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Lebensmittelverschwendung in Indien

Lebensmittelverschwendung nimmt auch in Schwellen- und Entwicklungsländern zu. In Indien landen bis zu 40 Prozent der erzeugten Lebensmittel auf dem Müll. Im gleichen Land hungern knapp 200 Millionen Menschen.  Und die Hälfte aller Kinder unter fünf Jahren ist mangelernährt. Dieses Paradox löst Empörung aus. Engagierte Personen gründen zivilgesellschaftliche Initiativen, fordern von der Politik eine Lösung des Problems und gehen mit verschiedenen Strategien gegen die Lebensmittelverschwendung vor.

Müllkippe in Kalkutta

In Indien landen 40 Prozent der Lebensmittel auf dem Müll, während knapp 200 Millionen Menschen hungern. Foto: Misereor/Baumann

Lebensmittel verotten im Lager

Indien ist der weltweit größte Produzent von Obst und Gemüse. Doch ein Drittel dieser Lebensmittel verderben Jahr für Jahr, noch bevor sie die Verbraucherinnen und Verbraucher erreichen. Genauso wie 21 Millionen Tonnen Getreide, die in den Lagerstätten der von der Regierung verwalteten „Food Corporation of India“ verrotten, statt der armen Bevölkerung zur Verfügung gestellt zu werden. Grund dafür ist die mangelhafte Infrastruktur für die Lagerung der Produkte, sowie der oft weite Transport vom Land in die Städte. Dies wirkt sich direkt auf viele Kleinproduzenten und Händler aus, die wegen großer Verluste kaum über die Runden kommen. Entsprechend fordert die indische Kampagne „Foreign Direct Investment Watch“ von der Regierung, in die Verbesserung der Lagerung und Verteilung von Lebensmitteln zu investieren.

Marktverkäufer in Indien

Marktverkäufer müssen schnell verkaufen, da die Lagerung der Lebensmittel schwierig ist. Foto: MISEREOR/ Mertineit

Auf einem Großmarkt von Neu Delhi ist Titu Yadaf, ein Bauer aus einem benachbarten Bundesstaat, mit einem Laster angekommen, um seine Kartoffelernte zu verkaufen. Er steht unter dem Druck schnell zu verkaufen und zu entsprechend günstigen Preisen, da er keine Möglichkeit hat die Produkte in Lagerhäusern angemessen zu lagern und sie sonst verderben.

Auf einem Markt in Mumbai erklärt der Obst- und Gemüseverkäufer Mohammed, dass wahrscheinlich wieder die Hälfte seiner auf dem Großmarkt eingekauften Produkte wegen den schlechten Lagerungsmöglichkeiten verderben wird, bevor er sie an die Konsumenten verkaufen kann. Besonders schwierig ist die Lagerung während der feuchten Hitze des Monsuns.

Strategien gegen Lebensmittelverschwendung

Markt- und Straßenverkäufer in Indien können die Verluste durch verderbende Lebensmittel nicht so einfach kompensieren, wie das große Lebensmittelkonzerne tun. Sie haben deshalb großes Interesse daran, der Verschwendung von Lebensmitteln vorzubeugen. So passen sie ihr Angebot an die Nachfrage an und vermeiden Überschüsse.

Wenn sie gekochte Gerichte verkaufen, haben sie die Nachfrage im Blick und kochen nur so viel, wie sie an einem Tag verkaufen können. Außerdem wenden Markt- und Straßenverkäufer traditionelle Konservierungsmethoden an und bewahren Obst und Gemüse in großen Tongefäßen auf, um die Haltbarkeit zu verbessern. Des Weiteren verkaufen sie Obst und Gemüse zum halben Preis bevor es verdirbt. Dennoch würden auch sie vom Zugang zu verbesserten Lagerungseinrichtungen profitieren.

Eine organisierte Gruppe von Straßenverkäufern setzt sich außerdem dafür ein, dass die Regierung Programme zur Kompostierung von Grünabfällen von Straßenmärkten unterstützt, um diese wenigsten zu recyceln.

Neue Mittelschicht und wachsende Müllberge

Doch auch die wachsende Mittelschicht in Indien trägt zum Anwachsen der Müllberge bei, weil sie sich am konsumorientierten und verschwenderischen westlichen Lebensstil orientiert und Lebensmittel nicht mehr wertschätzt. Entsprechend landen selbst in Indien in privaten Haushalten, Restaurants und Hotelküchen Lebensmittel im Müll.

Aber auch hier gibt es bereits engagierte Menschen, die Lösungen suchen. Die im Jahr 2014 gegründete Organisation „Robin Hood Army“ arbeitet mit mehr als 500 Freiwilligen in 14 Städten und verteilt überschüssige Lebensmittel aus Restaurants an Obdachlose, Straßenkinder, Patienten staatlicher Krankenhäuser, und andere. Mit der Unterstützung der MISEREOR- Partnerorganisation Janpahal hat eine Gruppe organisierter Straßenverkäufer außerdem eine Kooperation mit Hotels und Restaurants aufgebaut, um Lebensmittelabfälle als Viehfutter weiterzuverwenden.

Kreislaufwirtschaft ohne Müll

In ländlichen Gemeinden dagegen ist Lebensmittelverschwendung fast unvorstellbar. Es herrscht eher Mangel als Überfluss. Nahrungspflanzen und Tiere sind wertvoll und Lebensmittel werden ganzheitlich verwendet, weiterverarbeitet oder geteilt. Wenn Bauernbetriebe nach agrarökologischen Prinzipien wirtschaften entsteht ein Kreislauf, in dem jedes erzeugte Produkt seinen Nutzen hat, sei es in Form von Nahrung, Viehfutter oder Kompost. Das Konzept von „Müll“ existiert in dieser Kreislaufwirtschaft nicht.

Ein Kreislauf, in dem alles wertvoll ist. Foto: Misereor/Mertineit

Ein Kreislauf, in dem alles wertvoll ist. Foto: MISEREOR/Mertineit

Sarah Schneider arbeitet als Referentin für Ernährung in der Abteilung Politik und Globale Zukunftsfragen.

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MISEREOR-Kampagne: Kein Essen für den Eimer! Gemeinsam gegen Lebensmittelverschwendung. Jetzt unterschreiben!

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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