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Erdbeben in Nepal: Ein Bericht von vor Ort

„Am Samstag, den 25. April 2015, kurz vor Mittag, hat ein schweres Erdbeben Nepal erschüttert. Das Epizentrum des Bebens mit einer Stärke von 7,8 auf der Richterskala befand sich auf halbem Weg zwischen Kathmandu und der Stadt Pokhara, die im Landesinneren von Nepal liegt. Todesopfer und Zerstörung wurden auch aus entfernten Orten wie Tibet, Bangladesch und dem Norden von Indien und Bhutan gemeldet, der größte Schaden jedoch ist in Nepal entstanden. 39 von den 75 Distrikten sind betroffen, tausende Todesfälle und viele Schwerstverletzte wurden bis heute gezählt.erdbeben_nepal_banner_970x250

Am Sonntag gegen 13 Uhr wurde das Land erneut von einem Nachbeben der Stärke 6,6 erschüttert. Weitere Erschütterungen traten erneut gegen 4:20 Uhr am Montagmorgen auf. Und obwohl die Regierung die Rettungsmaßnahmen in und um Kathmandu weiterhin verstärkt hat, fehlt es an nötiger Ausrüstung und noch immer sind Rettungsmaßnahmen in den entlegenen Gebieten schwierig. Man befürchtet, 3 Tage nach dem Beben, dass hunderte Menschen noch immer in den Trümmern der zusammengestürzten Gebäude in der Hauptstadt eingeschlossen sind. Von vielen historischen Gebäuden ist nur noch Schutt und Asche übrig. Bisherige Berichte weisen darauf hin, dass viele an Berghängen gelegene Städte fast vollständig verwüstet wurden und von der Außenwelt abgeschnitten sind.

Das Erdbeben verbreitete tiefe Angst in den Menschen – von Kathmandu bis hinein in die kleinsten Dörfer und Hänge des Mount Everest. Dort löste das Beben eine Lawine aus, die Teile eines Basiscamps unter sich begraben hat, das vollgepackt war mit ausländischen Kletterern, die sich dort vorbereiteten auf den Versuch den Gipfel zu besteigen. […]

In der Hauptstadt hat die Regierung eine kostenlose Behandlung der Opfer angekündigt. Aber die Krankenhäuser sind überfüllt und oftmals nicht in der Lage, eine Versorgung der vielen Betroffenen anzubieten. Die Menschen stehen unter Schock. Die meisten halten sich weiterhin im Freien auf, weil sie Angst haben in ihre teilweise zerstörten Häuser zurückzukehren. […] Sie haben Zelte auf Freiflächen aufgebaut, wo sie übernachten. Die ganze Nacht hindurch sieht man Menschen, die einfach durch die Straßen laufen oder zusammengekauert unter Decken neben der Straße sitzen, weil sie keine Zuflucht haben. Der nicht in diese Jahreszeit passende Regen hat zudem die Temperaturen in der Nacht stark abfallen lassen, was zusätzlich zum Elend der Vertriebenen führt. Verschiedene Schulen und Kirchen haben ihr Gelände für jeden geöffnet, der Zuflucht sucht.

Die Hauptstraßen nach und aus Kathmandu heraus sind aufgrund von Erdrutschen, die durch das Erdbeben ausgelöst wurden, blockiert. Dies hindert die Rettungsteams daran, die Gebirgspfade zu nutzen, um die Bedürftigen zu erreichen. […]

Viele Medien haben ihren Fokus auf die Lawinen am Basiscamp des Mount Everest gelegt, in dem sich viele Touristen aufgehalten haben – obwohl es die Menschen in den armen ländlichen Distrikten rund um das Epizentrum sind, die am schlimmsten leiden. Die Zerstörung der Häuser in den abseits gelegenen Dörfer ist noch katastrophaler als in den Gegenden, die in den Nachrichten gezeigt werden.

Schulen wurden vorerst geschlossen, ebenso die meisten Geschäfte, Betriebe und Büros. Zum jetzigen Zeitpunkt, drei Tage nach dem Beben, ist es noch nicht klar, wie stark die Nahrungsmittel- und Wasserversorgung betroffen ist. Preise für Gemüse und Grundnahrungsmittel sind in die Höhe geschnellt. Und wenn Nahrungsmittel und Wasservorräte zurückgehen, dann wird sich auch das Leid der Menschen verschlimmern. Die medizinischen Teams machen sich zudem große Sorgen über den möglichen Ausbruch von Krankheiten: Vor allem Cholera.

Nach einem totalen Zusammenbruch am Tag des ersten Bebens sind Mobilnetze und Elektrizität im Herzen von Kathmandu allmählich wieder verfügbar, wenn auch lückenhaft. Glücklicherweise ist das Breitbandinternet im Gebiet der Hauptstadt seit dem Erdbeben weiterhin verfügbar, so dass eine Kommunikation mit der Außenwelt über das Internet überhaupt möglich ist.

Kathmandus kleiner Flughafen ist am Rande der Belastung, da Flugzeuge mit Notversorgung und Helfern ankommen. Unterdessen geht aber auch der normale Linienverkehr weiter, um eine große Anzahl an Touristen und Kletterern aus dem Land zu evakuieren. Lokale und internationale Such- und Rettungsteams suchen weiterhin in den Überresten eingestürzter Häuser in Kathmandu und in ländlichen Gebieten, in der Hoffnung, Überlebende zu finden. […]

Sobald die unmittelbaren Hilfsmaßnahmen abgeschlossen sind und erste Hilfe für die Schwerverletzten geleistet wurde, muss der Fokus auf die Menschen gelegt werden, die ihre Häuser verloren haben, körperliche Behinderungen davon getragen haben, seelisch leiden, ihren Tierbestand oder auf andere Weise ihre Lebensgrundlage verloren haben. Es ist entscheidend, dass auch denen in den stark betroffenen Dörfern geholfen wird, die nicht im Fokus der Medien stehen.Wir werden Materialien wie Zelte, Matratzen und Nahrungsmittel bestellen müssen. Auf jeden Fall benötigen wir dringend finanzielle Hilfe und wir möchten die Betroffenen auf dem Weg zurück in ihr normales Leben begleiten. Wir koordinieren und vernetzten uns mit verschiedenen Organisationen und haben genug freiwillige Helfer für die nächsten Tage. […]

Die Unterstützung der Kirche durch Gebete und materielle Dinge sowie generell durch die Öffentlichkeit wird uns dabei helfen diejenigen zu unterstützen, die momentan dringend unsere Hilfe benötigen. Und es wird Nepal helfen zu beginnen, sich von den verheerenden Auswirkungen des Erdbebens zu erholen.

Wir danken Ihnen für ihre anhaltende Unterstützung und ihre Gebete für die Erdbebenopfer.

Ihr

Fr. Silas Bogati, Generalvikar Apostolic Vicariate of Nepal“

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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