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Fastenaktion: Die spürbaren Folgen des Klimawandels

„War einer von euch schon auf den Philippinen?“, fragt Ledrolen Manriquez die rund 50 Schülerinnen und Schüler der 10. und 11. Klasse des Elisabeth-Gymnasiums am 11. März in Halle. War keiner. Aber wo genau die Philippinen liegen, wissen alle. Schließlich haben sie sich im Unterricht schon mit dem Land auseinander gesetzt.

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Umso gespannter sind sie auf die Geschichten und Berichte, die die nationale Koordinatorin der philippinischen MISEREOR-Partnerorganisation PECOJON (Peace and Conflict Journalism Network) mit nach Halle gebracht hat: von korrupten Politikern und Armut, von der Schönheit des Landes, das über 7.000 Inseln umfasst, und vom Optimismus seiner Bewohner, die sich von rund 20 Wirbelstürmen pro Jahr nicht unterkriegen lassen. Obwohl diese immer stärker werden.

2010 brachte Taifun Megi Zerstörung über den Inselstaat. Zwei Millionen Menschen waren betroffen, 31 starben. „Zuerst dachten wir, das ist einer der schweren Taifune, die alle 50 Jahre kommen“, sagt Ledrolen Manriquez – oder kurz: Len. Ein Jahr später wütete Taifun Nesat (drei Millionen Betroffene, 83 Tote). „Auch da dachten wir noch, es ist eine Ausnahme“. 2012 folgten Bopha (6 Millionen Betroffene, über 1.000 Tote) und im November 2013 schließlich Super-Taifun Haiyan, der über 6.300 Menschen das Leben kostete. Längst waren die schweren Taifune keine Ausnahme mehr. Sie waren zur Regel geworden.

„Dabei sind nicht so sehr die Winde gefährlich, sondern der Regen, der mit den Taifunen kommt“, sagt Len. Denn der Regen weicht die Erde auf. Es kommt zu Erdrutschen und verheerenden Überschwemmungen. Direkt nach Taifun Haiyan flog Len gemeinsam mit einer Kollegin in die betroffenen Gebiete, um Hilfsmaßnahmen zu koordinieren. Sie lebten von einem halben Liter Wasser und einem Energieriegel pro Tag. „Wir mussten ja mit leichtem Gepäck reisen.“

Trotz des Leids und der Gefährdung seien die Filipinos ein glückliches Volk, sagt die 31-Jährige. „Gemeinschaft und Zusammenhalt sind uns wichtig.“ Das zeigt sich auch immer wieder nach schweren Naturkatstrophen. So hatte das Netzwerk PMPI (Philippine-Misereor-Partnership), bei dem auch PECOJON Mitglied ist, nach Taifun Haiyan nicht nur direkt mit MISEREOR-Unterstützung Nothilfe geleistet und unterstützt die Menschen bis heute beim Wiederaufbau und der so dringend benötigten Katastrophenvorsoge (Len zeigt einen Film darüber). Für ein Solidaritätskonzert komponierten philippinische Künstler eigens Songs. Einen davon hat Len dabei und spielt ihn den Schülerinnen und Schülern vor.

Solidarität versteht Len aber auch als globale Verantwortung. „Um den Menschen auf den Inseln wirklich zu helfen, ist es wichtig, umzusteuern!“, sagt sie. „Wir brauchen einen neuen Lebensstil. Wir müssen schonender mit unserer Umwelt umgehen. Dabei ist jeder Einzelne gefragt – weltweit!“ „Neu denken! Veränderung wagen.“ ist für sie daher weit mehr als das Leitwort der aktuellen MISEREOR-Fastenaktion.

Nach ihrer Präsentation stellen die Schüler viele Fragen. Wie ihr Arbeitsalltag aussehe, wie sie aufgewachsen sei oder wie sie Deutschland finde. Len berichtet von ihrer Arbeit als Koordinatorin des Journalistennetzwerks und von den schwierigen Bedingungen, unter denen manche Journalisten arbeiten. Sie erzählt von ihrer Kindheit („Ich komme aus einer armen Familie“), davon, wie sauber und gut die deutschen Straßen sind, und von der Pegida-Demonstration, in die sie in Dresden durch Zufall geriet. Die hat sie sehr interessiert. Auch als Journalistin.

PECOJON

Ledrolen Manriquez hat PECOJON 2004 mitgegründet. Das Netzwerk fördert konfliktsensitiven Journalismus, gibt Workshops, unterstützt Journalisten in Notlagen und ist im Katastrophenfall wichtiger Ansprechpartner für Regierung und Nichtregierungsorganisationen (NGOs). Denn die Mitglieder verfügen oft über lebenswichtige Informationen für die Sicherheit der Menschen verfügt – also Vorab-Information über Schutzmaßnahmen, aber auch im Nachgang zur Lage vor Ort und dringend benötigter Hilfe.


Die Projekte zur Fastenaktion 2015

Das Leben auf den Philippinen bedeutet ein Leben am Wasser. Besonders die Fischer des Landes bekommen die Folgen der Klimaveränderung hautnah zu spüren. MISEREOR-Projekte unterstützen die Menschen dabei, ihre Lebensweise der veränderten Situation anzupassen, so ihren Lebensraum zu bewahren und Katastrophen vorzubeugen.

Autor:

Petra Kilian arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR.

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