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Agrarinvestitionen: Ein Segen? Von wegen!

Der von MISEREOR geförderte Film LANDRAUB portraitiert die Auswirkungen großer Agrarinvestitionen auf Kleinbauern im globalen Süden. Am 8. Oktober startet der Film in deutschen Kinos. Der österreichische Regisseur Kurt Langbein stellte den Film vorab im Apollo Kino Aachen vor und diskutierte anschließend mit den Gästen über das Thema.

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Die Produktion von ausreichend Lebensmitteln wird zu einer der größten Herausforderungen der Zukunft. Die Weltbevölkerung wächst konstant, wobei das verfügbare Ackerland immer knapper wird. Spätestens seit der Finanzkrise 2008 kaufen Investoren in großem Stil fruchtbares Land im globalen Süden auf. Sie sprechen von Nahrungssicherung durch industrielle Nahrungsmittelproduktion und schielen auf hohe Profite. Eine Fläche halb so groß wie Europa wurde bereits aufgekauft.

Indigene Völker und Kleinbauern müssen in der Folge weichen oder werden durch diesen Zugriff von ihrem Land vertrieben. Unaufdringlich aber eindrucksvoll vermittelt LANDRAUB eine schlichte Botschaft: Landraub zerstört Lebensgrundlagen. Dabei lässt der Film alle Seiten gleichermaßen zu Wort kommen: die Betroffenen und Opfer, Agrarinvestoren, Firmenchefs, Menschenrechtsaktivisten und Politiker.

So rechnet ein Berater für Agrarinvestitionen vor, dass sich die Profite der Palmölproduktion alle 10 Jahre verdoppeln ließen, der Leiter einer indonesischen Palmölplantage darf die Nachhaltigkeit seines Palmöls anpreisen. Weitwinklige Bilder portraitieren anschließend die Dimension industrieller Palmölproduktion und die damit verbundene Zerstörung des Regenwaldes.

In Äthiopien bauen derweil europäische Firmen großflächig und billig Gemüse an, das zwei Tage nach der Ernte in den Küchen der Nobelhotels von Dubai teuer verkauft wird. In der äthiopischen Landbevölkerung gibt es Gewinner und Verlierer dieses Trends. Verloren haben viele Menschen den Zugang zu Ackerböden und Wasser. Gewonnen haben diejenigen, die sieben Tage in der Woche 12 bis 14 Stunden pro Tag auf der Gemüseplantage arbeiten können und glücklich sind, von den 2,5 Euro Tageslohn ihre Familie ernähren zu können.

Über Augen und Ohren gehen diese Geschichten unter die Haut. Während des Films überkommen einen abwechselnd Wut, Schuld, Scham und Empathie. Über allem schwebt das konstante Gefühl der Fassungslosigkeit. Die größte Stärke des Films liegt darin, eine starke Botschaft zu entfalten, ohne unsachlich oder polemisch zu werden.

Denn der Film hat es gar nicht nötig zu kommentierten. Langbein lässt die Bilder und Beiträge für sich sprechen und ergänzt sie mit pointierten Fakten: Kleinbauern produzieren zehn Mal mehr Energie als sie verbrauchen. Die Agrarindustrie demgegenüber verbraucht zehn Mal mehr Energie als die produziert. Der Zuschauer bildet sich seine eigene Meinung.

Was also tun? Im Film vermeidet Langbein aktivistische Handlungsaufrufe. Diese brechen sich in der anschließenden Diskussion seitens des Publikums Bahn: „Da muss man doch was tun! Wird der Film auch den Politikern oder im Fernsehen gezeigt?“ Der Regisseur genießt in Ruhe die Wirkung seines Films und macht ein wenig Hoffnung: „Zurzeit verhandeln wir über eine Ausstrahlung im deutschen Fernsehen. Zudem ist demnächst eine Vorführung für die Mitglieder des Europäischen Parlamentes geplant.“ Zum Schluss lässt sich Langbein in seiner Antwort dann doch noch zu einem Appell hinreißen: „Was wir essen, ist auch ein politisches Statement!“YouTube Preview Image

MISEREOR analysierte kürzlich in der Studie ‚A Right to Food Perspective‘ die Folgen von großen Agrarinvestitionen für Kleinbauern in Tansania. Über das Thema diskutieren am 13. Oktober Vertreter aus Politik, Zivilgesellschaft, Wissenschaft und Wirtschaft bei der von MISEREOR organisierten Podiumsdiskussion „Die Allianz der Zäune: Großflächige Agrarinvestitionen als Rezept gegen den Hunger?“ ab 17:30 Uhr im Forum Volkshochschule Köln (Cäcilienstraße 29-33, 50667 Köln).


Mehr Informationen…

… zum Film LANDRAUB.
… zum Thema Landraub aus MISEREOR-Sicht  hier im Blog.

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Autor:

Thomas Kuller

Thomas Kuller arbeitet in der Abteilung Kommunikation.

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