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Vom Glück her den Papst in der Tasche

550 Kilometer zu Fuß in 5 Tagen. Klingt ambitioniert? Das ist es auch. „Das heftigste sind eigentlich die Nachtetappen,“ erzählt mir einer der Pilger der diesjährigen Hungertuchwallfahrt bei der Ankunft in Würzburg am Samstagvormittag, der sich mit seiner Frau beim Pilgern abgewechselt hat und für die letzte Tagetappe sogar seinen Sohn mitgebracht hat. Vor Erschöpfung kann dieser kaum seine schlammigen Stiefel vom Boden heben. „Wenn dein Körper eigentlich Ruhe braucht und dein Biorhythmus auf Schlaf eingestellt ist. Dann von halb zwei in der Nacht bis sechs Uhr morgens fünfzehn Kilometer zu Fuß laufen kostet schon Überwindung.“

Die Hungertuchwallfahrer ziehen über die Alte Mainbrücke in Würzburg ein © Thomas Kuller/MISEREOR

Die Hungertuchwallfahrer ziehen über die Alte Mainbrücke in Würzburg ein © Thomas Kuller/MISEREOR

Seit ihrer Gründung im Jahr 1986 geht es bei der Hungertuchwallfahrt bewusst eben auch darum, sich einige Tage den Komfort des Alltags vorzuenthalten, sich zu Anstrengungen und Unannehmlichkeiten zu überwinden, die man sonst eher ungern in Kauf nimmt. Es gibt einen klar vorgegeben Zeitplan, der minutiös eingehalten werden muss, damit das Hungertuch rechtzeitig zur Fastenaktionseröffnung vor Ort ist. Damit ununterbrochen gepilgert werden kann, haben sich die insgesamt 54 Wallfahren in vier Gruppen aufgeteilt, von denen einige dann eben schon einmal einen langen Nachtmarsch auf sich nehmen.

Warum tun die sich das an?

Zu den weiteren Herausforderungen bei solch einer Wallfahrt gehören meist auch Wind und Wetter. „Diesmal hatte die Gruppe jedoch Glück“, berichtet Gruppenleiter Matthias Hey. „In Fürstenau haben wir das Hungertuch zwar klatschnass entgegengenommen und in Osnabrück hat es noch ein bisschen genieselt. Ab da hatten wir vom Glück her aber den Papst in der Tasche und es blieb bis Würzburg trocken.“ Dieses Glück war der anderen Pilgergruppe aus dem Bistum Paderborn leider nicht vergönnt: „Wir sind über den Limes eingelaufen und hatten dort schon nasse Füße. Im Spessart sind wir dann durch den Schnee gestapft“, berichtet ihr Gruppenleiter Jochen Voß.

Verdutzte Blicke begleiten die Hungertuchwallfahrt © Thomas Kuller/MISEREOR

Verdutzte Blicke begleiten die Hungertuchwallfahrt © Thomas Kuller/MISEREOR

„Warum tun die sich das denn an?“, fragt mich eine verdutzte Passantin, der ich den Sinn der Hungertuchwallfahrt erkläre während die Pilger singend in die Würzburger Innenstadt einziehen. Wer die Strapazen dieses Fußmarsches auf sich nimmt muss schon eine eiserne Entschlossenheit und ein Ziel vor Augen haben, aus dem sich Kraft und Motivation schöpfen lassen. Dies würdigt auch Pirmin Spiegel in seiner Willkommensansprache: „Ich war vor zwei Tagen noch in Brasilien bei der dortigen Eröffnung der gemeinsamen Fastenaktion. Ich habe ganz vielen Brasilianerinnen und Brasilianern von den Hungertuchwallfahrern erzählt und sie waren tief beeindruckt von Ihrer Leistung und Leidenschaft. In dieser Fastenaktion sind wir alle gemeinsam auf der Straße für mehr Recht und Gerechtigkeit in dieser Welt. Wir möchten dort, wo Menschenrechte mit Füßen getreten werden und die Schöpfung nicht den Respekt erhält, der ihr gebührt, eintreten wir für die Vision einer anderen, gerechteren Welt.“

Öffentliches Zeugnis des Willens und Glaubens

Zusammen mit dem MISEREOR-Hauptgeschäftsführer hießen Bischof Friedhelm Hofmann der Gastgeberdiözese Würzburg, Bischof Wilmar Santin aus der brasilianischen Diözese Itaituba die Gästen willkommen und bereiteten ihnen in der ältesten Pfarrkirche der Stadt einen gebührenden Empfang. „Ihre Anstrengungen der letzten Tage sind ein öffentliches Zeugnis des Willens und des Glaubens, das uns und andere Menschen aufhorchen lässt und zum Nachdenken anregen wird“, bedankte sich Bischof Hofmann für den unermüdlichen Einsatz der Wallfahrerinnen und Wallfahrer bevor er zu einem Gebet aus der Papst-Enzyklika „Laudato si“ einlud: „Rühre die Herzen derer an, die nur Gewinn suchen auf Kosten der Armen. Ermutige uns in unserem Kampf für Gerechtigkeit, Liebe und Frieden.“

Für diesen Kampf werden die Hungertuchwallfahrer auch im nächsten Jahr wieder einige Strapazen auf sich nehmen, dann von Würzburg nach Trier in den Eröffnungsort der Fastenaktion 2017. Was dann noch besser werden kann? „Was noch fehlt ist ein Wagen, der uns begleitet und für die Kinder da ist, mit Spielen und Matratzen zum Ausruhen“, erzählt mir der Familienvater mit seinem Sohn an der Hand schmunzelnd. Früh übt es sich im Pilgern.

Pirmin Spiegel, Bischof Wilmar und Bischof Hofmann nahmen die Hungertuchwallfahrer in Empfang © Thomas Kuller/MISEREOR

Pirmin Spiegel, Bischof Wilmar und Bischof Hofmann nahmen die Hungertuchwallfahrer in Empfang © Thomas Kuller/MISEREOR

Autor:

Thomas Kuller

Thomas Kuller arbeitet in der Abteilung Kommunikation.

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