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Was sind die Sustainable Development Goals?

Was verbirgt sich eigentlich hinter der Abkürzung SDGs? Unser Experte Dr. Klaus Schilder gibt Antworten.

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Die Vereinten Nationen haben Ziele für eine nachhaltige Entwicklung bis zum Jahr 2030 entworfen. Foto: MISEREOR

Im September 2015 haben die Vereinten Nationen in New York neue global gültige Nachhaltigkeitsziele verabschiedet: die Sustainable Development Goals (SDGs). Neu ist nicht nur, dass sie an die Stelle der Millennium Development Goals (MDGs) treten, sondern dass sie für alle Staaten der Welt gleichermaßen gelten. Da nun auch Deutschland und andere Industrienationen ihre Wirtschaftsweise und ihre Umweltpolitik überdenken müssen, gilt: Auch Deutschland ist Entwicklungsland!

Was beinhalten diese Nachhaltigkeitsziele?

Die SDGs und die damit verbundene 2030 Agenda unternimmt mit ihren 17 Unterzielen ehrgeizige Schritte hin zu einer sozial-ökologischen Transformation unserer Gesellschaften. Für MISEREOR bedeutet dies, allen Menschen auf der Welt, einschließlich insbesondere den Armen und Ausgegrenzten, das gleiche Recht auf ein gutes Leben zuzugestehen. Mit anderen Worten: Wir setzen uns für einen Perspektivwandel ein, hin zum Weltgemeinwohl als Indikator für menschliches Wohlergehen. Die Verwirklichung der Menschenrechte ist dabei natürlich eingeschlossen.

Warum gibt es neue Ziele? Haben die Millennium Development Goals nicht gereicht?

Die MDGs waren ein auf die Reduzierung von Armut und die Überwindung von Hunger ausgerichteter Zielkatalog, der vor allem auf die Verbesserung der sozialen Entwicklung in vielen Entwicklungsländern abzielte. Menschenrechte spielten hier eine ebenso untergeordnete Rolle wie die Verpflichtung der reichen Industrienationen, das ihre für die Verwirklichung der MDGs beizusteuern. Bestes Beispiel: Vor 46 Jahre haben die reichen Länder ein Versprechen abgegeben, 0,7% des Bruttonationaleinkommens für Entwicklungszusammenarbeit aufzubringen. Dieses Versprechen wurde bis auf wenige Ausnahmen nicht erfüllt, auch nicht von Deutschland.

Von wem wurden die SGDs ausgearbeitet?

Neu ist auch, dass der Verabschiedung der SDGs ein bislang beispielloser internationaler Konsultationsprozess vorausging, der VertreterInnen von Wissenschaft, Zivilgesellschaft, Kirchen, Politik und Gewerkschaften umfasste. Nicht alle der guten Vorschläge haben es am Ende in den von den Regierungen beschlossenen Zielkatalog geschafft, und vieles in den Zielen bleibt auch widersprüchlich oder zu allgemein formuliert. Aber letztlich haben alle Staaten den Kompromiss akzeptiert und können jetzt in der einen oder anderen Weise eine Vorreiterrolle bei der Umsetzung einnehmen.

SchK

Dr. Klaus Schilder ist Referent für Entwicklungspolitik und arbeitet im Berliner Büro von MISEREOR. Foto: MISEREOR

Können Sie uns ein Beispiel geben, wie und wo man diese Ziele umsetzen kann?

Die SDGs sind auch eine Reaktion auf die Zunahme globaler Risiken. So stehen zunehmende Verstädterung und Klimawandel in unmittelbarem Zusammenhang. Städte sind sowohl Betroffene als auch Verursacher des Klimawandels. Misereor fordert die Regierung in Deutschland wie auch zum Beispiel in Brasilen auf, die notwendigen finanzielle Mittel zur Schaffung städtischen Wohnraums zur Verfügung zu stellen und gleichzeitig den Ausbau kommunaler emissionsarmer Infrastrukturen zu fördern. Dahinter verbergen sich beispielsweise Investitionen in kohlenstoffarme Technologien ebenso wie eine Verkehrswende hin zur Stärkung des öffentlichen Nahverkehrs in Süd und Nord. Damit auch wirklich alle Ressorts der Bundesregierung an einem Strang und in eine Richtung ziehen, ist aus unserer Sicht darüber hinaus ein SDG-Umsetzungsplan nötig, der für alle Politikfelder konkrete Maßnahmen beschreibt, wie die SDGs bis 2030 erreicht werden können. Zudem brauchen wir regelmäßige Fortschrittsberichte, damit wir – die Gesellschaft – rechtzeitig erkennt, ob und wo wir mehr politischen Druck machen müssen.

Warum sind die SDGs ein Thema für MISEREOR?

Wenn unsere Politiker und Politikerinnen, aber auch wir alle in der Gesellschaft, die SDGs politisch ernst nehmen, dann haben diese das Potential, unsere nicht nachhaltigen Wirtschafts- und Gesellschaftsstrukturen neu auszurichten. Die Herausforderungen des Klimawandels, der Welternährung, von Krieg und Gewalt und die zunehmende Macht von Wirtschafts- und Finanzakteuren erfordern ambitioniertes Handeln. MISEREOR fordert von der Bundesregierung, die Zielvorgaben nicht nur im eigenen Land ernst zu nehmen, sondern auch die Verbesserung der Lebensbedingungen der Menschen weltweit in den  Blick zu nehmen. Dazu zählt beispielsweise, die Produktion entlang globaler Lieferketten für Textilen und viele andere Konsumgüter so zu gestalten, dass die Rechte der ArbeiterInnen geschützt und Umweltauswirkungen minimiert werden.


Mehr Infos

Über 90 Teilnehmer diskutierten auf der MISEREOR-Jahrestagung über die Nachhaltigkeitsziele. Haben Sie Interesse, an der nächsten Jahrestagung teilzunehmen? Mehr Infos auf www.misereor.de/jahrestagung

Autor:

Klaus Schilder

Dr. Klaus Schilder ist Referent für Entwicklungspolitik für MISEREOR.

2 Kommentare Schreibe einen Kommentar

  1. In der Tat ist die Verbesserung demokratischer Teilhabe in vielen Ländern eine Grundvoraussetzung nicht nur für die Umsetzung der SDGs, sondern darüber auch für einen grundlegenderen Wandel zu nachhaltigen und gerechteren Gesellschaften. Um die mit Unterziel 16.1. geforderte Verbesserung im Zugang zu Justiz in die Tat umzusetzen, müssten beispielsweise die erheblichen Lücken im Rechtszugang für Betroffene von Menschenrechtsverletzungen im Ausland auch vor deutschen Gerichten verbessert werden. Dazu geeignet wären – wie von Misereor gefordert – Rechtsreformen wie die Einführung von Sammelklagen oder ein Unternehmensstrafrecht in Deutschland. Partizipationsprozesse inklusiv und repräsentativ zu gestalten, ist angesichts des zunehmenden Drucks auf die Arbeit unabhängiger zivilgesellschaftlicher Organisationen in vielen Staaten – von China über Russland bis hin zur Türkei – ist derzeit wohl eher im Bereich politischen Wunschdenkens zu verorten. Hier hilft kein noch so ausgefeilter SDG-Indikator weiter, sondern nur Standfestigkeit und Solidarität an der Seite derer, die für Meinungsfreiheit und Verwirklichung der Menschenrechte stehen. Misereor sollte den Mut haben, unserer Politik hier zu entschiedenem Handeln aufzufordern. Die Gelegenheit ist günstig, denn nächstes Jahr wird gewählt!

  2. Leider wird wenig dazu gesagt, dass gerade mit Blick auf das Recht politischer Partizipation aller Bürgerinnen und Bürger und Ihrem Recht Ihre Gesellschaften zu gestalten und gegenüber Ihrer Führungsebene frei und ohne Angst vor Meinung zu äußern und Kontrolle zu üben die SDG SCHWACH sind. Ziel 16 ist mit Blick auf das Recht zu politicher partizipation bewusst schwammig formuliert. Kein Wunder wenn man überlegt, wer da alles Einfluss hatte. Aber Kontrolle von Gouvernance (bzw mangelnde) durch die eingenen BürgerInnen ist in vielen Regionen der Erde ein wichtiger Grund für mangelnde Entwicklung. Damit beeinflusst ein in wesentlichen Teilen schwammiges Ziel 16 leider auch die anderen negativ! Da sollten wir offensiver zu stehen.

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