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Energie: Wofür? Für wen? Wie? – Sozialforum zum Thema Energie in Brasília

Gabriele Rath und Gerhard Braunmiller von MISEREOR berichten vom Sozialforum zum Thema Energie in Brasília.

1| Tag

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Energie: Wofür? Für wen? Wie?

Mit einem grandiosen Start hat das thematische Sozialforum zum Thema Energie in Brasília am Freitag begonnen. Direkt vor dem Parlament versammelten sich die Teilnehmer begleitet von einem Musiktrio. Weithin sichtbar stieg ein Fesselballon mit dem Schriftzug des Forums auf.

Vertreter aus Bolivien, Peru, den USA und natürlich viele brasilianische Organisationen brachten ihre Erfahrungen ein: Wo wird wie welche Energie produziert. Gemeinsam ist Brasilien, Peru und Bolivien, dass alle drei auf Wasserkraft setzen. Windenergie wird zunehmend eingesetzt. Doch die Solarenergie führt ein Randdasein.

2| Tag

indigenemailOhne dass es auf dem offiziellen Programm auftauchte, machte schnell die Runde, dass jemand von der Caixa Federal (Bundesbank) im Saal 13 von einem Projekt erzählt. Ein Projekt, das viele Hoffnungen weckt, denn die Caixa finanzierte Solarpanelle für 1000 Sozialwohnungen (Minha Casa –Minha Vida). Die Bürger wurden vorbildlich in die Planungen miteinbezogen. Ausgewählte Personen bekamen eine Ausbildung, wie die Platten zu installieren sind. Einige davon konnten für die Instandhaltung fortgebildet werden. Der Strom wird zur Gänze in das Stromnetz eingespeist – und das ist das Novum – dieser Strom wird bezahlt. Damit erhalten die Anwohner also ein Einkommen. Nach bisherigem brasilianischem Gesetz ist das nicht möglich.

Auf die Frage, ob dieses Modell nicht auch auf die Assentamentos (Landsiedlungen der Agrarreform) der CPT (Landpastorale) ausgeweitet werden könne, bekamen wir die Antwort, dass es sich um ein Pilotprojekt handle. Doch Gesprächsbereitschaft ist da. Unsere Partner von der CPT bleiben dran.

Egal welchen Vortrag von Wissenschaftlern wir hören oder an welcher Gesprächsrunde wir teilnehmen, alle scheinen sich einig zu sein, dass Solarenergie die Alternative für den Energiehunger des Landes ist. Viele Untersuchungen, die wir in diesen Tagen kennenlernen, belegen das.

An diesem Abend fällt auch der Startschuss für die brasilianische Kampagne: „Energia para a vida“ (www.energiaparavida.org). Im großen Auditorium der Universität wird sie feierlich von Vertretern der Kirche, der Politik und Zivilgesellschaft vorgestellt und eröffnet. Ziel ist der breite Dialog mit der brasilianischen Gesellschaft und die Einforderung einer nachhaltigen Energieversorgung gegenüber den Präsidentschaftskandidaten, die sich am 5. Oktober 2014 zur Wahl stellen.

3| Tag

Vor der Universität Brasílias: unter dem offiziellen Banner des Sozialforums haben Bewegungen und Arbeitsgruppen ihre Kritik und Forderungen angebracht: „Dilma. Energiepolitik der Umweltzerstörung. Wir fordern einen Wandel.“ Weiter im Hintergrund „Atomkraft. Nein danke.“

Vor der Universität Brasílias: unter dem offiziellen Banner des Sozialforums haben Bewegungen und Arbeitsgruppen ihre Kritik und Forderungen angebracht: „Dilma. Energiepolitik der Umweltzerstörung. Wir fordern einen Wandel.“ Weiter im Hintergrund „Atomkraft. Nein danke.“

Universität von Brasilia, Saal 13: Über den T-Shirts tragen sie lange und kürzere Ketten, einige davon sind so lang, dass sie sie wie eine Schärpe tragen. Ein Vertreter der Indianerorganisation CIMI (Pastorale der indigenen Bevölkerung) hat einen Federkopfschmuck auf, der andere hält eine Rassel in der Hand. Barfuß – die Flip-Flops liegen am Rand – so stehen sie vor einem bis zum letzten Platz besetzten Hörsaal. Sie fordern uns auf, all den geschundenen, gequälten, den verfolgten und getöteten Indianern zu gedenken, die bisher dem Kampf um ihr angestammtes Land zum Opfer gefallen sind.

Die Bewegung „movimiento tapajós vivo“ setzt sich für den Erhalt des Flusses Rio Tapajós (einer der größten Nebenflüsse des Amazonas) und dessen Völker ein. Auf dem Plakat steht: „Amazonien ohne Staudämme. Dieser Fluss ist unser Leben“

Die Bewegung „movimiento tapajós vivo“ setzt sich für den Erhalt des Flusses Rio Tapajós (einer der größten Nebenflüsse des Amazonas) und dessen Völker ein. Auf dem Plakat steht: „Amazonien ohne Staudämme. Dieser Fluss ist unser Leben“

Bekannt ist, dass viele Wasserkraftwerke zur Vertreibungen der angestammten Bevölkerung führen und die Umwelt zerstören. Weniger bekannt ist, dass die Windkraftanlagen, die zunehmend in die Dünen der Küste gebaut werden, ohne Rücksicht auf die dort lebenden Fischergemeinschaften, zu genau den gleichen Folgen führen. Die Fischbestände verschwinden und dadurch verlieren die Fischerfamilien ihre Lebensgrundlage. Die Lagunen werden zerstört, das Grundwasser versalzt. Vertreter der Fischerpastorale schildern ihre Situation und ihren Kampf, um ihr verbürgtes Recht auf Mitsprache bei der Planung und Anlage von Windkraftparks durchzusetzen.

4| Tag

parkorangefahrradmailBrasilia – Stadtpark: Auf dem Weg zum Stadtpark entdecken wir Ausleihstationen für Fahrräder. In der Stadt haben wir bisher keines dieser gelben Fahrräder gesehen. Auch auf den langen Fußwegen zur Universität haben wir weder eine Sammelstation noch Fahrräder davon gesehen. Doch heute im Stadtpark sind ganze Familien damit unterwegs. Ob das Fahrrad hier eine Chance hat, trotz der geringen Luftfeuchtigkeit und dem großen Bedürfnis nach der geringsten Bewegung etwas zu trinken?

Hier im Park treffen wir alle Gruppen, die wir über die letzten Tage kennengelernt haben. An den vier aufgebauten Pavillons hängen die Spruchbänder und Banner. Verschiedene Musiker treten auf und immer wieder sieht man tanzende Paare. Diese Musiker begleiten die Abschlussveranstaltung bis in den späten Nachmittag hinein. Wieder schwebt der Fesselballon über unseren Köpfen. Doch dieses Mal dürfen wir mit aufsteigen und einen Blick von oben auf die Stadt werfen. Als wir gegen fünf Uhr den Park verlassen, ist die Schlange für einen Aufstieg mit dem Fesselballon noch immer nicht kürzer geworden und der Schriftzug der Kampagne weithin sichtbar.

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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