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Von Notunterkünften zu katastrophenresistenten Häusern

Warum die Arbeit von Nichtregierungsorganisationen so wichtig ist und MISEREOR „Pilothäuser“ unterstützt. Ein Interview mit Yolanda Esguerra, Nationalkoordinatorin der philippinischen MISEREOR-Partnerorganisation PMPI.

Zurzeit Leben viele Menschen auf den Philippinen noch in Notunterkünften. Wieso haben sie auch Monate nach dem Taifun noch immer kein neues Zuhause?

Unmittelbar nach dem Taifun: Bilder der großen Zerstörung regten viele zum Spenden an. Monate danach geht es nun um die langfristige Entwicklung vieler Gemeinden.

Unmittelbar nach dem Taifun: Bilder der großen Zerstörung regten viele zum Spenden an. Monate danach geht es nun um die langfristige Entwicklung vieler Gemeinden. Dabei sollten  die Betroffenen selbst die Hauptakteure sein.

Das Hauptproblem besteht darin, dass die lokalen Regierungsvertreter trotz der vorhandenen Spendengelder nicht in der Lage sind, die Gemeinden ausreichend zu unterstützen. Gerade auf kleinen Inseln wie Homonhon und Manikani ist die Unterstützung der Regierung sehr gering. Dort leben die Ärmsten der Armen. Sie haben keinen direkten Zugang zu Gütern und Dienstleistungen, sind von den Ereignissen traumatisiert. Ihnen helfen wir mit den finanziellen Mitteln, die wir von MISEREOR erhalten.

Wieso tut die Regierung nichts?

Es fehlt an den Fähigkeiten. Die staatlichen Hilfs- und Aufbauarbeiten laufen sehr langsam. Korruption ist sehr verbreitet. Daher ist es so wichtig dafür zu sorgen, dass alle finanziellen Hilfsmittel, die hier ankommen, transparent zu den Gemeinden weitergeleitet werden. Hier sind NGOs wie wir wichtig. Weil wir den Gemeinden helfen und gleichzeitig die Regierung in die Pflicht nehmen, ihrer Verantwortung den Menschen gegenüber gerecht zu werden.

Viele Menschen können ihre Häuser nicht wieder dort aufbauen, wo sie vorher lebten, weil es so nahe an der Küste zu gefährlich ist.

Vor einiger Zeit hat die Regierung angeordnet, dass keine Häuser näher als 40 Meter an der Küste stehen dürfen. Allerdings ist dies eine sehr schwierig einzuhaltende Anordnung, solange es für die Menschen keine alternativen Orte gibt, an denen sie leben können. Deshalb haben viele ihre Häuser wieder an demselben Platz aufgebaut. Es sind nur kleine Inseln – wohin sollen die Menschen gehen?

Viele Organisationen haben die Menschen beim Hausbau unterstützt. Im Juni hat die Regen- und damit die Taifunzeit begonnen. Wieviel Schutz bieten die neuen Häuser?

Die meisten NGOs und auch der Staat haben bisher nur Übergangsunterkünfte gebaut. Ich habe einige dieser Unterkünfte gesehen. Es ist wirklich abscheulich. Diese Reihenhäuser aus Sperrholz sind heiß und stickig. Das Leben dort ist menschenunwürdig. Sie sind auch nicht aus Materialien gebaut, die sicherstellen, dass diese Unterkünfte katastrophenresistent sind. Die Menschen lehnen diese Unterkünfte ab. Wir planen, katastrophenresistente Häuser mit lokalen Ressourcen zu bauen, und haben bereits ein Modellhaus fertiggestellt. Allerdings kostet ein solches etwa 250.000 Pesos [rund 4.200 Euro]. Das ist auf den Philippinen viel Geld. Gemeinsam mit MISEREOR wollen wir insgesamt 10 „Pilothäuser“ pro Dorfeinheit bauen, um für dieses Konzept zu werben und zu zeigen, warum sich die Investition lohnt. Die Empfänger gehören zu den Ärmsten der Gemeinde. Sie können sich keine eigenen Häuser leisten.

Wie wird es weitergehen?

Wir bei PMPI und MISEREOR sind der Meinung, dass die betroffenen Menschen die Hauptakteure sein müssen, nicht wir. Gerade erst haben wir einen Assessment-Prozess abgeschlossen. Gemeinsam mit den betroffenen Gemeinden haben wir geprüft, in welchen Bereichen –Hausbau etwa, Landwirtschaft und Fischerei, Gesundheit, Katastrophenvorsorge und andere – wir gezielt den langfristigen Wiederaufbau unterstützten können. Wir haben gemeinsam eine Vision für die Zukunft entwickelt und angefangen zu planen. Oft möchten Spender, dass ihr Geld direkt eingesetzt wird, um den Menschen möglichst schnell zu helfen. Aber wenn man Entwicklungsarbeit leistet, ist es immer ein längerer Prozess, in den die Betroffenen eingebunden sein müssen, aber auch die lokalen Regierungsstellen, Verwaltungen und Behörden. Wir treffen uns daher mit den Bürgermeistern und diskutieren die Erkenntnisse unserer Experten bezüglich der Erfordernisse nach der Katastrophe und die Bedürfnisse der Menschen.

PMPI-Hilfe unmittelbar nach dem Taifun Haiyan

Unmittelbar nach dem Taifun Haiyan leisteten die Mitgliedsorganisationen von PMPI Nothilfe. Sie verteilten Lebensmittel und Medikamente, stellten Notunterkünfte zur Verfügung und boten psychosoziale Betreuung an. Küstenfischer erhielten Boote, Trink- und Bewässerungssysteme wurden wieder nutzbar gemacht. Heute bieten mobile Krankenstationen medizinische Versorgung auch weitab des nächsten Krankenhauses. Solarpanele liefern für Notfälle Strom und Funkverbindungen ermöglichen den Kontakt zwischen den entlegenen Inseln. Auch mobile Radiostationen wurden aufgebaut, um die Informationslage für die Menschen zu verbessern. PMPI unterstützt die Menschen zudem beim sicheren Wiederaufbau ihrer Häuser.

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Weitere Berichte über die Nothilfe nach Taifun Haiyan:

Tief getroffen – aber nicht gebrochen – Ein Beitrag von MISEREOR-Hauptgeschäftsführer Monsignore Pirmin Spiegel, Elisabeth Bially und Elmar Noé

Tacloban: 3 Monate nach dem Taifun Yolanda/Haiyan – Ein Bericht über die Arbeit der MISEREOR-Partnerorganisation PREDA, die Kinder vor Menschenhandel und Mißbrauch schützt

Autor:

Ralph Allgaier

Ralph Allgaier arbeitet als Pressesprecher bei MISEREOR.

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