist Social Action Director der Diözese San Jose Antique und gleichzeitig Präsident des St. Anthony’s College, einem Berufsbildungsprojekt, welches auch von MISEREOR unterstützt wird.

Die Schäden in dieser Provinz seien nicht ganz so dramatisch wie in den nördlicher gelegenen Provinzen, informiert er uns. Trotzdem seien viele Schäden an den Häusern entstanden, die es zeitnah zu reparieren gilt. Er schildert in beeindruckender Weise, was er schon alles an Hilfe organisiert habe. Er ist bestens vernetzt mit anderen Stellen, hat frühzeitig Bestellungen für Zeltplanen aufgegeben und u.a. von der Caritas und NASSA bereits Unterstützung bekommen.  Auf unsere Nachfrage hin berichtet er, dass er viel von Taifun „Frank“ vor 5 Jahren gelernt hat, nämlich wie man schnell in solchen Krisenzeiten reagieren muss. Als Mitglied im Disaster Risk Reduction Management Council, habe er bereits in den Tagen vor Eintreffen des Taifuns Lebensmittel organisiert, die in den lokalen Gemeindehallen gelagert wurden. So war man zumindest hier besser auf die Katastrophe vorbereitet. Er instruierte auch die Studenten des St. Anthony’s College zur Mithilfe beim Packen der Nothilfepakete und nutzt seine Radiostation, um auch die entlegenen Inseln mit wichtigen Informationen versorgen zu können.  Es war beeindruckend für uns zu sehen, wie energisch und gut durchdacht das SAC San Jose die Wiederaufbauarbeiten angeht, sich mit anderen Akteuren vernetzt und auch mit Nachdruck Hilfe einfordert.

Eine Geschichte am Rande:

Das Jesus-Kind  – auch ein Opfer des Taifun

Auch die Kleidung der Jesuskind-Puppe (Bild Auch die Kleidung der Jesuspuppe muss noch trocknen, sie sei eben auch ein Taifunopfer…

Auch die Kleidung der Jesuspuppe muss noch trocknen. Sie sei eben auch ein Taifunopfer…

In einer notdürftig wieder zusammengeflickten Hütte aus Nipagras sehen wir eine Puppe, das  „El Nino“-Jesuskind,  „nackig“ im Regal stand. Entschuldigend erklärt man uns, dass die Kleidung der Jesuskind-Puppe noch trocknen müsse, sie sei eben auch ein Opfer des Taifun…

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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