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Hungersnot in Afrika: Mit letzter Kraft

Es macht einen riesigen Unterschied, ob ich von der Dürre in Afrika in der Zeitung lese, Berichte im Fernsehen schaue oder direkt neben verwesenden Tieren stehe, die nicht mehr verbrannt werden können, weil es nicht mehr genügend Feuerholz gibt.

Foto: Selina Orsi-Coutts/MISEREOR

Mit Isacko Jirma, einem Verantwortlichen der Caritas und einem lokalen „Chief“, fahre ich nördlich von Marsabit hinein in den Busch. Was ich dort sehe ist traurig, ist desaströs. Alle paar Meter liegt ein totes Tier, liegen verweste Tiere, rund 50 Meter entfernt ist ein Manyatta (Anm. d.Redaktion: durch einen Wall geschützte Hütten-Siedlung), vor der die Kinder spielen und darauf warten, dass eine Wasserlieferung kommt, die die leeren Wasserkanister wieder auffüllt. Die Dorfältesten versammeln sich, sie bitten Isacko und den Chief um Hilfe. Die Frauen sitzen daneben, umringt von Kindern die teilweise noch wohlgenährt sind, teilweise einen Entwicklungsrückstand von etwa 6 Monaten haben und damit als unterernährt gelten. Die Menschen hier leben von nur einer Mahlzeit am Tag; Maisbrei, ohne Öl, ohne Fleisch. Die abgemagerten Tiere sind nicht mehr essbar.

Foto: Selina Orsi-Coutts/MISEREOR

Gibt es Regen, nimmt er den ausgezehrten und kranken Tieren die letzten Kräfte

Ein Jahr ausbleibender Regen hat viele Dorfbewohner in die Stadt zu Verwandten getrieben. Geblieben sind die, die diese Möglichkeit nicht haben. Jeden Tag warten sie darauf, dass der heißersehnte Regen endlich fällt. Auf die trockene Erde, die von keinem Gras mehr gehalten wird. Sie wird dann weggeschwemmt werden und die noch übriggebliebenen Tiere ebenfalls dahinraffen. Der kühle Regen nimmt den ausgezehrten und kranken Tieren die letzten Kräfte. In Durkana hat man nach dem ersten Regen 17.000 tote Tiere gezählt.

Foto: Selina Orsi-Coutts/MISEREOR

Caritas Marsabit, unterstützt von MISEREOR und weiteren CIDSE-Partnern, hat seine Nothilfe gestartet: Es geht darum, mit Wassertrucks und Lebensmitteln Leben zu erhalten. Die Organisation CAFOD aus Großbritannien kümmert sich beispielsweise um die Lebensmittelversorgung in Schulen, Caritas Deutschland unterstützt mit Nahrungsmittelgutscheinen. Der Bischof von Marsabit, Peter Kihara, ist dankbar für die Unterstützung und versucht im Zusammenspiel mit der Regierung das Schlimmste zu verhindern. Der Bezirksregierung ist Wahlkampf derzeit wichtiger. Einige Ministerien unterstützen die Bevölkerung mit Cash Transfers und vereinzelten – ethnisch bestimmten und dem Wahlkampf förderlichen – Aktivitäten. Die meisten Kolleginnen und Kollegen sind im Feld bei den Menschen und versuchen, auf die Ernsthaftigkeit der Lage aufmerksam zu machen. Im Kampf und im Wettstreit um die kärglichen Ressourcen und in Zeiten des Wahlkampfes ist auch das „Justice and Peace“-Programm der Diözese immer wichtiger.

Es bleibt die Frage: War das Schlimmste vermeidbar?

Was bleibt, ist eine Frage: War, nachdem Kenia von einer zyklischen Dürre betroffen ist, die damit vorhersehbar war, das Schlimmste nicht vermeidbar? Hunger, Desertifizierung, der Verlust des eigenen Vermögens wie dem Viehbestand? Technische Paradigmenwechsel wie die rechtzeitige Verkleinerung von Herden oder die Einzucht von anderen Ziegen-Kuhrassen, politische Paradigmenwechsel wie die Unterstützung und Schaffung von dezentralen Märkten und Schlachthäusern und ein kultureller Paradigmenwechsel sind in diesem Land nötig, um die Identität der Pastoralisten (Anm.d.Red.: lokalen Viehhalter) zu bewahren. Und um die Intensität von Krisen mildern. Viele Mitarbeiter aus Nichtregierungsorganisationen sind in die Bezirksregierung gewechselt und sich der Lage und der Bedürfnisse der Bevölkerung bewusst. Ihr Einfluss ist jedoch kaum zu spüren.

Heute morgen hat es das erste Mal für eine Stunde auf dem Berg Marsabit geregnet, ein Segen. Wir hoffen, dass sich der Regen die nächsten Tage und Wochen flächendeckend ausbreitet.

Ein Beitrag von Selina Orsi-Coutts, Leiterin der MISEREOR-Verbindungsstelle in Kenia.


Weitere Informationen:

Im Osten Afrikas sind mehr als 50 Millionen Menschen von schweren Hungerkrisen betroffen. Die Nahrungsmittelkrise spitzt sich weiter zu. Unterstützen Sie uns mit Ihrer Spende!

Autor:

Gast-Autoren im MISEREOR-Blog.

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